Allgäuer Viehscheid

Fotokalender | Allgäu – Meckatzer Jahresweiser 2015

„Andreas fängt Momente ein das macht die Ausdruckskraft seiner Bilder aus“ 

von Silke Teltscher

Meckatz, im Herbst 2014. „Machen Sie doch einmal einen Jahresweiser, der das Verbindende der deutschsprachigen Alpenregion rund um den Bodensee hervorhebt“. So war der Vorschlag meines Chefs Michael Weiß, Geschäftsführer der Meckatzer Löwenbräu. „Die Region verbindet doch so viel: Die Sprache alemannischen Ursprungs, die Sitten und Gebräuche über die Ländergrenzen hinweg. Das sollten wir hervorheben und zeigen wie nah wir uns alle sind!“ Leicht gesagt, aber auch leicht getan? Nicht optimistisch ging ich im Sommer 2014 zunächst an die Aufgabe zur Konzeption und Gestaltung des neuen Meckatzer Jahresweisers 2015. ‒ Einen einzigen guten Fotografen finden, der das abdeckt? „Schwierig“, so der erste Gedanke … bis ich per Zufall, nach Eingabe einiger Suchbegriffe wie „Alpenraum“, „Brauchtum“, „Allgäu“, „Vorarlberg“ im Internet auf den Blog und die Bilder von Andreas Riedmiller stieß ‒ zunächst auf wunderschöne, ausdrucksstarke Fotografien vom Viehscheid in Gunzesried, dann auf Bilder der Heuernte in Vorarlberg und dann darauf, dass ich selbst nur ca 3 km Luftlinie entfernt von ihm wohne. Ohne das Internet hätten wir uns trotzdem nie kennengelernt.

Nach zwei Nachmittagen im Riedmiller’schen blauen Holzhäuschen in Oberzollhaus, an denen wir von der strahlenden Frau Uschi mit frisch gebackenen Kuchen bewirtet wurden, hatten wir dann „kurzen Blickes“ ein gutes Repertoire an Bildern aus Andreas’ Fotodatenbank herausgesucht. Fotografien, die genau das ausdrückten, was wir Meckatzer suchten: Aufgenommene Momente, Stimmungen, Augenblicke und Landschaften die das Brauchtum der Alpen einfangen. Bilder, die „echt“ sind und keine geplanten Hochglanz-Werbeaufnahmen. Bilder, die den Betrachter in die Region tief eintauchen lassen ‒ Die Geschichten, die mir Andreas zwischen viel Kaffee und Kuchen zu den Bildern erzählte, machten es mir leicht, dazu Texte zu verfassen, die den Betrachter einladen den dargestellten Moment zu suchen oder Ort zu besuchen.

Meine drei liebsten Kalenderblätter:

Der Titel: Der Alpsommer endet

Ob Alpabtrieb (Bregenzerwald), Alpabfahrt, Alpabzug (beides Schweiz) oder Viehscheid (Allgäu) – die Überführung des Viehs von den Bergweiden ins Tal ist im Alpenraum seit jeher ein wichtiges Ereignis, das zwischen Mitte September und Mitte Oktober feierlich begangen wird. In vielen Gegenden werden die Tiere für den Viehscheid aufwändig geschmückt. Mit Musik- und Tanzveranstaltungen wird gefeiert, dass Mensch und Tier wohlbehalten im Tal ankommen und das Alpleben seinen Abschluss findet.


 

Meckatzer Jahresweiser 2015

 


Traditionell führt beim Alpabtrieb eine besonders schöne Kuh als sogenannte Kranzkuh die Herde an – dies ist auch auf dem Frontblatt dieses Jahresweisers zu sehen. Sie trägt einen auffälligen Kopfschmuck aus typischen Bergpflanzen und einem Spiegel. Dieser soll nach altem Brauch böse Geister von der Herde fernhalten. Jede Region, jeder Ort und jeder Hof hat einen eigenen Kopfschmuck für die Kranzkuh mit charakteristischen Merkmalen.

Tipp:
Einen großen und authentischen Allgäuer Viehscheid lässt sich in Gunzesried im Oberallgäu erleben – hier stehen noch die Hirten im Mittelpunkt, nicht die Touristen. Meckatzer Bier kann man beim beliebten Viehscheid in Thalkirchdorf bei Oberstaufen genießen. Einen guten Überblick über alle Viehscheide im Allgäu gibt die Internetseite www.viehscheid.com.

Auch der Alpabtrieb im Bregenzerwald ist immer einen Besuch wert, etwa Mitte September in Schwarzenberg. Da er sich nach der Natur und Tier richtet, variiert der genaue Zeitpunkt. Es empfiehlt sich daher, das Datum im Voraus zu erfragen. Information & Kontakt: www.tourismus-schwarzenberg.at und Tel.: +43 (5512) 3570.

Der Juni: Von Ziegen und Menschen

Die „Kuh des armen Mannes“ hieß die Ziege früher, denn sie ließ sich über Jahrhunderte dank ihrer Genügsamkeit fast kostenlos halten und lieferte als treuer Begleiter Milch, Felle und Horn. Dabei war und ist die Ziege auch ein fleißiger Landschaftsgärtner: Anders als Schafe, Rinder und Pferde fressen Ziegen nämlich nicht nur Gras, sondern auch Laub und Rinde und sorgen somit dafür, dass Alpweiden nicht von Büschen und Bäumen besiedelt werden. Heute ist die gesunde Ziegenmilch in Form von würzigen Käsen beliebter denn je und auch in den Supermärkten der Großstädte sehr gefragt.


 

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Ziegen sind aber auch einfach gute Spielkameraden: Kinder, die ihre Sommerferien auf der Alm verbringen, haben ihre helle Freude an den meckernden Freunden. Auf der Alpe Buchen bei Mellau etwa, auf dem Ziegenhof der Familie Held, helfen die Tiere mit und sind zwischendurch für jeden Spaß zu haben – hier als lustiges Trio mit der Tochter der Hofbetreiber.

Tipp:
Im Allgäu, Vorarlberg und der Ostschweiz gibt es unzählige Ziegenalpen, bei denen es zünftige Brotzeiten oder auch Käse zu kaufen gibt. Ein erlebnisreicher Ausflug ist beispielsweise der Besuch beim Ziegenhof der Familie Held auf der Alpe Buchen. Sie ist von Mellau in Vorarlberg aus, einfach zu erreichen und wird von Ende Mai bis Anfang Oktober bewirtschaftet. Die Jausestube ist Ausgangspunkt für anspruchsvolle Rundwanderwege im eindrucksvollen Wellental. Information & Kontakt: www.ziegenheld.at und Tel.: +43 (5512) 2794.

Sehr guten Ziegenkäse stellt überdies die Biokäserei Zurwies in Wangen her – sie bezieht ihre Ziegenmilch von einem der ältesten Kunden der Meckatzer Löwenbräu: Gast- und Landwirt Alois Stiefenhofer aus Hergatz. Information & Kontakt: www.zurwies.de; das Gasthaus Stiefenhofer befindet sich in Itzlings, Tel.: +49 (8385) 316.

Der Dezember: Heimatgipfel

Fast beschützend liegt das Allgäuer Dreigestirn aus Trettachspitze, Mädelegabel und Hochfrottspitze im Hintergrund dieser Jagdhütte in Einödsbach bei Oberstdorf. Für viele Allgäuer stellen diese drei Berggipfel das eigentliche Wahrzeichen ihrer Heimat dar – das Dreigestirn ist weithin sichtbar, wenn man auf der A7 von Memmingen kommend das „Allgäuer Tor“ durchfährt.


 

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So findet jeder Alpenbewohner sein eigenes Wahrzeichen – jenen Gipfel, an dem er seine Heimat festmacht und der ihm wie Betlehems Stern den Weg nach Hause weist: Sei es das Dreigestirn oder der Hochgrat für die Allgäuer, die Kanisfluh oder der Diedamskopf für den Bregenzerwälder oder der Säntis für den Appenzeller.

Einen runden Abschluß bekam der gemeinsame Jahresweiser durch eine Druckerei, die uns Andreas empfiehl. Diese setzt, wie auch Meckatzer, extrem auf Nachhaltigkeit: Wer den Kalender kauft, tut Gutes für die Umwelt: Der Kalender ist klimaneutral und emissionsarm gedruckt auf Papier aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft mit Öko-Druckfarben sowie Chemie- und wasserfreier Druckplattenherstellung. Dazu kommt: bei jedem Druckauftrag planzt die Druckerei einen Baum bei einem Aufforstungsprojekt in Lettland – Danke Andreas für Deine Bilder und Deine Beharrlichkeit!

Silke Teltscher

Meckatzer Jahresweiser 2015
Meckatzer Jahresweiser 2015

Bericht in Meckatzer Löwe


6 Kommentare zu “Fotokalender | Allgäu – Meckatzer Jahresweiser 2015

  1. Hallo Andreas,

    Glückwunsch zu diesem tollen Kalender, wie wir Preußen sagen würden. 🙂 Ich weiß aber gar nicht wem der Glückwunsch mehr gebührt, Andreas für die guten Bilder oder der Silke von Meckatzer, daß sie ihn gefunden hat. Egal, beiden ist Gutes geschehen und das freut mich!

    Grüße vom Fotokollegen aus Stuttgart,
    Thomas

    • Danke Thomas,

      Mich freut, dass der FotoBlog eine gute Werbung für meine Arbeit darstellt. Sonst hätte mich Silke, die nur drei Kilometer entfernt wohnt, nicht gefunden. Bloggen ist für mich inzwischen wichtig geworden.

      Gruß Andreas

  2. Hallo Andreas,

    Ein außergewöhnlich schöner Kalender mit wunderbaren Momentaufnahmen, die selbst eine kleine Geschichte erzählen. Und dazu noch die interessanten Infos … Selbst für alt eingesessene Allgäuer ist das doch ein tolles Weihnachtsgeschenk!

    Viel Erfolg
    Gaby

  3. Elisabeth Mayr-Hergenröther

    Hallo Andreas,

    du hast wieder einen wunderbaren Kalender geschaffen, gratuliere dir und ich wünsche dir viele viele Gäste auf deiner Seite, die den Kalender entdecken und alle deine herrlichen Bilder. E.

    • Danke Elisabeth,

      die Region Vorarlberg, Allgäu und Schweiz hat viel mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt. Ähnliche Feste, ähnliche Musik, der Dialekt ist ähnlich, sie lachen über die gleichen Witze und die Landschaft unterscheidet sich kaum. Es gibt schöne Winkel für Kurzreisen, die nicht weit entfernt sind. Tipps findest du auf der Rückseite der Kalenderblätter, ich freu mich sehr, wenn Leute den Blog finden und den Kalender entdecken. Das Jahr ist bald um. Bitte empfehle mich weiter.

      Gruß Andreas

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