Wandertouren mit dem Esel Baudet de Poitou.

Prignitz: Abenteuer mit »Baudet du Poitou« erleben

Weder Landwirtschaft noch Armee brauchen heute Maultiere und Esel. Das führte dazu, dass der Poitou-Esel nicht mehr gezüchtet wurde. 1977 gab es weltweit nur noch 44 Tiere. Der Poitou-Esel drohte auszusterben.

Der Poitou- Esel ist ein außergewöhnliches Tier. Bekannt ist die Rasse seit dem 11. Jahrhundert. Ursprünglich stammen diese Tiere aus Nordafrika. Später wurden sie in der Gegend um die französische Stadt Poiters in der Landwirtschaft eingesetzt. Durch das Kreuzen der Poitou-Esel mit Kaltblutpferden entwickelten sich kräftige Maultiere. Diese Nachkommen wurden bei Feldzügen Napoleons eingesetzt, um  die schwere Artillerie zu transportieren. Später dienten sie der französsichen Armee als genügsame Tragtiere.

Jens Neumann mit Poitou-Esel
Foto © Andreas Riedmiller Jens Neumann mit Poitou-Esel

Archehöfe züchten aussterbende Haustierrassen

Wir sind bei Mödlich in der Prignitz. Im äußerten Winkel Brandenburgs suchen wir nach dem Archehof von Jeanette und Jens Neumann. »Gleich dahinten, nach dem fünften blauen Briefkasten müsst ihr rechts abbiegen. Am Elbdeich, wo die hohen Eichen stehen, dort findet ihr den Archehof und die Poitou-Esel« weist uns ein Einheimischer den Weg.

Jeanette und Jens widmen sich auf dem abgelegenen, 300 Jahre alten Hof der Erhaltungszucht von aussterbenden Haustierrassen. Unter hohen Eichen, die den Hof säumen, leben neuseeländische Kunekune- Schweine ( das kleinste heißt »Putin«) und ein paar Schwarznasenschafe aus dem Wallis.

Poitou-Esel

Jeanette und Jens Neumanns Passion sind Poitou-Esel. Das spürt man sofort. Wenn Jeanette liebevoll ihre Poitou-Esel vorstellt, leuchten ihre Augen. Sieben Exemplare sind auf dem Hof. Echte Liebhabertiere, die einen hohen Anschaffungspreis haben. Vor sieben Jahren erstanden die Neumanns den Zuchthengst Violin du Angel direkt in Frankreich. Typon, Linnette du Moulin, Chiron (Moin Chi Chi), Croissant, Estragon du Jardinage, Antoine, Baba Jag und Nougatine heißen die anderen Esel. Jeannette krault Estragon die Stirn und sagt: »Sie haben alle einen individuellen Charakter«. Die Haltung dieser Tiere ist nicht einfach. Sie stehen das ganze Jahr auf der Weide. Im Winter wechseln sie in einen großzügigen Freilaufstall. Am liebsten weiden die Feinschmecker auf kräuterreichen Trockenrasen. Wer den Elberadweg entlang fährt, kann hier einen kleinen Stopp einlegen.

Erste Schnuppertour

Bevor wir mit den Esel wandern, müssen wir uns ein Tier aussuchen bzw. umgekehrt. Der Esel sucht sich seinen Wegbegleiter aus, mit dem er gehen will. Ich stehe mit der Kamera mitten in der Gruppe. Die aufgeweckten, wuscheligen Tiere rücken mir nahe an die Seite. Sie fangen an, mich zu beschnuppern. Einer knabbert leicht in meinen Unterarm. Ein anderer untersucht derweil meinen Fotorucksack. Die Annäherung hat auf Anhieb geklappt. Am liebsten würde ich mit allen zusammen losmarschieren.

Jens nimmt das erfahrenste Tier ans Halfter und geht voraus. Das Wichtigste ist, das Halfter kurz zu halten, damit der Esel gleich merkt, wer das Sagen hat. »Am liebsten frisst er frisches Gras. Nichts auf der Welt kann ihn davon abbringen, egal wie weit der Weg noch ist,« sagt Jens. Wir marschieren vom Hof aus eine kleine Runde ans Elbufer und wieder zurück. Hohe Bruchweiden säumen den Weg. Große Schilfflächen wechseln sich ab mit Wildsträuchern und Honiggraswiesen. Der Pfad führt bis an den Sandstrand der Elbe. Auf einem abgestorbenen Baum am Elbufer hält jeden Abend ein Seeadler Ausschau nach Beute.

In der Ruhe liegt die Kraft

Jens und Jeanette sind »Eselversteher«. Esel sind nicht störrisch, sie sind eher vorsichtig und haben ihren eigenen Kopf. Sie versuchen Zeit zu schinden und auszuloten, wie weit die Geduld des Partner geht. Man muss Vertrauen aufbauen und viel Zeit mitbringen. Auf Druck reagiert jeder Esel mit Gegendruck. Am Ende entscheidet der Esel. Jens: »Vom Esel kann man lernen. Er ist unbeeindruckt vom Status seines Begleiters und bringt ihn zu Ruhe und Entschleunigung. Dies ist eine radikale und effektive Therapie für unsere rasend schnelle Zeit.«

Feierabend

Nach unserer Tour an die Elbe bringt Jeannette die Tiere wieder auf die Koppel. Am späten Abend sitzt Jeannette im hohen Gras des Elbdeichs und schaut ihren Tieren zu. Ich sehe ein Motiv vor mir, wie es Giovanni Segantini gemalt hätte. Feierabend, Zufriedenheit und Ruhe nach getaner Arbeit, Wiesenlandschaft vor der Elbe und dahinter hohe Wolkengebilde. Manchmal braucht es nicht viel, um glücklich zu sein.

Eseltouren sind ein echtes Naturerlebnis:

Jens & Jeannette Neumann bieten mit ihren Eseln individuelle Arrangements für Gruppentouren an. Es gibt kurze Esel-Schnuppertouren, Halbtagestouren, Tagestouren, ein Abenteuer- Wochenende. Geboten werden Kaffee und Kuchen. Je nach Wunsch auch ein Picknick mit »Schnittchen« an der nahegelegenen Elbe.

Mein Tipp: Eine Mondscheintour mit dem Esel

Die Elblandschaft im Mondschein hat was Mystisches und zeigt unwirkliche Landschaftsbilder. Jens: »Wenn der Biber seine Burg verlässt, starten wir unser Eselabenteuer«. Jens kennt schöne Lagerfeuerplätze und lässt diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Kontakt: www.eselauftour.de


Im Schaubauernhof der Wilhelma

Die Geburt des Poitou-Eselchens im Schaubauernhof der Wilhelma war besonders. Am helllichten Tag konnten Besucher dieses Ereignis miterleben. Fasziniert beobachteten viele Zuschauer, wie das Fohlen geboren und von der Mutter umsorgt wurde. Eine Stunde später konnte es bereits auf seinen wackeligen Beinen stehen. Der Besucherin Jana Müller aus Esslingen sind diese Bilder gelungen.

Die Geburt des Esel-Fohlens verfolgten am Sonntag viele Wilhelma-Besucher, wie Jana Müller aus Esslingen, der diese Aufnahmen gelungen sind
Foto © Jana Müller Die Geburt des Esel-Fohlens verfolgten am Sonntag viele Wilhelma-Besucher, wie Jana Müller aus Esslingen, der diese Aufnahmen gelungen sind
Die Geburt des Esel-Fohlens verfolgten am Sonntag viele Wilhelma-Besucher, wie Jana Müller aus Esslingen, der diese Aufnahmen gelungen sind
Foto © Jana Müller Die Geburt des Esel-Fohlens verfolgten am Sonntag viele Wilhelma-Besucher, wie Jana Müller aus Esslingen, der diese Aufnahmen gelungen sind

Einkehr und Übernachtungstipp: Alter Hof am Elbdeich.

Nicht weit vom Eselhof entfernt befindet sich ein nettes Restaurant, mit Terrassensafe, freundlichem Service und regionaler Küche. Der Alte Hof liegt direkt am Elbdeich, im Biosphärenreservat “Flusslandschaft Elbtalaue”. Dies ist die Region Linzer Wische, zwischen Lenzen (Brandenburg) und Dömitz (Mecklenburg) sowie dem niedersächsischen Wendland am linken Elbufer. Kontakt: Alter Hof am Elbdeich, Hotel – Restaurant – Ferienwohnungen, Am Elbdeich 25, 19309 Unbesandten

Alter Hof am Elbdeich
Foto © Andreas Riedmiller Alter Hof am Elbdeich

 Restaurant alter Hof am Elbdeich
Foto © Andreas Riedmiller Restaurant Alter Hof am Elbdeich

Archehof

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter, aussterbender Haustierrassen (GEH). Archehöfe widmet sich der Nachzucht dieser Arten und sichern damit Genmaterial für die Zukunft. Kontakt:

Prignitztourismus


Brandenburg_Prignitz

Herzlichen Dank an Herrn Steffen Lehmann von Reiseland-Brandenburg für die freundliche Einladung und Kooperation.

2 Kommentare zu “Prignitz: Abenteuer mit »Baudet du Poitou« erleben

  1. Christiane Balz

    Hallo,

    und guten Morgen, das mit den Esel ist eine gute Idee. Ich wollte anfragen, ob wir Euch besuchen können? Würde gerne eine Esel Wanderung mit machen.

    LG Familie Balz

    • Hallo Christiane,

      danke für Deine Anfrage. Ich habe sie weitergeleitet zu Jeanette und Jens Neumann. Denk sie werden sich bei Dir melden. Gruß Andreas

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