Segeln mit Handicap am Schluchsee

Baden-Württemberg: Schluchsee – Naturcamp als Experimentierfeld

Lass deinen Rollstuhl am Ufer stehen und segle! Das funktioniert verblüffend einfach. Eigenständige Fortbewegung auf dem See, mit Wind und Wasser, gibt Menschen mit Handicap einen Motivationsschub. Rudolf Eisl: „Wenn ich in die strahlenden Gesichter der Segler sehe, freut mich das.“ Auf gute Ideen kommt es an. Der Schluchsee im Hochschwarzwald, Nähe von St. Blasien, ist Deutschlands höchstgelegener Stausee. Sie erreichen ihn von Freiburg aus. Mit der Höllentalbahn fahren sie über Hinterzarten, zum Titisee und bis zu dem kleinen Ort Aha. Durch die Höhenlage (930 m ü NN.) ist der See im Sommer für Badegäste kühl. Segler stört das nicht.

Barrierefreie Angebote am Schluchsee

Für Rudolf Eisl vom Verein „Natur für Alle e.V“, gehören barrierefreie Angebote dazu. Er hat sich Gedanken gemacht, wie Segeln für Nichtsegler und Behinderte unkompliziert funktioniert.

Zusammen mit mit dem Integrativen Segelverein aus Österreich, entwickelte er spezielle Segelboote. Als Vorlage dienten Boote, die vor ca. 30 Jahren beim Amerikas Cup mitsegelten.

Das Boot „Minizwölfer“ wurde im Maßstab 1:6 nachgebaut. Es hat einen schweren Kiel und die Takelage wurde einfach gemacht. Dieses Boot kann weder sinken noch umkippen. Bei Schräglage dringt wenig Spritzwasser ein. Die bewegliche Stange des Segels kann frei über dem Kopf hin und her schwingen. Paraolympic-Segler verwenden ein ähnliches Segelboot.

Segelkurs für Behinderte

In einem „Crashkurs“ erklärte Rudolf Eisl den Nichtseglern die Bedienung. „Das Wichtigste ist ein Achterknoten. Mit dem Achterknoten kann das aufgeblähte Segel fixiert und das Boot gesteuert werden.“ Mit einfachen Erklärungen schafft er es, uns für den Schluchsee startklar zu machen.

Am Schluchsee gibt eine Hebevorrichtung um Behinderte ins Boot zu setzen. Viele Rollstuhlfahrer benötigen sie nicht. Wer sich nicht segeln traut, fährt mit dem Paraboot. Es kann vom Trockenen aus mit Rädern ins Wasser gleiten. Mit einer Handkurbel erfolgt die Fortbewegung auf dem See.

Die Segler werden von Rudolf mit dem Motorboot begleitet. Seit vier Jahren hat er dieses Programm, und noch nie gab es Probleme. Rudolf: „Schon nach 30 Minuten haben sie Sicherheit und Eigenständigkeit erworben. „Sie fangen an sich auszuprobieren, spielen mit dem Boot und fahren kleine Regatten untereinander aus. Es ist faszinierend zu sehen, wie sie nach drei vier Stunden auf dem See, selbstständig zum Steg zurückkehren.“

Hanne aus dem Allgäu meint: „Sportlich geht fast gar nichts mehr, seit ich den Rollstuhl brauche. Für mich ist es wichtig, Unternehmungen ohne fremde Hilfe zu machen. Das Gefühl zu haben, etwas eigenständig machen zu können und nicht ständig auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Das ist für mich ein Schlüsselerlebnis.“

Botel im Naturcamp - Freizeit und Tagungsraum
Botel im Naturcamp – Freizeit und Tagungsraum

Ein Zukunftsprojekt

Das Naturcamp auf einer Waldwiese am Schluchsee  ist ein visionäres Projekt. Auf dem 9000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein autarkes Naturparkdorf entstehen: Ein ökologischer und sozialer Experimentierraum, ein Ort des Lernens, der Kunst, der Begegnung von Menschen.  Hauptthema: Naturerlebnis, Naturerfahrung, Lernen in der Natur, Lernen von der Natur.

Rudolf  Eisl vom Verein „Natur für alle“ hat dieses Grundstück vom Staat  gepachtet. Hier können Schülergruppen, Jugendliche oder Familien ihre Zelte aufschlagen und abends ein Lagerfeuer machen. Die Jugendlichen können Hütten bauen, im Hochseilgarten herumturnen oder mit dem Kanu auf dem Schluchsee paddeln. Das Gelände bietet Raum für Aktivitäten und Workshops. Die Bewohner des Naturparkdorfes sollen sich nicht fest ansiedeln und dort leben, sondern für eine beschränkte Zeit den Ort besuchen.

Das „Bootel“  (aus Boot und Hotel) ist ein futuristisches Glanzstück. Es zieht die Blicke auf sich. Das Gebäude ist eine Gemeinschaftsidee von Rudolf Eisl und zwei Architekten. Es ist angelegt wie ein Bootsrumpf, der auf den Kopf gestellt wurde. Dabei mussten von den Architekten  Gohte und Ayrle einige planerische Hürden genommen werden, bevor es genehmigt wurde. Es dient als Seminar- und Aufenthaltsraum.

Bau als Schülerprojekt

Schüler der Neuemarktschule Lörrach haben den Bau des „Bootels“ als Projektarbeit selbstständig in die Tat umgesetzt. Erst wurde das Grundstück gerodet, dann wurden Löcher für das Fundament gegraben und mit Beton gefüllt. Die Schüler haben Verantwortung für den Bau des Projekts übernommen. Sie haben alles organisiert, was zum Bau nötig war und dabei gelernt, wie man als Team zusammenarbeitet. Der Bau des Bootel, in Elementbauweise, war für Schüler und Helfer ein großartiges Gemeinschaftserlebnis, und sie haben enorm viel gelernt.

Aquaponic Gewächshaus

Ein Gewächshaus mit Fischzucht und Gemüseanbau zur Selbstversorgung ist gerade im Bau. Ende Oktober wird es fertiggestellt. Dieses sog. „Aquaponic Gewächshaus“ vereint Mehrfachnutzung von Fischzucht und Pflanzenzucht. Fische düngen das mit Nährstoffen angereicherte Wasser. Und natürlich wachsen Pflanzen darin. Bei der Fisch- und Pflanzenzucht achtet man auf Energie-Optimierung, also möglichst geringen Wasser- und Energieverbrauch. Sie findet in einem geschlossenen Kreislaufsystem statt. Es wird kaum C02 nach außen abgegeben. Rudolf Eisl erhofft sich durch dieses Zukunftsprojekt einen günstigen Ertrag bei geringen Anbaukosten. Das neue Gewächshaus soll Gäste anziehen und es wird  eigene Workshops zu Fisch- und Pflanzenzucht geben.

Rudolf Eisl will dieses „Experimentiergrundstück“ als „Welt im Kleinen“ entwickeln. Als Lern- und Erfahrungsort, für alt und jung, mit sozialem und ökologischem Schwerpunkt.  Selbstverständlich sind alle Einrichtungen und Sanitäranlagen barrierefrei. Nicht zuletzt will Rudolf Eisl im Alter selber hier leben und seine Erfahrungen an andere weitergeben.

Im Naturcamp am Schluchsee gibt es viele Möglichkeiten für die Jugend:

  • Verkaufsscheune für  ökologisch erzeugte Regionalprodukte
  • Energieautarke Passivhäuser
  • Regenerative Energieerzeugung durch Kleinwindanlage, Photovoltaik und Wasserkraft
  • Energieoptimiertes Gewächshaus – Aquaponicmodel
  • Moderne, barrierefreie Komposttoiletten mit Biokläranlage
  • Energieautarke Passivhäuser mit Photovoltaik und Kleinwindanlage
  • Selbstversorgung für Wanderer, Radfahrer, Schulklassen…
  • Spaß am Bach und See mit Wasserski, paddeln, segeln…
  • Hochseilgarten für Mutproben…

Das Naturcamp am Schluchsee soll keine isolierte Insel sein, sondern integraler Bestandteil der umliegenden, landwirtschaftlich geprägten Region. Ein Platz für Selbstversorger zum Zelten und für Gruppen. Für Outdoorer mit Schlafsack und für Menschen mit Handicap.

Mit „Fahrtziel Natur, der Kooperation von BUND, NABU, VCD und Deutscher Bahn“, zum Naturcamp am Schluchsee.

Kontakt: Naturcamp Schluchsee:

> www.naturcamp-schluchsee.de

Regionale Produkte gehören dazu
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Botel von innen
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Segelschule Schluchsee

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