Bodenseefischer Franz Blum

Vorarlberg: Bodensee – Berufsfischer Franz Blum

Franz Blum führt die Familientradition fort und ist Bodenseefischer geworden. Bereits als Kind nahm ihn sein Vater zum Fischen auf den Bodensee mit. An diesem Morgen darf ich mit. Aus seinem Dodge Pick-up lädt er noch ein paar Utensilien in sein Aluboot. Gleich steuert er mit Vollgas aus der Fußacher Bucht in den offenen See hinaus. Die am Vorabend ausgelegten, 480 Meter langen Schwebenetze und die 600 Meter langen Bodennetze müssen täglich eingeholt werden.

Franz kennt die Launen des Bodensees. Er weiß nie, was ihn erwartet, es ist jedes mal ein Abenteuer mit dem Boot hinaus zu fahren. Licht- und Wetterstimmungen können sich von Minute zu Minute ändern. Mal ist der Bodensee spiegelglatt, dann wieder ungestüm oder vom Sturmwind aufgewühlt. Nach dreißig Minuten Fahrt sind wir mitten im See. Am Horizont sehe ich Wasserburg und die Hafeneinfahrt von Lindau. Franz sucht nach Bojen, die seine Netze markieren. Langsam, im Slalom, steuert Franz sein Boot dem Netz entlang.

Bodenseefischer Franz Blum fischt Brachsen.
Bodenseefischer Franz Blum fischt Brachsen.

Bodenseefischer leben von und mit der Natur.

Die Natur kennt er aus direkter Beobachtung, die er jeden Tag macht. Gespannt schauen wir beim Einholen des langen Schwebenetzes, welcher Fang sich zeigt. Viele dutzend Meter sind eingeholt, nach einer Weile zappelt ein kleiner Flusskrebs im Netz. Franz: »Die amerikanischen Flusskrebse wurden einst ausgesetzt. Heute hat sich die gebietsfremde Art so stark vermehrt, dass sie heimische Krebsarten verdrängt. Wie man später feststellte, sind amerikanische Fußkrebse Überträger der Krebspest.«. Als Franz den Flusskrebs für ein Foto zeigt, stellt der sich tot.

Wenig später hängt eine Dreikantmuschel in den Maschen. Sie stammt ursprünglich aus Asien und wurde vermutlich am Bootsrumpf durch Bootstransfer aus anderen Regionen eingeschleppt. Die Dreikantmuschel ist verantwortlich für das Sterben der heimischen Teichmuschel im See, erfahre ich von Franz. Sie hat sich im See so stark vermehrt, dass an bestimmten Flachwasserstellen der ganze Seeboden damit bedeckt ist. Forscher entdeckten, dass sich  junge Dreikantmuschellarven auf heimischen Teichmuscheln festsetzen. Sie fressen deren Plankton weg, infolgedessen verhungert die autochthone, große Teichmuschel.

Bodenseefelchen werden weniger.
Bodenseefelchen werden weniger.

Bodenseefelchen werden weniger.

Und wo sind die Bodenseefelchen heute, frage ich? »Heute schaut es nicht rosig aus aber die Hoffnung stirbt zuletzt«, klagt Franz. Bis ein paar zappelnde Bodenseefelchen im Netz hängen, dauert es eine Weile. Zwei bis vier Kilo Felchen fängt Franz durchschnittlich am Tag. »Ich muss positiv denken. Hauptsache die Kosten für den Sprit sind bezahlt, wenn ich zurückfahre. Oft bring der Fang nicht einmal einen Mindestlohn zusammen«, sagt Franz.

Dem See fehlen die Nährstoffe.

Einerseits ist sauberes Bodenseewasser sehr wichtig, da der See als Trinkwasserspeicher für halb Baden-Württemberg dient. Andererseits fehlen Nährstoffe für das Wachstum der Fische. Bis in die 80er Jahre gab es reichlich Felchen im See. »Bodenseefelchen werden immer weniger und sind heute kleiner als früher. Dies ist besorgniserregend. Seitdem Kläranlagen alle Phosphate herausfiltern, fehlen dem Phytoplankton die Nährstoffe und damit ist die Nahrungskette im See unterbrochen“, meint Franz.

Weniger Phosphat im See, bedeutet weniger Algenwachstum (Phytoplankton). Vom Phytoplankton ernähren sich wiederum tierische Kleinstlebewesen, welche die junge Brut der Bodenseefelchen zur Entwicklung benötigen. Seit dieser natürliche Kreislauf gestört ist, leiden die begehrten Bodenseefelchen unter Nahrungsmangel. Felchen werden weniger und nehmen kaum an Gewicht zu. Die Bodenseefischer fangen weniger oder die Netze bleiben ganz leer, besonders schlimm ist es im Winter. Früher brachten drei dreijährige Felchen, durchschnittlich ein Kilo auf die Waage. Heute sind es fünf bis sechs Stück Felchen, die doppelt so alt werden müssen, um zusammen ein Kilo auf die Waage zu bringen. Franz Blum und andere Bodenseefischer stehen unter Druck. Sie können kaum noch ihre Betriebskosten erwirtschaften. Im Jahre 2015 waren die Fangzahlen die Schlechtesten, seit vielen Generationen.

Der Wildfang kann den Bedarf längst nicht nicht mehr abdecken. Deswegen ist die Teichwirtschaft inzwischen ein wichtiger Lieferant für Speisefische geworden. Forellen und Saiblinge dienen als Alternative.

Wie kann eine ökologische Balance am See hergestellt werden? Wie kann man erreichen, dass das Wasser sauber bleibt und dennoch Felchen genügend Nahrung finden? Franz meint, man sollte eine begrenzte und kontrollierte Menge Phosphate im See zulassen. Damit kann Phytoplankton wachsen und die Nahrungskette wird wieder aufgebaut.

Der Bodensee wird unterschätzt.

Franz gibt speed, der Außenbordmotor heult auf, das Boot spritzt und klatscht immer wieder auf die Wellen. Franz schreit gegen den Fahrtwind: »Das schwäbische Meer wird total unterschätzt. Es kann ruhig und herrlich auf dem Wasser sein. Im nächsten Moment kann sich alles verändern. Eine schnelle Wetterveränderung ist keine Seltenheit. Böiger Wind kann sich zu Sturm und Hagelsturm steigern und meterhohe Wellen platschen dir ins Boot. Im Winter, wenn der Ostwind stürmt und dir bei zwanzig Grad minus, eisige Schneekristalle ins Gesicht fegen, ist dies das Grausigste, was du dir vorstellen kannst. Wenn die Netze draußen sind, muss ich sie einholen, scheißegal wie schlecht das Wetter ist.«

Mit ein paar Kilogramm Felchen macht sich Franz auf den Rückweg. Vorher biegen wir noch in die Fußacher Bucht ab. Dort sind einige Reusen und Netze für Aale, Hechte, Zander, Brachsen und Karpfen ausgelegt. »Mal sehen, was dort los ist«, sagt Franz. Kurz vor der Bucht zieht er riesige Karpfen und Brachsen aus dem Wasser. »Jetzt drehen sie durch« ruft Franz. Er schafft es kaum die wild um sich spritzenden und mit ihrem Schwanz schlagenden Brachse zu bändigen. Er spricht mit einem großen Fisch ganz persönlich: »Freund was hast du vor?» Unglaublich! Jetzt geht es Schlag auf Schlag. »Pass auf, jetzt kommt wieder ein Highlight«! Er hat eine Schleihe im Arm. Franz nennt sie liebevoll »Lady«. Die fette Schleihe nimmt er nicht mit, denn sie muss erst ihr Laichgeschäft zu Ende bringen. Mit einem großen Wurf ins Wasser gibt er der Schleihe ihre Freiheit zurück.

Netze für den Waller

»Jetzt kommt das Netz für echte Männer. Waller sind Einzelgänger die weit draußen im See leben. Nur zur Laichzeit sind sie in dieser Bucht. Ich hoffe, dass sie heute da sind«. Ein Waller mit einem Meter Länge ist ins Netz gegangen. Franz muss alle Kraft aufbringen, um den glitschigen Riesenfisch ins Boot zu hieven. Er bückt sich tief über den Rand des Bootes, packt den kämpfenden Waller hinter den Kiemen und zieht ihn mit einem großen Ruck ins Fischerboot. Der Kampf ist nicht beendet, denn Franz muss den zappelnden Waller erst vom Netz befreien. Das ist nicht einfach bei diesem Tier, dass sich im Netz verheddert und sich mit allen Kräften wehrt. Franz zieht weitere Waller aus dem Bodensee, sie alle kommen lebend in einen großen Behälter. Diese Waller bleiben im Wasser und kommen in ein gesondertes »Vorratsbecken«. Als er mit seinem Dodge nach Hause fährt, wird er begleitet von einer Schaar fliegender Möwen, die darauf hoffen etwas von seinem Fang zu ab zu bekommen. Die kleineren Fische werden zu Hause aufbereitet und später im Laden verkauft.

Selbstmotivation

Freudestrahlend sagt Franz: »Dieser Tag ist gewonnen«. Sein persönlicher Rekordfang im Bodensee ist ein Waller mit 2,27 Metern Länge und 80 Kilogramm Gewicht. Seine glänzenden Augen zeigen, dass Herzblut, welches ihn anspornt. Trotz geringer Bezahlung immer wieder, Tag für Tag, bei jedem Wetter hinauszufahren und sich seiner Aufgabe mit ganzer Leidenschaft zu stellen. Die Bodenseefischer werden älter, bald gibt es keine mehr. Es wäre schade, wenn dieser Beruf mit seiner Tradition am Bodensee verschwindet.

Neben der Bodenseefischerei betreibt Franz Blum ein kleines Fischrestaurant und ein Fischgeschäft am Seeufer bei Fußach. Nur fangfrische Fische landen in der Verkaufstheke oder auf dem Teller. Gourmetköche aus Vorarlberger Genussrestaurants kommen persönlich vorbei und sichern sich die edelsten Stücke. Exclusive Stücke von Trüsche oder Seeforelle kann man nicht einfach im Großhandel kaufen. Die Fischerei im See ist im Wandel. Produktion, Marketing und Vertrieb gehören inzwischen dazu, wenn das Einkommen vom Fischfang zum Überleben reichen soll.

Naturschutzgebiet Rheindelta

Zwischen der Mündung des alten Rheins, ab der Schweizer Grenze bis zur Mündung des neuen Rheins und bis zur Dornbirner Ache, erstreckt sich das größte Feuchtgebiet am Bodensee. Durch extensive Bewirtschaftung, temporäre Überschwemmungen und Sandablagerung entstanden Lebensräume für Vögel und Amphibien, die anderswo längst ausgestorben sind. Das Rheindelta und die Fußacher Bucht ist für die im Frühjahr- und im Sommer laichenden Fische ein wichtiges Laichgebiet. In den geschützten Flachwasserzonen haben Jungfische von Zander, Wels, Hecht, Brachsen, Rotaugen, Karpfen, Schleien, und Giebel ihren Lebensraum.

Bedrohtes Naturparadies

Das Rheindelta ist eine Schatzkammer mit seltenen Naturjuwelen, die zu erhalten sind. Es ist kaum zu glauben, wie dieses Schutzgebiet, von vielen Seiten bedrängt und bedroht wird. Manchmal ist das Rheindelta Schutzgebiet nur noch fragmentarisch zu erkennen. Ferienhäuser und Schiffsanlegestellen sind am Rande des Auwalds. Im Frühsommer zur Brutzeit der Vögel, drängen Freizeitgäste mit Radios, Picknickkorb und anderen Utensilien in das Schutzgebiet. Sonnenanbeter und Nackte suchen stille Winkel im Auwald.

Dietmar Hohlenstein vom Naturschutzverein Rheindelta nimmt mich auf eine Runde mit und zeigt schöne Bilder von Vogelarten, die er hier aufgenommen hat. Auf den Fotos präsentiert er den Großen Brachvogel, der auf Magerwiesen brütet. Der Eisvogel kommt vor, der seltene Bienenfresser, Silberreiher, Nachtreiher, Bekassine, die Zwergrohrdommel, der Wiedehopf, die Wasserralle, um nur einige zu nennen. Viele seltene Vogelarten leben hier oder machen Zwischenstation auf ihrem Durchzug nach Süden.

Der Kormoran ist bei Fischern nicht beliebt

Jetzt kann ich die Bodenseefischer viel besser verstehen. Das Gebiet gefällt auch dem Kormoran als Lebensraum. Ein Kormoran frisst bis zu 500 Gramm Fisch am Tag, manchmal bis zu 45 Zentimeter große Exemplare. Früher war er nur Wintergast am Bodensee, seit 2001 lebt er als Brutvogel ganzjährig am Bodensee. Die hohe Zahl der Kormorane ist den Bodenseefischern ein Dorn im Auge. Sie fordern eine Dezimierung dieser gefräßigen Vögel, die nicht nur Fische fressen, sondern auch Gelege zerstören, Jungvögel und Amphibien im Schutzgebiet nicht verschmähen.

Anziehungspunkt Naturschutzgebiet

Ein Naturschutzgebiet ist der Natur vorbehalten und dennoch zieht es viele Menschen an. Sie verlassen ausgeschilderte Wege und gehen querfeldein. Vielleicht könnte man durch geschicktere Besucherlenkung die vielen Freizeitgäste in andere Gebiete umlenken? Für Dietmar Hohlenstein, der als Gebietsbetreuer unterwegs ist, sind Störungen im Naturschutzgebiet untragbar. „Manche Zeitgenossen haben wenig Achtung vor der Natur. Sie ahnen nicht, welchen Schaden sie während der Brutzeit der Vögel anrichten können“, meint Dietmar.

Fränzle`s Bistro im Hafen von Fußach.
Fränzle`s Bistro im Hafen von Fußach.
Fränzle`s Bistro im Hafen von Fußach.
Fangfrische Bodenseefische. Gabi, Schwester von Franz Blum in Fränzle`s Bistro im Hafen von Fußach.
Forellenfilets
Forellenfilets

Mein Tipp:

Frischer Fisch

Probieren sie in „Fränzl`s Bistro eine Fischplatte mit drei Sorten Fisch aus dem Bodensee. Ein gebackenes Fischlaibchen, eine knusprige Felche und ein Stück vom geräucherten Wels. Dazu ein feiner, gemischter Salat und als Abrundung ein Glas Weißwein aus dem niederösterreichischen Kamp Tal. Ein Genuss selbst für verwöhnte Gaumen.

Kontakt und Anfahrt:

Von Bregenz kommen fahren sie nach der Rheinbrücke rechts hinunter in die Seestraße. Gut ein Kilometer den Rheindamm entlang zum alten Lauf der Dornbirn Aache. Entlang der Dornbirn Aache fahren, dann führt der Weg Sie direkt zu Franz Blum. Der Weg ist gut beschildert. Geöffnet ist das Fischrestaurant von Mai bis Oktober. Fischbestellungen und Platzreservierungen für das Restaurant werden telefonisch angenommen. Dienstag Ruhetag.

Fränzl`e – Franz Blum
Schanz 40a
6972 Fußach/Vorarlberg
Telefon: 00434 6649110462
www.fraenzles.at



Danke für die Unterstützung von Vorarlberg Tourismus und Bodenseefischer Franz Blum

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