Uckermark - Gollmitzer Mühle

Uckermark: Faszination Wassermühle Gollmitz

Der Mühlentraum von Kai Rogozinski. Es war im Jahr 1982: Der junge Kai paddelte mit seinem Vater an einem regnerischen Sommertag im Faltboot durch die Uckermark. An einem Fluss machen sie Pause bei einer alten Wassermühle. Der Müller lud beide zum Tee ein. Miteinander saßen sie am offenen Feuer. Kais Augen wanderten im Raum umher. Er war fasziniert von den vielen Sachen, die es hier zu sehen gab. Alles, aber auch alles fasziniert ihn an dieser Mühle: Das Klappern des Mühlrads, die Mühlentechnik, der Geruch von Feuer, Mehl, Holzbalken, Schmieröl. Dieses Erlebnis entzündet im jungen Kai den sehnlichsten Wunsch: „Ich möchte ein Müller sein“!

Lindenallee führt nach Gollmitz
Lindenallee führt nach Gollmitz


Mühlen sind Bestandteil der Uckermarker Kulturlandschaft

Es dauert also 20 Jahre, bis er sich seinen Wunsch erfüllen konnte. Bei Kanufahrten durch die Uckermark entdeckte er diese Wassermühle. Nach der Wende konnte er sie ersteigern. Das große, mehrstöckige Fachwerkhaus befreite er von Bäumen und Büschen. Jetzt wird sichtbar, wie groß die Schäden sind. Die Fachwerkbalken sind teilweise zerstört, das Mauerwerk war lose. Man konnte von innen nach draußen sehen. Das Dach war kaputt und die Maschinen zerstört. Das Gebäude war in einem elenden Zustand. Kai: „Nun hatten wir die Ruine und wir überlegten, was man daraus machen kann.“ Er ließ sich nicht entmutigen. Der Wunsch, Müller zu sein, war stärker, als seine Angst vor Kosten und Arbeit…

2004 war Richtfest der Gollmitzer Mühle. Und 2006 backte er seinen ersten Brotlaib aus selbstgemahlenem Mehl. Im eigenem Holzbackofen draußen in seinem Garten.

Aus Strom wird Strom

Doch zuerst kam ein fünf Jahre dauernder Kampf mit den Behörden.Wasserrecht und Denkmalschutz machten Auflagen. Zuerst brauchte er die wasserrechtliche Erlaubnis, diese Mühle am Fluss „Strom“ funktionstüchtig zu machen und ein Wasserrad zu bauen. Für Kai gehören funktionstüchtige Wassermühlen mit einem drehenden Wasserrad zur Kulturlandschaft der Uckermark. Früher hatte jedes Dorf in der Uckermark seine eigene Mühle. Viele sind dem Verfall preisgegeben. Etwa 20 Mühlen produzieren im Land Brandenburg nachhaltig erzeugte Energie, die ins Netz gespeist wird. Es könnten noch viel mehr alte Mühlen Strom erzeugen. Doch die komplizierte Wasserrahmenrichtlinie der EU ist für viele Mühlenbesitzer ein zu großes Hindernis. Kai meint: „Wenn es die Behörden leichter machen, dann wären viel mehr Mühlenbesitzer bereit, umweltfreundlichen Strom zu erzeugen. Viele dezentrale Energieerzeuger könnten einen wirksamen Beitrag zur Energiewende leisten. In Mühlen wurde schon immer Energie mit Hilfe der Natur erzeugt. In Mühlen befinden sich die ersten und ältesten Maschinen der Welt.“

Die Gollmitzer Wassermühle soll mit modernster Technik funktionieren, damit aus dem kleinen Fluss Strom nachhaltig und effizient Strom erzeugt wird. Das sechs Meter große Wasserrad ist das größte Wasserrad nördlich von Berlin und wurde speziell für diese Mühle gebaut. Mit diesem Wasserrad, das einen Generator antreibt, werden 50 – 60 000 kWh Strom pro Jahr erzeugt. Zunächst wird der Strom für den Eigenverbrauch verwendet, darüberhinaus reicht dieser Strom für zehn Einfamilienhäuser.



Freunde halfen mit

Mit 25 Kanufreunden gründete er 2002 einen Mühlenverein. Die Mitglieder und Freunde halfen ihm Wochenende für Wochenende beim Aufbau. Dass diese Mühle wieder so schön werden könnte, hätte keiner für möglich gehalten.

Alte Balken sprechen

Erstmals erwähnt wurde die Gollmitzer Wassermühle 1296. Das Alter der Holzbalken wurde dendrochronologisch untersucht. Wissenschaftler des Dendrochronologischen Instituts Berlin untersuchten Holzstücke mit dem Elektronenmikroskop.

Herausgekommen ist: Das verwendete Holz war eine Eiche mit einem Alter von 120 Jahren aus der Uckermark. Die Abstände der Jahresringe ergaben, dass dieses Holzstück frisch verwendet wurde. Der Baum wurde im Jahre 1721 – 1722 gefällt. Das deckt sich genau mit den Daten der Ortschronik der Gemeinde Gollmitz.

Im Dreißigjährigen Krieg war die Uckermark stark betroffen, auch diese Mühle. In der DDR-Zeit wurde die historische Mühlentechnik verschrottet. Mit Starkstrom wurden dann die Mahlwerke bis 1990 für die Futtermittelherstellung weiter betrieben.

Sanierung mit althergebrachten und modernen Baustoffen

Kai und seine Freunde bewerkstelligten die Sanierung in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt. Er las Bücher über Fachwerkbau. Das Fachwerkgebäude sollte sein historisches Ambiente und die Atmosphäre beibehalten. Ihm war es wichtig, althergebrachte und moderne Baustoffe zu verwenden. Jeder Fachwerkbalken musste von Hand entnommen, angesehen und mit Pressluft gesäubert werden. Viele Hölzer waren beschädigt. Sie mussten durch neue Balken ergänzt werden. Die Zwischenräume wurden mit einem Lehm-Stroh-Gemisch, wie früher, ausgemauert. Oftmals tauchten neue Probleme auf, für die Kai eine individuelle Lösung finden musste. Stück für Stück wurde alles wieder aufgebaut. Kai: „Ich hatte vier Jahre lang nur schlaflose Nächte!“ Zum Einsatz kamen ökologisch einwandfreie Baustoffe und Isoliermaterialien, wie Hanf, der aus der Region stammt.

Das Klackern der Mühle klingt wie Musik in seinen Ohren

Die Wassermühle braucht kontinuierliche Aufmerksamkeit. Jeden Monat müssen die Lager geschmiert und eingefettet werden. Im Herbst verstopfen Laub und Äste den Eingangsrechen. Im Winter sind es große Eisbrocken, die den Mühlenbetrieb stören oder für Wochen zum Erliegen bringen.

Kai erklärt mir die einzelnen Mahlwerke und wie das alles funktioniert. Im „Walzenstuhl“ wird das Korn zerkleinert, in der „Quetsche“ wird die Schale vom Korn abgelöst, bevor das Mahlgut in die Zentrifuge kommt. Dann wird es auf den Sichterboden transportiert, mehrmals gewackelt, geschüttelt, gerüttelt und gesiebt. Am Ende kommt feines Mehl aus der Maschine. Mit Begeisterung zeigt Kai den Besuchern die Mühle. Wenn am Ende feines Mehl durch die Finger rieselt, freut er sich wie ein kleines Kind. Alle Anstrengung der letzten Jahre sind vergessen.

Privates Kleinkunst- und Kulturangebot

An Pfingsten ist Mühlentag in Gollmitz. Die Freunde vom Mühlenverein, Kai und Jana stellen Tische und Bänke im Garten auf. Alle freuen sich auf den Mühlentag und helfen zusammen. Der Brotbackofen ist in Betrieb. Es gibt Lagerfeuer mit Grill. In der Mühle macht Kai Schauführungen. Es wird gefiedelt, gesungen und getanzt, bis spät in den Abend, bevor die Wassergeister der Mühle im Dunkeln erscheinen.

Als Highlight und Geheimtipp für Musikfreunde gelten die Konzerte im Freien, die vier bis fünfmal im Jahr stattfinden. Es spielt eine Irishfolkband aus Prenzlau oder es gibt Jazz in der Uckermark. Das ist was besonders für Musikliebhaber in dieser Umgebung.

Ferien unter unserem Himmel

Der große Garten grenzt direkt ans Naturschutzgebiet. Der Garten war zuvor eine Topinambur, Baum- und Buschwildnis. Die Natur wurde „übergriffig“. Es musste gerodet werden, um hernach einen richtig schönen Garten anzulegen. Jana hat Gespür fürs Detail. Es wurden Stauden- und Gemüsebeete um die große Liegewiese angelegt. In Gartenecken stehen Terrakottatöpfe mit Kübelpflanzen. Im Boden sind Wannen für zarte Küchenkräuter eingelassen.

Eine kleine Hängebrücke führt über den Grenzbach zu einem idyllischen Zeltplatz auf einer Waldlichtung. Wer möchte hier nicht wieder jung sein? Jana kommt manchmal hierher auf die alte Bank am Bach. Hier findet sie Ruhe und Abstand.

Gäste, die für ein Wochenende aus Berlin kommen, sagen: „Hier bringen drei Tage soviel wie woanders drei Wochen. Wir wollen einfach raus aus der Stadt. Keine Autoabgase mehr, keine Autobahn und keinen Fluglärm in der Nähe. Man kommt hier schnell in eine andere „Schwingung“. Das Leben ist langsamer getaktet als in der Großstadt. Nichts tun! Sein wie man sein will. Die unwichtigen Dinge bleiben fern. Ein knisterndes Lagerfeuer ist ein Highlight. Diese Natur oder der klare Sternenhimmel! All das ist ihnen in der Großstadt lange nicht mehr aufgefallen.

Für viele Gäste ist dies ein Erlebnis, erzählt mir Jana, als wir bei einem Gläschen Rotwein unten auf der Bank beim Wasserrad sitzen. Wir möchten es den Gästen so schön wie möglich machen, das ist unsere Motivation, sagt Kai mir noch.


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Wohnen in der Mühle:

Die Wassermühle in Gollmitz hat fünf große Ferienwohnungen mit Ambiente, die auch geeignet für Familien sind. Auf einer Waldlichtung ist ein Zeltplatz mit Feuerstelle für junge Abenteurer. Im großen Garten eine Liegewiese und ein Brotbackofen. Kai Rogozinski gibt gern Tipps für Ausflüge, Rad- und Wandertouren. Als passionierter Kajakfahrer, kennt er die schönsten Flecken der Uckermarker Seenlandschaft.

Kontakt:

Kai Rogozinski
Mühlenberg 12
OT-Gollmitz
17291 Nordwestuckermark

Tel: 039852/49141

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Uckermark:  Stadt – Land – Fluss mit Bahn – Rad – Bus 

Dreimal täglich fährt der Uckermarkshuttle mit Radanhänger, eine Runde durchs Land. Sie können an allen Orten zu- und aussteigen wie Sie möchten. Ein Stück wandern oder Radfahren und vom anderen Ort per Bus wieder zum Ausgangspunkt zurückfahren. Das ist im Drei-Stunden-Rhythmus, während der Saison möglich. Infos bei Uckermark Tourismus.

Mit Rad oder Boot:

Sehr schön erleben Sie die Uckermark vom Paddelboot aus oder per Fahrrad. Die Firma Randow-Rad bietet einen Hol – und Bringservice fürs Fahrrad und fürs Paddelboot zu moderaten Preisen. Mario hat über 40 Fahrräder (City-Trekking, Mountainbike), darunter auch Hänger für Kleinkinder und E-Bikes zu vermieten.

Mario bietet eine „One-Way-Miete“, innerhalb der Uckermark an. Mieten von Fahrrädern, ohne sie am selben Ort abzugeben, an dem sie übernommen wurden. Sollten Sie unterwegs eine Panne haben. Anruf genügt. Mario Herrmann von Randow-Rad, hilft Ihnen auch am Wochenende, um  ihr Fahrrad schnellstens wieder flott zu machen. Als Einheimischer kennt er die Region. Auf Wunsch gibt Ihnen Mario Tipps für tolle Rad und Bootsrunden durch die Uckermark. Mit dem Radservice von Randow-Rad sind Sie flexibel in der Uckermark unterwegs.

Info und Kontakt:

Randow-Rad
Mario Hermann
Randow 2
17291 Gramzow
Tel. mobil: 01723507967


Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Brandenburg- und Uckermark Tourismus.

  1. Es ist toll, wenn solche historischen Gebäude erhalten werden. Gerade in der ehemaligen DDR sind noch viele davon erhalten, wenn auch oft in marodem Zustand. Umso mehr bewundere ich Leute wie Kai Rogozinski, die solche Kleinode wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken und dafür keine Kosten und Mühe scheuen.

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