Nationalpark Bayerischer Wald - Grosser Arber.

Nationalpark Bayerischer Wald: Wildniscamp, Watzlik-Hain und Seelensteig

»Nationalpark ist da, wo die Natur macht, was sie will und wo es keinen Handyempfang gibt«, meint ein Schüler. Für manche Kinder und Jugendliche ist dies ungewöhnlich und die größte Umstellung, wenn sie hier ankommen. Das Wildniscamp ist eine Bildungseinrichtung des Nationalparks für Kinder ab zwölf Jahren und für Schulklassen. In einer Waldlichtung stehen sechs Hütten aus verschiedenen Ländern originalgetreu aufgebaut.

Wildniscamp im Nationalpark Bayerischer Wald.
Foto © Andreas Riedmiller Wildniscamp im Nationalpark Bayerischer Wald.

Wildniscamp am Falkenstein

Achim Klein, Leiter des Wildniscamps, führt uns durch das Camp. Gleich zu Beginn zeigt er uns die »Thoreauhütte«, die vom Verein WaldZeit erbaut wurde. Die Holzhütte ist umrandet von ockerbraunem Adlerfarn und lädt jeden ein, sich mit Thoreaus Philosophie zu beschäftigen.

Thoreau (1817 bis 1862) lebte zwei Jahre in einer Blockhütte am Walden-See nahe seiner Heimat Concord in den USA. Er will herausfinden worauf es im Leben wirklich ankommt. In einem Tagebuch beschreibt er seine Erfahrungen als Lehrer- und Landvermesser. Sein einfaches Leben sowie seine ökologische Denkweise sind heute immer noch aktuell. Für Thoreau war das Leben am Walden-See ein Experiment der Selbstverwirklichung. Aus dem Tagebuch wurde später sein Hauptwerk »Walden oder Leben in den Wäldern«. Dieses Buch machte ihn später als Schriftsteller berühmt.

Abenteuerspielplatz und Leben im Wald

Partner des Nationalparks Bayerischer Wald erbauten landestypische Hütten aus ihren Gebieten. Auf Stelzen steht ein vietnamesisches Langhaus, daneben eine strohgedeckte Hütte aus dem Amazonasgebiet mit großer Veranda und einem Einbaumboot davor. Eine Lehmhütte stammt aus Benin, eine Cabanà aus Venezuela, ein Tschum aus Sibirien und die Ruka aus Chile. Zwischen Fichtenstämmen steht ein komfortables Baumhaus. Netze sichern es ab, damit den Kindern nichts passiert. Im Hauptgebäude ist der Speisesaal, Sanitäranlagen und weitere Schlafplätze.

Zitat von Henry David Thoreau:

„Jage deinem Leben nach“. „Genieße das Land, doch besitze es nicht“, „Sei mit Entschlossenheit, was du bist“, „Vereinfache dein Leben“. „Tu was du wirklich liebst“.

 

»Das Lebendige ist das Wilde« Thoreau

Die Länderhütten im Wildniscamp bieten den Kindern einfache Unterkunft und engen Kontakt mit der Natur. Jede Hütte hat ihren eigenen Charakter. Sie regen die jungen Gäste an, sich mit dem Lebensraum und den Menschen der jeweiligen Region zu beschäftigen. »Wir möchten, dass die Kinder Lust auf Natur bekommen. Sie sind viel draußen, sie wandern und streifen durch den Wald. Die Kinder sollen untereinander besprechen, was sie am meisten interessiert und wie sie den Tag gestalten. Hauptthemen sind Tiere und Pflanzen, das Klima, sowie der Nationalpark. Wanderungen durch Windwürfe oder Urwaldgebiete sind für Kinder abenteuerlich. Sie sollen von Anfang an Verantwortung übernehmen. Der Höhepunkt ist eine Wanderung zum Berg Falkenstein. Nicht alle sind voll davon begeistert, doch wenn man es einmal gemacht hat, kann man es besser beurteilen«, meint Achim Klein.

Unheimliche Nacht im Naturcamp

Die Hütten stehen am Waldrand, seltsame Tier-und Naturgeräusche bei Nacht können gruselig sein und Angst machen. Die kuschelige Erdhöhle ist die einzige Hütte mit einem warmen Ofen, weswegen viele abends gerne hier zusammen kommen. Als Beleuchtung dient einzig das Mondlicht, das durch ein Dachfenster scheint oder eine Taschenlampe. Kerzen sind wegen Brandgefahr im Naturcamp nicht erlaubt. Chips knabbern ebenfalls, denn die Brösel locken Mäuse an.

Die Natur ist anziehend.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Anziehungspunkt für Wanderer, Radfahrer und Naturfreunde. In das Innerste des Nationalparks kommt man von den Hauptorten aus nur mit dem sog. Iglbus. Im Naturcamp gibt es für Schulklassen unter der Woche günstige Preise. An Wochenenden übernimmt der Verein WaldZeit die Betreuung für verschiedene Gruppen. Der Verein WaldZeit bietet übrigens viele Naturerlebnisse für Familien und Gruppenreisende in die Nationalparkregion.

Zitat von Henry David Thurau:

„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es ans Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte“.

Urwaldszenerie am Watzlik-Hain Nationalpark Bayerischer Wald.
Urwaldszenerie am Watzlik-Hain Nationalpark Bayerischer Wald.

Wanderung im Watzlik-Hain

Mit Dr. Franz Leibl, dem Chef des Nationalparks, wandern wir durch den Watzlik-Hain. Dieser Wald ist seit dem 18. Jahrhundert unberührt. Damals führte eine alte Straßenverbindung vom Zwieslerwaldhaus nach Böhmen. Wir erfahren, dass der Watzlik-Hain als militärisches Bollwerk dienen sollte. Man ließ die Bäume stehen, damit sie im Ernstfall gefällt werden können, um eventuell heranrückende Truppen aufhalten zu können. So dachte man damals.

Seit dieser Zeit blieb der Watzlik-Hain unangetastet. Der Wald wurde später als Bannwald und Naturschutzgebiet geschützt. Heute ist der Watzlik-Hain im Nationalpark integriert und streng geschützt. Links und rechts des Weges liegen umgestürzte, bemooste Baumriesen. Als Naturfreund sehe ich zauberhafte Waldbilder, Lichtstrahlen flimmern zwischen den Ästen. Die alten Stämme tragen Zunderschwämme, aus Astgabeln wachsen Farne und andere Pflanzen. Bäume liegen kreuz und quer am Waldboden, die Luft ist feucht, es riecht modrig.

Im Totholz ist Leben.

Als Nationalparkdirektor Dr. Franz Leibl die Baumgiganten ganz langsam von unten nach oben in Augenschein nimmt, kommt er ins Schwärmen. »Schaut her, so soll unser Nationalpark einmal werden. Hier ist ein abgestufter, strukturreicher Wald. Horizontal und vertikal sind alle Altersstufen und Arten vorhanden. Es gibt viel Totholz. Auf altem, liegendem Totholz können sich Pilze, Organismen und Insekten entwickeln, die man in Wirtschaftswäldern nicht findet. Totholzvorräte mit mehr als 100 Festmeter pro Hektar sind lebenswichtig für einen gesunden Urwald.«

Die Zeit der Buche ist gekommen.

Der Pfad durch den Watzlik-Hain führt zur Riesentanne. Sie ist der mächtigste Baum der Bundesrepublik und vermutlich ältestes Lebewesen im Nationalpark. Dieser Baum misst 52 Meter, hat einen Stammumfang von mehr als fünf Metern und ein Volumen von 40 – 50 Festmeter Holz. Wir erfahren, dass Anfang des 19. Jahrhunderts Tannen noch viel häufiger anzutreffen waren als heute. Inzwischen ist die Buche in Deutschland im Vormarsch und in vielen Wäldern ist sie die dominierende Baumart.

»Natur, Natur sein lassen«

Das funktioniert nicht immer. Zwar ist der Wildbestand im Nationalpark relativ gering, dennoch muss Rotwild weiterhin bejagt werden, damit der Wald von selbst nachwachsen kann. Wildsauen vermehren sich stark. Die Anwohner der angrenzenden Dörfer bekommen das zu spüren. Wenn Wildsauen mit ihrer Sippe nachts auf Futtersuche gehen, kann eine ganze Wiese, im wahrsten Sinne des Wortes, »versaut« werden. Der Einzelgänger Luchs hält den Rehwildbestand in Schach. Wir erfahren: Wenn Flora und Fauna aus der natürlichen Balance kommen, muss der Mensch behutsam und steuernd eingreifen.

Biber als Untermieter

Wir erreichen die Ausflugsgaststätte Schwellhäusl mit Biergarten am Fischteich. Der Wirt Ludwig Lettenmeier erzählt uns von »seiner« Biberfamilie, die direkt unterm Gasthaus ihre Burg hat. Jeden Abend schwimmt Familie Biber zur Freude der Gäste heraus. Die hohen Silberweiden am Ufer sind für den Biber verlockend. Der Gastwirt liebt seine Biber und lebt mit ihnen in friedlicher Koexistenz.

Haus der Wildnis am Falkenstein.
Haus zur Wildnis am Falkenstein.

Mein Tipps:



Fahrtziel Natur hat mich zu dieser Pressereise in den Bayerischen Wald eingeladen. Ich berichte darüber, weil ich diese Organisation gern unterstütze.

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