Schwäbische Whisky Produktion in Kirchheim-Teck.

Baden-Württemberg: Schwäbische Alb – Whiskybrenner von Owen/Teck

Eine besondere Genusstour ist der Schwäbische Whisky-Walk. Hier trinkt man nicht nur Whisky, man erfährt auch viel über das Produkt und über die umliegende Kulturlandschaft. Warum mich die Whiskybrenner von Owen begeisterten, erfahrt ihr hier:

Abwarten und Whisky trinken

Der kleine Ort Owen liegt im Lenninertal am Fuße der Schwäbischen Alb unterhalb der Burg Teck. Hier im hügeligen schwäbischen Hochland sind Karstböden mit geringer Humusauflage. Sie sind weniger geeignet für Obstplantagen, aber gut für große Streuobstwiesen. Es gedeihen unterschiedliche Arten und Sorten von Obstbaumhochstämmen. Deren Pflege und Ernte birgt eine besondere Erschwernis. Es ist reine Handarbeit, Insektizide braucht es nicht. Die alten Obstbäume liefern wenig pickelfreies Tafelobst für den verwöhnten Verbraucher, dafür aber sehr schmackhafte und aromareiche Früchte. Man findet hier Mirabellen, Zwetschgen, Kirschen, Birnen und Äpfel in der Streuobstwiese. Sie werden zum Brennen, hauptsächlich für Kirschwasser und Birnenbrände verwendet. In Owen/Teck gibt es 31 aktive Brennereien. Aus der sauer und „räs“ schmeckenden Champagnerbratbirne wurde sogar „Birnenschaumwein“ hergestellt.

Gründer der Whisky Destillerie - Christian Grusel, fährt zur Kirschenernte.
Foto © Andreas Riedmiller  Whisky Pionier- Christian Gruel, fährt zur Kirschenernte.

Suche nach einem Nischenprodukt

Christian Gruel ist Whiskypionier. 1979 kam er auf die Idee, nach Schottland zu reisen. Als erfahrener Brenner erkannte er dort rasch, worauf es beim Whisky ankommt. Seinen ersten Whisky brannte er 1988. Die Kollegen in Owen beobachteten ihn kritisch. Mit Hingabe und Leidenschaft experimentierte und machte er sich auf die Suche nach einem eigenständigen Markenprodukt. Es sollte Whisky sein, der aber die Aromen der heimischen Teckregion widerspiegelt.

Whisky probieren.

Inzwischen leitet der Enkel Immanuel Gruel die Brennerei. Im Stadel der Brennerei begrüßt uns die Schwäbische Whiskybotschafterin Angela V. Weis. Sie weiht uns ein in die Geheimnisse der Whiskyproduktion und präsentiert uns die verschiedenen Whiskysorten. Angela macht es vor. Das gefüllte Glas wird an das Licht gehalten und die Farbe begutachtet. Eine kräftige Bernsteinfarbe deutet auf eine intensive Reifemethode hin. Immanuels Whiskys sind mit wenigen Jahren schon dunkel aufgrund seiner innovativen Fasslagermethoden im Temperaturvarianzlager. Erst nach mindestens dreijähriger Reife im Fass darf das Produkt „Whisky“ getauft werden. Danach kommt die Nase zum Einsatz. Leichtes Schwenken im Glas gibt die Aromen für die Geruchsnerven frei. Mancher Whisky duftet nach Schokolade, mancher rauchig, nach Bergwiesenheu, nach Pfeffer, Tabak oder süß-fruchtig. Die Bandbreite ist riesengroß. Der erste  schnelle Schluck brennt mir wie Feuer auf der Zunge. Mit Angela´s Tipps verkoste ich den Whisky in kleinen Schlückchen. Von der Zungenspitze aus versuche ich alle Geschmacksnerven im Mund zu erreichen. Mein Bloggerkollege André von reisebloegle war auf „Whisky Tastings“ und meint: „Die Schwäbischen Whiskys können durchaus mit Schottischen 
mithalten. Lediglich Whisky-Liebhaber, die torfigen und schweren Whisky
 bevorzugen, werden hier nicht fündig. Auf der Schwäbischen Alb darf nicht mit Torf gearbeitet werden.
 Aber die fruchtigen und leicht bis mittelrauchigen Whiskys schmecken hervorragend 
”.

Owen-Teck, Whisky-Destillerie Immanuel Gruel
Foto © Andreas Riedmiller Owen-Teck, Whisky-Destillerie Unternehmer Immanuel Gruel
Schwäbischer Whisky in Eichenfässern gelagert.
Foto © Andreas Riedmiller Schwäbischer Whisky wird in Eichenfässern gelagert.
Whisky Destillerie - das Aroma kommt aus dem Faß
Foto © Andreas Riedmiller Whisky Destillerie – das Aroma kommt aus dem Fass
Whiskybrenner von Owen/Teck, Immanuel Gruel (l.) und Angela V. Weis (r.)
Foto © Andreas Riedmiller Whiskybrenner von Owen/Teck, Immanuel Gruel (l.) und “Schwäbische Whiskybotschafterin” Angela V. Weis (r.)
Whisky Destillerie - Gruel
Foto © Andreas Riedmiller Whiskyflasch der Destillerie – Gruel
Whiskyflaschen im Hofladen des Berghof Rabel
Foto © Andreas Riedmiller Whiskyflaschen im Hofladen des Berghof Rabel

Schaffe, schaffe Whisky brenne…

Im Fasslager erklärt Immanuel, wie er die besonderen Aromen in den Whisky bekommt. Das Ausgangsprodukt ist ein zweimaliger Kornbrand. Die Rohstoffe hierfür sind Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Emmer oder Urkorn. Sie werden in den Feldern der Umgebung angebaut. Für die Qualität des Whiskys sind zu 20 Prozent die Rohstoffe und zu 80 Prozent die Lagerung verantwortlich.

Das Fass macht den Whisky

Die Brenntechnik und die Region machen den guten Geschmack aus. Ein schottischer Whisky schmeckt torfig. Der schwäbische Whisky von Gruel hat eine Note von Bergwiesenheu. Um dieses Aroma zu verstärken, legt Immanuel mehrere Ballen Bergwiesenheu in seinen Lagerkeller. Die Heuaromen gehen über das Fass in den Inhalt. Das Fass gibt dem Whisky die charakteristischen Aromen und die besondere Farbe. Zur „Königsklasse gehören spanische Fässer mit bis zu 500 Liter Volumen“, sagt Immanuel Gruel. Die spanischen Sherryfässer geben eine Kirschnote ab und färben den Whisky dunkel. Diese Fässer kommen aus der andalusischen Stadt Jerez de la Frontera. Portweinfässer geben dem Whisky ein süßliches Aroma. Fässer aus Deutscher Eiche, amerikanischer Weißeiche oder Cognacfässer erzeugen die weitere Vielfalt seiner Produkte. Geeignete Fässer sind nicht leicht zu bekommen und  sehr teuer. Nach 10 – 15 Jahren sind sie verbraucht.

Gründer der Whisky Destillerie - Christian Gruel (r.)
Foto © Andreas Riedmiller Gründer der Whisky Destillerie – Christian Gruel (r.) holt lange Stangen zur Kirschenernte.
Korn ist der Rohstoff der Whiskybrenner in Owen/Teck
Foto © Andreas Riedmiller Kornarten, hier Weizen, sind Rohstoffe der Whiskybrenner
Korn ist der Rohstoff der Whiskybrenner in Owen/Teck
Foto © Andreas Riedmiller Dinkel ist ein Rohstoff der Whiskybrenner in Owen/Teck
Schwäbische Alb, Kirschenernte in einer Streuobstwiese
Foto © Andreas Riedmiller Schwäbische Alb, Kirschenernte in einer Streuobstwiese
Owen/Teck, Verkaufsstand mit frischen Kirschen.
Foto © Andreas Riedmiller Owen/Teck, Verkaufsstand mit frischen Kirschen.

Auf zum Whisky-Walk

Aufgeladen mit Informationen über Whiskyproduktion und leicht beschwingt begeben wir uns mit Angela V. Weis auf den Whisky-Walk. Unser Ziel ist die Bellerhof Destillerie und der Berghof Rabel. Bis dahin sind es 4,5 Kilometer durch Streuobstwiesen und Kornfelder.

Die Owener Streuobstwiesen gehören zum größten zusammenhängenden Streuobstgürtel Europas, gelegen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Ein Garten Eden. Streuobstwiesen sind auch wichtige Vogelschutzgebiete. Die alten Bäume sind Heimat für eine Vielzahl von Vogelarten. Besonders Höhlenbrüter wie der Waldkauz, der Baumläufer und der Grünspecht finden in den Astlöchern der alten Bäume begehrte Nistplätze. „Traumhaft ist es hier während der Baumblütezeit im April-Mai. Dann stehen viele Bienenstöcke zwischen den Bäumen. Bienen werden zur Bestäubung dringend benötig“, sagt Frau Weis. „Im Herbst fällt das kräftige Rubinrot der Hochstammbirnen und Kirschbäume auf. Jede Jahreszeit hat was Eigenes”, sagt sie.

Im Moment ist Erntezeit der Kirschen. Die Bauern schütteln Kirschen mit langen Holzstangen vom Baum oder ernten mühsam von der Leiter aus. Ich frage, ob ich ein paar Kirschen bekomme. „Sie können essen soviel sie wollen. In Tüten mitnehmen, sehen wir nicht gerne“, sagt mir eine freundliche Bäuerin auf dem Feld. Von der Anhöhe reicht der Ausblick zur 770 Meter hoch gelegenen Burg Teck, über die Hügelkette der „Bassgeige“ bis zur Burgruine Hohen Neuffen im Norden. Wir haben die Hälfte des „Whisky-Walks“ hinter uns. Vor uns sind noch ein paar schmale Äcker mit Korn. „Der Anbau erfolgt in dreijährigem Fruchtwechsel. In der Zwischenzeit werden Stickstoffbildner wie Klee, Ackerbohne oder Phacelia angebaut, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu steigern“, erklärt Angela Weis.

Owen Whiskydestillerie Bellerhof - Dannenmann
Foto © Andreas Riedmiller Owen Whiskydestillerie Bellerhof – Thomas Dannenmann
Whhiskybrenner Thomas & Susanne Dannenmann
Foto © Andreas Riedmiller Whiskybrenner Thomas & Susanne Dannenmann

Whiskybrenner in Owen/Teck, Thomas Rabel in der Destille
Foto © Andreas Riedmiller Whiskybrenner in Owen/Teck, Thomas Rabel in der Destille
Whiskylagerung in Eichenfässern am Berghof Rabel
Foto © Andreas Riedmiller Whiskylagerung in Eichenfässern am Berghof Rabel
Whiskyflaschen im Hofladen des Berghof Rabel
Foto © Andreas Riedmiller Whiskyflaschen im Hofladen des Berghof Rabel
Whiskybrenner von Owen/Teck, Thomas Rabel (l.), Angela V. Weis (2.vl.), Immanuel Gruel (2.v.r.), Thomas Dannenmann (r.).
Foto © Andreas Riedmiller Whiskybrenner von Owen/Teck,  Angela V. Weis (l.), Thomas Rabel (2.v.l.) Immanuel Gruel (2.v.r.), Thomas Dannenmann (r.).

„Mir machet älles“: Produktion und Vermarktung

Die nächsten Destillerien sehen wir am Ende des Feldweges. Ganz abseits liegen der Berghof Rabel und die Bellerhof-Brennerei. Thomas Rabel steht vor seiner neuen Destille, wir lauschen ihm aufmerksam. Im Lagerraum nebenan spielt klassische Musik. Sein Whisky ruht sieben Jahre lang in schweren Fässern aus Deutscher Eiche und wartet auf die richtige Reife.

Im Hofladen nebenan sind fertige Produkte in schönen, hölzernen Geschenkpackungen ausgestellt, die per Internet erhältlich sind. Der schwäbische Whisky hat ein breites Spektrum an Aromen. Eine typisch schwäbische Note gäbe es nicht. Er schmeckt unterschiedlich. Je nachdem, wie er beim Erzeuger gebrannt und gelagert ist: „Jeder machts a bissle andersch, des macht de schwäbische Whisky aus. Des isch ja grad des scheene, “, sagt Thomas Rabel noch.


Schwaebische Alb

Mein Tipp:

Schützen und Nützen geht Hand in Hand.

Die Owener Whiskyproduktion ist ein faszinierendes Beispiel, wie ein hochwertiges Produkt mit der Kulturlandschaft verknüpft wird. Die pflanzlichen Rohstoffe werden mit viel Liebe und Fachwissen veredelt. Sie erfahren alles auf einer Führung mit der Schwäbischen Whiskybotschafterin Angela V. Weis. Vom Anbau seltener Kornarten, bis zur Sortenvielfalt der Streuobstwiesen, der Artenvielfalt die dort lebt und der traditionellen, bäuerlichen Kulturlandschaft. Angela ist Edelbrand Sommelière und „Schwäbische Whisky Botschafterin“, außerdem begleitet sie den Whisky-Walk und unterhaltsame Tasting-Abende.

 

 

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Danke für die gute Organisation an Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg

8 Kommentare zu “Baden-Württemberg: Schwäbische Alb – Whiskybrenner von Owen/Teck

  1. Hallo Andreas,

    Deine Berichte sind klasse, auch gefallen mir deine Fotos sehr gut, Grüße aus dem Biosphärengebiet
    Achim

    • Lieber Achim,

      freut mich. Ich hoffe dass ich bald mal wieder ins “Schwäbische” komme. Die Alblandschaft und die Leute gefallen mir. Und alles ist so nah! Bitte empfehle mich weiter.

      Andreas

  2. Thomas Dannenmann

    Hallo Herr Riedmiller,

    Ihr Bericht ist sehr gut geschrieben und es sind tolle Bilder.

    Herzliche Grüße vom Zentrum des Schwäbischen Whiskies

    Thomas Dannenmann

    • Lieber Herr Dannemann,

      den “Whisky-Walk” habe ich in schöner Erinnerung. Oft bin ich über die A 7 nach Stuttgart gefahren und wusste gar nicht, was die Teckregion für eine reichhaltige Kulturlandschaft ist. Einen Abstecher in die Teckregion kann ich jedem empfehlen.

      Gruss Andreas

  3. Hallo Andreas,

    dein Bericht hier ist sehr informativ auch die Schwäbischen Whiskys sind sehr gut
    gelungen. Mach weiter so, ich bin total begeistert.

    • Hallo Eberhard,

      danke. Ich freue mich sehr, wenn Dir meine Blogs gefallen und du mich wieder online besuchst. Es kommen bald wieder interessante Themen mit neuen Bildern, von Ausflugszielen und Spezialitäten der Schwäbischen Landschaft. Bitte empfehle mich weiter.

      Gruss Andreas

  4. oTMAR bANGERT

    Hallo Andreas Riedmiller,

    ein wirklich sehr schöner Bericht!
    Nur eine kleine Korrektur zur geographischen Angabe, das Örtchen Owen liegt im Lenninger Tal (das “Lautertal” liegt nicht weit entfernt auf der Alb bei Münsingen), was sich dann Richtung Alb-Trauf von Owen, über Lenningen nach Gutenberg erstreckt.

    Grüße aus Kohlberg im Biosphärengebiet
    Otmar Bangert

    • Lieber Omar,

      danke für Deinen Kommentar und für den wichtigen Hinweis. Es freut mich, wenn der Artikel bei Dir gut ankommt. Gruß Andreas

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