Ein Regentag am Rottachen

Allgäu: Ein Regentag am Rottachsee

Regentag am Rottachsee.

Welche Momente hält dieser Regentag bereit? Auf dem Rundweg um den Rottachsee will ich es spüren, ausprobieren, möchte heute die Landschaft ohne Ablenkung erleben! Ich beobachte das Schauspiel der Natur vom Wanderweg aus: Hagel- und Regenschauer wechseln sich ab mit kurzen Sonnenstrahlen.

Ein Regentag am Rottachsee Ein Regentag am Rottachsee[/caption

Mit wasserdichter Kleidung macht mir das nichts aus. Ich genieße das Gehen, meine ganze Aufmerksamkeit gilt der Umgebung. Denn so meine ich, kann ich die Natur richtig spüren. Nichts tun müssen, kein Termindruck, keine Anstrengung, alleine still gehen. Das ist mein Plan an diesem verregneten Sonntag.

Der Rottachsee ist Natur aus zweiter Hand. Ein Stausee, aber behutsam in die Natur eingefügt. Mit Randbiotopen und heimischen Gehölzen bepflanzt, bietet er Ersatzlebensraum für Pflanzen und Tiere.

Die Büsche stehen im Frühlingsgrün. Die Heckenrosen, Traubenkirschen, Weißdorne, Wildkirschen und viele andere Büsche entlang des Weges haben pralle Frühlingsknospen und werden bald blühen.

Am Ufer begegne ich zwei Fischern im strömenden Regen. Sie erzählen von einmaligen Sonnenaufgängen und Wetterereignissen, die sie hier erlebt hatten. Sie sind Angler mit Leib und Seele. Wir sprechen kaum, doch ihre glänzenden Augen verraten intensive Glücksgefühle, die sie an diesem See hatten. Sie verbringen jede freie Minute am Rottachsee. Gerade bringen Ihre Frauen ein Lunchpacket, damit sie keine wertvolle Minute versäumen.

Wandern im Regen hat was Besonderes. Es ist ruhiger als sonst. Das Frühlingsgrün erscheint im gedämpften Licht. Tiere und Vögel bleiben lieber in Deckung. Nur ein Schwan dreht als Einzelgänger seine ruhigen Kreise im See. Die vielen unscheinbaren Anregungen, die aus der Natur zu mir sprechen, machen mich in besonderer Weise glücklich. Das klappt, wenn ich alleine gehe, langsam und bedacht. Schnell wandern wäre hier viel zu schade.

Bald erreiche ich den Bootshafen von Moosbach. Daneben befinden sich ein Kiosk und ein schöner Badestrand für Familien mit Kindern. Bei schönem Wetter ist hier viel Betrieb. Heute ist Ruhe.

Damals waren hier „Deutschlands schönste Bachmäander“. Die Wiesen glichen einer Steppenlandschaft. Es gab Feuchtwiesen mit Knabenkraut, Frauenschuhorchideen und seltene Pflanzenarten. Es gab die grün-bläulich schimmernde Prachtlibelle, den Schwalbenschwanzschmetterling. Der Eisvogel war zu sehen und die Wasseramsel hatte hier ihren Lebensraum. In den Uferböschungen brüteten sogar Uferschwalben. Diese Artenvielfalt ist verschwunden. Dafür gibt es heute Schwäne, Blässhühner und Enten.

Entlang des Uferweges ist ein vier Meter breiter Streifen abgeholzt. Dies im Frühling, wo viele Singvögel doch ihre Nester bauen. Den Tieren fehlt jetzt der Unterschlupf. Unerklärlich sind diese Rodungsarbeiten, die entlang des Uferweges stattfanden. Viele Leserbriefschreiber in der Regionalzeitung beschwerten sich darüber.

Blütengehölze sind gepflanzt, damit der künstliche Stausee attraktiv in die Umgebung eingebunden ist. Der Duft der blühenden Gehölze im Frühling bietet dem Wanderer ein besonderes Flair.

Auf Infotafeln wird der Zweck des Stausees erläutert. Der Stausee dient der Wasserabgabe bei Trockenheit in die Iller und in die Donau. Er dient dem Hochwasserschutz und liefert Ökostrom für 400 Haushalte steht darauf. Vorwiegend im Sommer dient der See als Freizeit und Erholungsgebiet.

In Petersthal sortieren Fischer ihren Fang. In den Fischreusen haben sich Fische verfangen, die noch Schonzeit haben. Darunter Edelkrebse, ein Riesenhecht und ein großer Zander. Mit dem Boot kommen sie wieder in den See zurück. Hier leben Aale, Rotaugen, Forellen, Bitterlinge, Karpfen, Schmerle, Brachsen, Barsche, Schleien.

Der Rottachsee zählt inzwischen zu den besten Krebsgewässern in Deutschland. Die Schalentiere vermehren sich gut. Sie lieben das glasklare Wasser des Rottachsees. Die seltenen Edelkrebse werden als Delikatesse bis nach München in Feinkostgeschäfte geliefert. Ein Kilo ausgepultes Krebsfleisch kostet 200 Euro.

Jetzt wandere ich das letzte Stück in Richtung Oberzollhaus zurück. Am Vorsee bei dem Weiler Gschwend erreiche ich unseren Familien-Badestrand. Hier gab es bis vor Kurzem einen schönen Grillplatz mit Natursteinen und mit Lagerfeuerromantik. Der natürliche Grillplatz wurde professionell umgebaut. Nun steht hier ein einbetoniertes Eisengestell zum Grillen bereit.

Ich kehre am Kiosk bei Rosi und Magdalena ein. Da gibt es eine gute Brotzeit, eine nette Unterhaltung und abends herrliche Sonnenuntergänge als Gratisbeilage.

Nach vier Stunden komme ich wieder am Ausgangspunkt in Oberzollhaus an. Auch im Regen machte Wandern große Freude


Ein Regentag am Rottachsee

Erklärung: IUCN – International Union for Conservation of Nature and Natural Resources. Diese internationale Organisation hat sich zur Aufgabe gemacht die Menschen für Natur- und Artenschutz zu sensibilisieren, sowie die nachhaltige und ressourcenschonende Nutzung zu fördern

4 Kommentare zu “Allgäu: Ein Regentag am Rottachsee

  1. Sven Baumer

    Hallo Andreas,

    mich würde mal interessieren wie Du die Fotos von den Flusskrebsen und Fischen hinbekommen hast?
    Habt ihr die im Rottachsee vorgefunden? Mein Lieblingsbild aus dieser Serie hier ist mit Abstand die Kirchbaumscheibe mit den Jahresringen. Es sieht so aus, als wäre die ganze Wärme die von dem Baum ausging auf dem Foto festgehalten.

    Liebe Grüße aus Dachau 🙂

    • Hallo Sven,

      diese Flußkrebse hatten die Fischer als Beifang im Netz, als sie im Rottachsee im Allgäu ihre Netzte einholten. Als ich zufällig vorbeikam, lagen sie in der Fischerhütte auf dem Tisch. Ich hatte meine Canon EOS 5D Mark III mit einem 35mm Weitwinkel dabei. Bin mit ruhiger Hand, ganz nah an den Flußkrebs gegangen und habe den Auslöser gedrückt. Nachdem ich einige Fotos aufgenommen hatte, wurden die Flußkrebse wieder in den See zurückgebracht.

      Die Wildkirsche ist ein Edelholz. Früher wurden damit wertvolle Intarsien gemacht oder Möbel. Das Holz der Wildkirsche gefällt mir sehr gut. Besonders der Blick auf die Jahresringe. Sie erzählen eine Geschichte über das Leben eines Baumes. Wie alt war der Baum? Wie war das Wetter in den vergangenen Jahrzehnten (oder Jahrhunderten)? welche vorherrschenden Winde gab es? wann waren Dürrezeiten oder Katastrophen? Dies und noch ganz viel mehr können Fachexperten (Dendrochronlogen) aus einer einfachen Baumscheibe lesen.

      Sven, komm bitte wieder auf meiner Seite vorbei und empfehle mich weiter.

      Andreas

  2. magdalena reichert

    Hallo Andreas,

    danke fuer deinen netten Beitrag: Hab ihn durch Zufall in Sizilien gelesen!

    viele Gruesse und bis bald

    Magdalena

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