Trinationaler Zug ETR 610 - Seit 10. Dezember 2017 fährt der ETR610 täglich von Frankfurt nach Mailand und zurück. Hier Zugtaufe auf den Namen "Johann Wolfgang von Goethe" in Basel. Moderatorin Christa Rigozzi (l.), Leiter Verkehr, Mitglied der Geschäftsleitung der SBB Personenverkehr. Anton Hähne (2.vl.), Vorstandsvorsitzende DB Fernverkehr Birgit Bohle (3.vl.) und Administrator Delegate di Trenitalia (Director) Orazio lacon.(r.).

Mobilität: Trinationaler Zug ETR 610

Der moderne Alpentransit ist um eine Attraktion reicher. Seit Dezember fährt der neue ETR 610 direkt von Frankfurt nach Mailand. Vertreter der SBB, DB und Trenitalia haben in Basel den Zug auf den Namen »Johann Wolfgang von Goethe« getauft. Anton Häne, Leiter des SBB Reiseverkehrs erklärt: »Wir zeigen, dass Eisenbahnverkehr über Sprach- und Landesgrenzen hinweg möglich ist. Die Eröffnung des Lötschbergtunnels im Dezember 2007 und die Eröffnung des Gotthard-Basistunnel vor einem Jahr haben die Fahrtzeit im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland und Italien verkürzt. Reisende profitieren von dieser schnellen Nord-Süd-Verbindung«.

Mehr Reisegenuss

Anton Häne wünscht sich, dass das Reiseerlebnis und der Reisegenuss wieder mehr im Vordergrund stehen: »Goethe hat einmal gesagt, beim Reisen ist nicht die Ankunft wichtig, sondern das Reisen. Deshalb ist Johann Wolfgang von Goethe als Namenspatron für diesen Zug gewählt worden. Er hätte sicher seine Freude am neuen Zug ETR 610. Eine Kooperation ist besser als Wettbewerb. Mit nur einem Jahr Planung wurde diese Vision Wirklichkeit. Für mich ist die internationale Zusammenarbeit sehr wichtig. Man spricht im Moment viel über Wettbewerb, vor allem unter den Eisenbahnen. Schauen Sie sich den trinationalen Zug ETR 610 an. Er zeigt Ihnen, was möglich ist, wenn man miteinander spricht.«

Namensgeber Johann Wolfgang von Goethe im Städel Museum

 

Johann Wolfgang von Goethe
Foto © Copyright: Städel Museum Frankfurt. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Italienliebhaber Goethe in der römischen Campagna, 1787

Ankommen beim Einsteigen

Frau Birgit Bohle, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn: »Ankommen beim Einsteigen und reisen um zu reisen. Seit 25 Jahren fährt der ICE in die Schweiz. Bald kommt unser neues Flaggschiff, der Hochgeschwindigkeitszug ICE 4 zum Einsatz. Wir überwinden Distanzen und verbinden Menschen über Grenzen hinweg. Wir verbinden die Schweiz mit Deutschland und jetzt verbinden wir mit dem  ETR 610 Deutschland, die Schweiz und Italien«.

Vernetzung und nachhaltige Mobilität

Mit dem ETR 610 kommen europäische Kulturen näher zusammen. Deutsche und Schweizer fahren vermutlich der Mode wegen oder zum Shopping nach Mailand. Italiener erkunden deutsche Städte und Kulturlandschaften. Orazio Lacono von Trenitalia meint: »Eisenbahngesellschaften haben die Verantwortung, dass nachhaltige Mobilität gelingt. Notwendig sind mehr und besser funktionierende Verknüpfungen einer Bahnfahrt mit lokalen Verkehrsträgern, organisiert als komplettes Reiseerlebnis«. Man kann gespannt sein, ob in naher Zukunft mehr Vernetzungen an Bahnhöfen entstehen mit E-Mobil, E-Bike, Fahrrad oder mit E-Busshuttles.

Impressionen der Zugtaufe des ETR 610

 

Trinationaler Zug, Deutschland-Schweiz-Italien mit dem ETR 610. Zugtaufe auf den Namen Johann Wolfgang von Goethe.
Foto © Nicolas Söhne-Cordt trinationale-Verbindung, Deutschland-Schweiz-Italien mit dem ETR 610. Zugtaufe auf den Namen Johann Wolfgang von Goethe.
Trinationaler Zug - Deutschland-Schweiz-Italien mit dem ETR 610. Zugtaufe auf den Namen Johann Wolfgang von Goethe. Frau Birgit Bohle (l.), Vorstandsvorsitzende der DB, Herr Anton Häne (m.), Geschäftsleitung des SBB Personenverkehrs, Orazio Lacono (r.), Direktor von Trenitalia.
Foto © Nicolas Söhnel-Cordt Trinationaler Zug verbindet Deutschland-Schweiz-Italien mit dem ETR610. Zugtaufe auf den Namen Johann Wolfgang von Goethe. Frau Birgit Bohle (l.), Vorstandsvorsitzende der DB, Herr Anton Häne (m.), Geschäftsleitung des SBB Personenverkehrs, Orazio Lacono (r.), Direktor von Trenitalia.

Kooperation statt Wettbewerb

Trinationaler Zug ETR 610

ETR 610 wird vom französischen Alstom Konzern gebaut. Der Zug kann 430 Fahrgäste befördern in einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Die Fahrtzeit von Frankfurt nach Mailand beträgt siebeneinhalb Stunden. Seit 10. Dezember startet er täglich um 8.01 von Frankfurt nach Mailand. Von Mailand fährt der Zug täglich ab 11.23 h über das Wallis und die Lötschbergroute zurück.

ETR-610-Trinationale-Verbindung
Foto © Andreas Riedmiller ETR 610 trinationale-Verbindung

Mit dem trinationalen Zug ETR 610 nach Luzern

Wie im Breitwandkino sausen Seen, Landschaften und Städte an den Panoramafenstern vorbei. Mir gefällt es, im Zug ein Buch zu lesen oder gedankenverloren in die Landschaft zu schauen. Gelegentlich habe ich nette Begegnungen und unterhaltsame Gespräche. Auf diese Weise zu reisen ist für mich ein Vergnügen, das ich mit keinem anderen Verkehrsmittel habe.

Städteperlen entlang der Fahrtroute

Entlang der Fahrtroute befinden sich Kleinstädte und Landschaften, die sich für einen kurzen Stopover anbieten. Die Haltestellen bei der Hinfahrt sind Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden, Freiburg, Basel, Olten, Luzern, Arth-Goldau, Bellinzona, Lugano, Chiasso, Como, Monza, Milano-Centrale. Bei der Rückreise hält der Zug in Milano, Domodossola, Brig, Visp, Spiez, Thun, Bern, Olten, Basel, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt.

Ich steige im Bahnhof Luzern aus und nehme an einer Stadtbesichtigung teil. Am folgenden Tag bringt mich ein Ausflugsschiff über den Vierwaldstädtersee nach Viznau. Von dort klettert die nostalgische Zahnradbahn zügig auf den Aussichtsgipfel des Rigi.

Nach der ersten Haltestelle durchbrechen wir die Wolkendecke und die Fahrgäste sind beeindruckt vom klaren Himmel, der sich darüber spannt. Die Bergriesen Eiger, Mönch, Jungfrau und Pilatus strecken ihre Spitzen aus dem Wolkenmeer. Begeisterung kommt auf, niemand bleibt auf den Holzbänken der Zahnradbahn hocken. Heute werden Erinnerungsfotos für die Ewigkeit geknipst.

Panoramablick vom Schweizer Aussichtsberg Rigi 

Zwischenstopp und Fahrt auf den Riga
Foto © Andreas Riedmiller Zwischenstopp und Fahrt auf den Rigi

Meine Tipps:

  • Frankfurt: Im Städel Museum ist derzeit eine Ausstellung der Naturforscherin Maria Sybilla Merian. Die St. Paulskirche ist ein Erinnerungsort deutscher Demokratie und einen Besuch wert.
  • Luzern: Mit dem historischen Raddampfer über den Vierwaldstädtersee und weiter mit der nostalgischen Rigibahn fahren. Dinieren oder Logieren im Art Deco Hotel Montana. Von der Hotelveranda schaut man über das abendliche Lichtermeer von Luzern und den See.
  • Lugano: Dem Frühling entgegen und das Blütenmeer im Azaleen-Garten im Parco San Grato erleben oder eine Aussichtswanderung um den San Salvadore mit weiten Ausblicken auf den verzweigten Luganer See unternehmen.
  • Brig: Den größten Palast der Schweiz, den Stockalperpalast in Brig ansehen.
  • Bern: Eine Altstadtführung entlang der Aareschlaufe zeigt geheime und verschachtelte Winkel des UNESCO Welterbes Bern. 
  • Mailand: Den Mailänder Dom besichtigen und die Galleria Vittorio Emanuele II, mit Marmor verzierte Einkaufsgalerie aus dem 19. Jahrhundert besuchen.

Trinationaler Zug ETR 610

„Ankommen beim Einsteigen“


 


Info: Zur Zugtaufe des ETR 610 war ich eingeladen.

  1. Super, diese Verbindung könnte ich auch mal testen, aber erst im Frühling Grüße aus dem sehr kalten Rheinland Joachim

    • Gerne würde ich auch dem warmen Frühling entgegen fahren. Zur Kamelien- oder Rhododendrenblüte nach Lugano oder Ascona. Gruß Andreas

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