Sonnenkopf Skigebiet im Vorarlberger Klostertal

Vorarlberg: Im Sonnenkopf Skigebiet im Klostertal

Was für ein Zufall! Die zweifache Freeride Weltmeisterin Nadine Wallner setzt sich zu uns in die Gondel der Sonnenkopfbahn. Spontan tauschen wir unsere Begeisterung für das Tiefschneefahren aus. »Die Back-Country-Gebiete der Sonnenkopfbahn sind eine Top-Secret-Area für Freerider. Das verspielte Gelände in Pistennähe des Sonnenkopf Skigebiets bietet unzählige Möglichkeiten und Tourenoptionen. Im Steilgelände Tiefschneeschwünge zu ziehen ist wie schwereloses Schweben. Es gibt ein gutes Gefühl, wenn eine perfekte Line am Steilhang geglückt ist« schwärmt Nadine. Sie fährt als Freeride Profi Steilhänge an der Grenze des gerade noch Möglichen und Machbaren. Draußen in der Natur zu sein und die Herausforderung im Skisport sind für Nadine Energiequellen. Das spiegelt sich in ihrem strahlenden Gesicht, wenn sie von ihren Erlebnissen erzählt. Oben an der Obermuribahn befestigt sie die Felle an den Skiern und macht sich auf den Weg ins Tourengelände in Richtung Ameisspitze. Heute wird sie wieder kreative »Lines« in den Berg zeichnen, schnell, mit gelungen Sprüngen und flüssigen, ästhetischen Bewegungen abfahren. Freeriden gibt Nadine ein Gefühl von Freiheit: »Es braucht enormes Selbstvertrauen, Mut und Konzentration. Um mit der Erdanziehungskraft zu spielen, müssen psychische Blockaden überwunden werden. Am Steilhang gibt es kein Zurück.«

Neben der perfekten Ausrüstung braucht es Erfahrung, um das Risiko im freien Gelände abschätzen und kontrollieren zu können. Den Respekt vor dem Berg hat sie von ihrem Vater gelernt, der als Ski- und Bergführer im Arlberggebiet unterwegs ist. Nadine ist auch Freeskiprofi, Ski Guide, staatlich geprüfte Skilehrerin und Skiführerin am Arlberg. »Bei Gästeführungen nehme ich automatisch Dinge anders wahr und komme zu einer veränderten Entscheidungsfindung. Ich trage nicht nur für mich das Risiko, sondern habe Verantwortung für eine Gruppe. Die Balance, die dadurch entsteht, minimiert das Wagnis, wenn ich als Freeski Profi unterwegs bin. Dies ist für mich wertvoll und essentiell.«

In der Nacht überzog frischer Pulverschnee die Landschaft. Andrea aus Dalaas fährt mit mir auf den Hängen des Sonnenkopf Skigebietes. Obwohl ich kein Anfänger  bin, muss ich aufpassen, dass ich sie nicht aus den Augen verliere. Andrea zieht mit flottem Fahrstil einen »Kometenschweif« aus funkelnden Schneekristallen hinter sich her. Skifahren ist einfach toll. Mir gefällt sowohl das Naturerlebnis der hochalpinen Landschaft als auch die rhythmische Bewegung des Skifahrens. Auch die Einkehr in einer Berghütte oder der Absacker in der Kelobar neben der Talstation gehören zu einem gelungenen Skitag.

Wie alles begann…

Um 1894 schnallte sich Pfarrer Müller Holzskier unter die Schuhe, um besser im Schnee gehen und abfahren zu können. Er fuhr als Erster mit Ski von Warth nach Lech und brachte damit das Skifahren in die Region. Später entwickelte der Skipionier Hannes Schneider den sog. »Arlbergstil«. Dieser setzte sich unter Skifahrer durch und verhalf der Arlbergregion zu Weltruf im Skisport. Er gründete 1921 die erste Schischule der Region.

Wanderführer Bruno Berchtold kann von den Anfängen der Skizeit im Klostertal berichten. Mit vier Jahren stand er das erste Mal auf Skiern. Lifte gab es nicht und eine Abfahrt musste mühsam präpariert werden. Statt wetterfester Funktionskleidung gab es Lodenhosen und Wollpullover. Lederskischuhe ließen Nässe und Kälte durch, Wollpullover setzten bei jedem Sturz dicke Schneebollen an. Trotz alledem machte Skifahren Spaß. 1954 wurden in Dalaas die ersten Liftmasten aus Holz aufgestellt. Von da an ging es mit dem Skisport im Klostertal kontinuierlich bergauf. Über die Arlbergschnellstraße gelangten immer mehr Autofahrer und Skitouristen ins Klostertal. Dennoch blieb das Klostertal im Schatten der Skiregion des Arlberggebietes. Manche Gäste nutzen bis heute die preiswertere Unterkunft im Klostertal und fahren Ski in Stuben, Lech, Zürs oder St. Christoph.

Den Aufschwung im Klostertal brachte der Bau der Sonnenkopfbahn im Jahre 1976. Gäste können mit der Gondelbahn bis auf 2300 Meter hochfahren und das weitläufige Skigebiet nutzen. Ich war überrascht von den vielen Wintersportmöglichkeiten, die es im Klostertal gibt. Außer skifahren kann man in den umliegenden Bergen Skitouren gehen, zwischen den Pisten Tiefschnee Varianten abfahren, auf gut präparierten Winterwanderwegen spazieren gehen. Für Kinder gibt es einen Funpark und ein “Schneemannland”. Von der Bergstation der Sonnenkopfbahn kann man auf einer rassigen Rodelbahn ins Tal starten. Für Familien bleiben kaum Wünsche offen. Wer sein Wintersportgerät lieber zu Hause lassen will, kann alles vor Ort an der Talstation ausleihen. Das ist besonders praktisch, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist.

Schneeloch Sonnenkopf

Die Arlbergregion ist eine Wetterscheide und garantiert große Mengen an Schnee. Bis heute kommt das Sonnenkopf Skigebiet ohne Kunstschnee aus. Die Pisten halten bis Mitte April. Insgesamt gibt es 31 Pistenkilometer und neun Liftanlagen. Das Skigebiet ist mit seinen abwechslungsreichen Abfahrten überschaubar und ideal für Familien. Eine Herausforderung ist die schwarze Piste ins Bäraloch, die steilste Abfahrt Östereichs mit 64° Hangneigung.

Schneedünen am Muttjöchle

Mit Wanderführer Bruno Berthold geht es zum Muttjöchle. Der breite, 7,7 Kilometer lange Winterwanderweg windet sich leicht ansteigend durch eine herrliche Schneedünenlandschaft. Die Panorama-Ausblicke am Muttjöchleweg sind nach allen Seiten grandios. Sie reichen vom Arlberggebiet zum Lechquellengebirge, zur Zimbaspitze, bis zum Schweizer Säntis, zur Schesaplana und zum Alpstein. Im Rätikon sehen wir das Bergmassiv der Drusenfluh und der Drei Türme. Direkt vor uns bäumt sich die Pyramide des Hochjoch auf. Auf der linken Seite ragen die Skitourengipfel Ameisspitze, die Westliche Eisentälerspitze und die Silbertaler Lobspitze in den Himmel. Im Bergrestaurant Muttjöchle gönnen wir uns eine Pause. Die Speisekarte ist voll mit kulinarischen Köstlichkeiten. Ich bestelle mir eine Portion Kaiserschmarrn und freu mich auf den nächsten Skitag.

Von der Bergstation der Sonnenkopfbahn könnten wir auf der Rodelbahn talwärts schlitteln. Doch wir haben es versäumt, einen Rodel zu mieten. Deshalb fahren wir mit der Gondel.

Nadine Wallner gibt Tipps für Freerider:

  • Auch im Nahbereich ist Vorsicht geboten. Der Sonnenkopf wirkt brav und verspielt. Manche Lines enden in engen, steilen Passagen, die trichterförmig zusammenführen und bei Neuschnee gefährlich werden.
  • Ausrüstung: Immer dabei ist ein LVS-Lawinensuchgerät, eine Schaufel, eine Sonde, ein Erste-Hilfe-Set und, wenn möglich ein Lawinenairbag.
  • Lawinenlage und Wetter: Vorher das Wetter, die Schneelage und den aktuellen Lawinenlagebericht checken. Am besten Informationen von lokalen Ski-und Bergführern einholen.
  • Warnsignale beachten: Zu berücksichtigen sind Windrichtung und Temperatur. Der Wind ist Baumeister von Lawinen. Ein weiterer zentraler Faktor ist die Erwärmung, die während des Tages im Auge behalten werden muss. Diesen Winter hatten wir hohe Temperaturunterschiede und viel Wind. Beides sind Gefahrensignale, die sehr ernst zu nehmen sind.
  • Naturschutz: Der Wald und ausgewiesene Wildschutzzonen müssen respektiert werden. Man sollte nicht gedankenlos in den Bergwald hineinfahren. Leicht werden Wildtiere unabsichtlich aufgescheucht. Tiere brauchen Ruhezonen, damit sie ihre Energie sparen und gut über den Winter kommen.
  • Meine Tipps:
  • Gut Speisen beim Postwirt in Dalaas. Die Post in Dalaas wurde von der GENUSS REGION ÖSTERREICH zum Genusswirt 2016 gewählt.
  • Sonnnenkopf Skigebiet:
    Die schönste Abfahrt beginnt an der Bergstation der Obermuribahn. Die Pisten im Sonnenkopf Skigebiet führen über abwechslungsreiches Gelände. Die Panoramablicke in die umliegenden Bergriesen sind einmalig.
  • Winterwandern im Klostertal – Muttjöchletour:
    Drei bestens präparierte Winterwanderwege beginnen an der Sonnenkopf Bergstation. Der längste Winterwanderweg ist mit 7,7 Kilometer der Muttjöchleweg. Der Spielhahnweg hat 3,2 Kilometer und der Riedboden Rundwanderweg hat 2,2 Kilometer Länge. Diese präparierten Winterwanderwege kann man ohne Schneeschuhe begehen. Es gibt auch geführte Schneeschuhwanderungen mit dem Wanderführer. Anmeldung am Vortag im Klostertaler Tourismusbüro: Tel 0043 55857244
  • Salzgrotte im Gasthof Post Dalaas
    Meinen Skitag lasse ich in der Salzgrotte auf einer bequemer Liege und bei Meeresklima ausklingen. Sphärische Klänge und multimedial erzeugte Abendstimmung erfüllen den Raum. Die Grotte wurde mit 44 Tonnen Himalajasalz ausgestattet. Sie dient neben der Entspannung auch der Gesundheit. Der Aufenthalt in der Salzgrotte hilft bei Bronchitis, Allergien und Neurodermitis.
  • Skischule Klostertal OG
    6752 Dalaas
    Tel. 0043 5582 788
  • Weitere Informationen
    Alpenregion Bludenz
    Tel. 0043 555230227

Vorarlberg_Klostertal_

Mit freundlicher Unterstützung der Alpenregion Vorarlberg – Bludenz Tourismus.

9 Kommentare zu “Vorarlberg: Im Sonnenkopf Skigebiet im Klostertal

  1. Tolle Fotos, Andreas! Ich bin zwar nicht unbedingt eine Sportkanone und Skifahrern schaue ich höchstens zu, aber die Natur in den Bergen finde ich grandios. Und der Kaiserschmarrn sieht sehr einladend aus.

    • Liebe Monika und Petar,

      ihr braucht die Ski nicht unbedingt mitnehmen. Es gibt herrliche Winterwanderwege die ihr von der Sonnenkopfbahn aus marschieren könnt. Daneben in der Muttjöchlehütte werden außer “Kaiserschmarren” viele andere kulinarische Köstlichkeiten angeboten. Das allein ist schon die Bergfahrt mit der Sonnenkopfbahn wert.

  2. Traumwetter und Traumfotos – das muss ein Traumtag gewesen sein Andreas. Ich glaube, ich wäre im etwas ruhigeren Klostertal besser aufgehoben als in den großen Skigebieten. Und der Kaiserschmarrn schaut super aus!!
    Sonnige Grüße Sabine

    • Liebe Sabine,

      ja, es war ein Traumtag, genau nach meinem Geschmack. Das Skigebiet ist überschaubar, familiär und die Pisten sind sehr abwechslungsreich. Überrascht haben mich die langen und bestens präparierten Winterwanderwege. Das I-Tüpferl ist die Aussicht auf die Vorarlberger Gipfel rundum. Und kaum zu glauben, dieses Skigebiet kommt ohne Schneekanonen aus. Die Lage macht es möglich, dass die Pisten bis Mitte April befahrbar sind. Ich probierte das Skigebiet am Sonnenkopf aus und kann es sehr empfehlen. Gruß Andreas

  3. Ich bin zwar eher der Sommertyp, aber die Fotos sind toll.

  4. Zum Glück ist nun das Frühjahr eingekehrt, aber der nächste Winter kommt bestimmt. Auch im Sommer hat die Region einiges zu bieten. Wenn du mal Lust auf eine Tour mit dem Mountainbike hast, geben wir dir gerne einen Tipp. Sehr schöne Bilder, witzig das Bild mit deiner Spiegelung in der Sonnenbrille. Ihr Fotografen habt da wirklich immer sehr pfiffige Ideen.

    • Liebe Silke,

      danke für Deinen Kommentar. Im Allgäu blühen die Krokusse und Schneeglöckchen läuten das Frühjahr ein. Zum Glück sagst du? Skifahrer wissen immer noch ein paar größere Schneeflächen die man im April gut befahren kann. Ich bin noch nicht ganz satt. Demnächst mache ich einen Abstecher ins Wallis, in das Skigebiet Glacier Paradise Zermatt. Grüss Dich Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.