Salzburger Land- schöner, stiller Advent im Salzburger Lungau.

Salzburgerland: Stiller Advent im Salzburger Lungau

Mit dem Anzünden der ersten Kerze am Adventskranz beginnt der Countdown zum Weihnachtsfest. Heuer trifft Weihnachten auf einen Sonntag, es bleiben drei Adventswochen dieses Jahr. Das bedeutet für manche Menschen mehr Stress als sonst. Ein makelloser Christbaum wird gesucht und Geschenke für die Liebsten sollten besorgt werden. Jedes Jahr dieselben Fragen. Was schenken wir wem? Wen laden wir ein? Was gibt es zu essen? Verstehen sich alle? Die Erwartung ans Weihnachtsfest ist hoch und mit Konsum verbunden. Man diskutierte heuer sogar darüber, ob der vierte Advent ein verkaufsoffener Sonntag sein soll oder nicht. Meist ist die »stade Zeit« als Vorbereitungszeit auf Weihnachten zu kurz, was ich schade finde. Besonders schöne und heimelige Adventsmärkte befinden sich im Salzburger Lungau.

Zauberhafter Advent im Salzburger Lungau

Schneeflocken taumeln, Lichter glänzen und Plätzchenduft liegt in der Luft. Im christlichen Jahreslauf nimmt die Adventszeit eine hervorgehobene Stellung ein. Das lateinische Wort »Adventus« bedeutet Ankunft. Die Adventszeit ist die Wartezeit auf die Ankunft von Christus. Ein Adventskranz aus frischem, duftenden Tannengrün mit roten Kerzen hat in unserer Familie Tradition. Ebenso der Besuch eines Weihnachtsmarktes. Heuer fuhren wir in das Salzburger Lungau. Die Region liegt etwa 100 Kilometer südlich von Salzburg. Das Lungau ist eingebettet zwischen den hohen Gipfeln der Obertauern im Norden und den sanfteren Hügeln des Murtales im Süden. An diesem Wochenende erlebe ich die Adventszeit auf eine besondere Weise. Im historischen Ambiente der Burg Mauterndorf findet ein zauberhafter Adventsmarkt statt. Rund um den festlich beleuchteten Christbaum stehen Stände, die Schmankerl anbieten. Wir mischen uns unter die Einheimischen, probieren Vanillekrapfen und stoßen mit einem Glas Glühwein an. Für Feinschmecker gibt es regionale Leckerbissen, Wildspezialitäten, Speckbrote und heiße Getränke. Es werden Handwerksprodukte angeboten, Schmuckdesign, selbst gefertigte Handarbeiten und Töpferwaren.

Am Mühlenweg kommt man sich näher

Im Nachbarort am Zederhauser Mühlenweg findet ebenfalls ein Adventszauber statt. An Feuerschalen, die zum Aufwärmen aufgestellt sind, stehen Besucher und unterhalten sich. Im Walcherhäusl kann man gemütlich einkehren. Auf dem Herd steht ein großer Topf mit Suppe. Am langen Tisch in der warmen Stube sitzen die Einheimischen. Sie rücken enger zusammen, damit wir ein Plätzchen finden. Lieder werden gesungen, Gedichte gelesen und ein Weihnachtsspiel aufgeführt. In einem anderen Mühlenhäuschen sitzen die Gäste zwischen großen Mehlkästen. Es gibt Geräuchertes, selbstgebackenes Brot aus Tauernroggen, Kletzenbrot mit Trockenfrüchten und allerlei Dinge, die die Adventszeit verschönern. Der Adventsmarkt in Zederhaus ist von den Einheimischen liebevoll gestaltet und deswegen heimelig.

Die Adventszeit hat mehr Licht als Schatten – Advent im Salzburger Lungau

 

Stimmungsvoller Adventsmarkt in Burg Mauterndrf im Salzburger Lungau.
Foto © Andreas Riedmiller Stimmungsvoller Adventsmarkt in Burg Mauterndorf im Salzburger Lungau.

 

Advent im Salzburger Lungau: „A gonz b`sinnliche Zeit im Jahr“

Es duftet nach Harz und Kräutern

Hans zeigt uns den Kräuterbuschen, der über das Jahr an der Hotelrezeption hängt: »Der Kräuterbusch wird am 15. August in der Kirche geweiht. Zusammengestellt ist er aus Thymian, Lorbeerblättern, Zweigen vom Wacholder und Buchsbaum, Johanniskraut, eine Kornblume sehe ich, wilde Schafgarben, reife Ähren von Gerste, Weizen und Tauernroggen darin«.

Über der Holzkohlenglut, die in einem Eisenpfännchen liegt, werden die Kräuter erst gebrochen und dann zwischen den Fingern zerrieben. Zusätzlich verwendet man die harzigen Winterknospen der Balsampappel (Popolus balsamifera), die im Lungau in Flussauen gedeiht. Das Harz der Lärche (Larix decidua) und der Zirbe (Pinus cembra) sowie Birkenrinde (Betula pubescens) werden ebenfalls zum Räuchern verwendet. Hans Steffen-Wallner: «Nur echte Zutaten und geweihte Kräuter in ungerader Anzahl erzeugen den richtigen Spirit«.

Das archaische Ritual des Räucherns reicht in eine heidnische Zeit zurück. Geräuchert wird hauptsächlich während der dreizehn Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig. Hans Steffner-Wallner: »Der flüchtige Rauch nimmt nach überliefertem Glauben Kontakt zur unsichtbaren Welt auf. Räuchern reinigt Haus und Hof von schlechten Energien«. Hans geht mit dem Räucherpfännchen durch seine Räume. Mit langsam kreisender Bewegung schwenkt er das Gefäß, damit der Luftzug die Glut nicht ausgehen lässt. Der aufsteigende Rauch reinigt und desinfiziert die Raumluft. Durch das Einatmen erreichen die Wirkstoffe Körper und Seele. Dem Hotel verleiht der Räucherduft eine spürbar angenehme Atmosphäre.

Für Hans und Hermi Steffner-Wallner ist die Rückbesinnung auf altes, überliefertes Wissen wichtig. Gern geben sie es an ihre Gäste weiter. Hans: »Nicht alles ist rational erklärbar. Doch die Wirkung von alten Ritualen ist spürbar und für manche Gäste eine neue Erfahrung«.

Zederhauser Prangstangen

Berühmt ist das Zederhauser Prangstangenfest, das im Juni gefeiert wird. Bis zu sechs Meter hohe Holzstangen, geschmückt mit Wildblumen, werden zuerst in einer Prozession durch das Dorf getragen und anschließend entlang der Kirchenbänke aufgereiht. Die geschmückten Prangstangen bleiben bis Maria Himmelfahrt in der Kirche stehen. Die geweihten Blütenblätter bewahrt man in Leinensäckchen auf, denn sie werden später zum Ausräuchern von Haus und Hof mit verwendet.

Salzburger Lungau – Wilde Gestalten beim Krampuslauf in Mauterndorf

 

Krampuslauf in Mauterndorf

Ich beobachte die Vorbereitungen zum Krampuslauf. Für diesen einen Abend weicht die beschauliche Stille von Mauterndorf einem wilden Spektakel mit Showeinlage. Lautsprecher und Absperrungen werden aufgestellt. Brave, gut erzogene Burschen und Mädels verwandeln sich heute in Höllenhunde, Teufel und blutrünstige Horrorgestalten. Von Weitem höre ich das dumpfe Dröhnen von Kuhglocken und Schellen. Bald erscheinen im fahlen Licht der Straßenlampen skurrile Gestalten. Als sie näher kommen, sehe ich ihre geschnitzten Holzmasken mit Hörnern. Mit ungelenken Bewegungen, begleitet von Lärm, Feuer und Rauch kommen sie dichter heran. Mit der Rute in der Hand springen und rennen sie vorbei. Einige der wilden Gesellen picken sich junge Damen aus den Zuschauern heraus, um sie mit der Rute zu erwischen. Der Krampus symbolisiert das Wilde und Unberechenbare, was in jedem Menschen steckt. Für zwei Stunden ist Mauterndorf ein Höllenkessel. Danach löst sich die Anspannung der Zuschauer auf und im beschaulichen Mauterndorf kehrt wieder die Stille der Adventszeit ein.

Hermi Steffen-Wallner erzählt: »Früher begleiteten nur einige wenige Krampusse den Nikolaus, der Krampuslauf veränderte sich später. Heute zeigen sie neben traditionellen Motiven auch Figuren aus der Sience-Fiktion-Welt.

Alte Mautstation

Mauterndorf hat eine 800-jährige Tradition und ist die älteste Gemeinde im Salzburgerland. Römer und Bajuwaren haben ihre Spuren hinterlassen. Mauterndorf war wichtiger Säumerort. Sie übernachteten hier, legten eine Pause ein und wechselten die Pferde, bevor sie ihre Handelswaren, Erz und Salz aus Salzburg über die Radstädter Tauern bis nach Italien transportierten. Ein spezielles Produkt ist echter Speik (Valeriana celtica). Diese 12-15 cm hohe Pflanze gehört zur Familie der Baldriangewächse und verbreitet intensiven Baldriangeruch. Die Wurzeln, die den Duft verströmen, hat man massenhaft ausgegraben und exportiert. Sie werden für duftende Seifen und Badezusatz verarbeitet und früher bis in den Orient geliefert. Auf dem Rückweg nahmen die Säumer Gewürze sowie Obst, Gemüse und Getreide aus Italien mit in den Norden. Die mitgeführten Waren mussten das Nadelöhr der Burg Mauterndorf passieren, wo man den Säumern dafür eine entsprechende Mautgebühr abknüpfte. Mauterndorf kam zu Wohlstand, was an den breiten Bürgerhäusern mit ihren Treppengiebeln entlang der Hauptstraße zu sehen ist.

Meine Tipps für Ihre Reise in das Salzburger Lungau:

Zirbenpension Lüftenegger in Mauterndorf.
Foto © Andreas Riedmiller Zirbenpension Lüftenegger in Mauterndorf.

Übernachtungstipps:

Die Zirbenpension Lüftenegger in Mauterndorf ist Partner des Lungauer Biosphärenparks. Zum Frühstücksbuffet gehören frische und regionale Produkte der Region. Der charakteristische Duft des Zirbenholzes in den Komfortzimmern sorgt für ein angenehmes Wohnklima. Die Zirbelkiefer (Pinus cembra) verfügt über besondere Eigenschaften: Ätherische Öle beeinflussen die Wetterfühligkeit, Kreislauf und das Wohlbefinden. Die Zirbenzimmer sind frei von Elektrosmog, Milben und allergieauslösenden Materialien.

Wir nächtigten im Wander- und Skihotel Steffen-Wallner in Mauterndorf und können das Hotel sehr empfehlen. Familie Steffner-Wallner, Markt 90, 5570 A-Mauterndorf/Lungau. Wer mehr über den Biosphärenpark und das Lungauer Brauchtum erfahren möchte ist hier genau richtig.

Pfarr- und Wallfahrtsmuseum in Mariapfarr:

Wussten Sie, dass der beliebte Liedtext von »Stille Nacht, Heilige Nacht!«, zuerst als Gedicht geschrieben wurde? Pfarrer Joseph Mohr hat es im Jahre 1816 in Mariapfarr im Salzburger Lungau verfasst. Zu Joseph Mohr gibt es im Pfarr- und Wallfahrtsmuseum eine ausführliche Dokumentation, eine sehenswerte Ausstellung sowie eine historische Weihnachtskrippe.

Das Lied »Stille Nacht, Heilige Nacht!«, wurde erstmals 1818 in Oberndorf bei Salzburg uraufgeführt. Kommendes Jahr wird  das 200-jährige Jubiläum gefeiert. Dieses Lied ist völkerverbindend und wird in mehr als 300 Sprachen und Dialekten bis heute gesungen. Im Mai 2017 erhielt das Lied »Stille Nacht, Heilige Nacht!« die UNESCO Anerkennung als nationales immaterielles Weltkulturerbe.

Mühlenweg in Zederhaus:

Am Dorfergraben in Zederhaus klappern die Mühlen wieder. Vier der einst neun Mühlen im Graben sind renoviert. Der Mühlenweg verrät auf dem ca. 1,5-stündigen Rundwanderweg an fünf Stationen Interessantes über die Zederhauser Mühlen. Die Ausstellung »Mühlen-Leben« gibt Einblicke in die alte Zeit, als die Bauern von Zederhaus autark gelebt haben. Zwei Landwirte nutzen ihre Mühlen heute zum Schroten und Mahlen von Getreide.

Wintersportregion Lungau: 

Im Lungau sind 15 Gemeinden, die alle über 1000 Meter hoch liegen. In Tamsweg oder St. Michael vermeldet der Wetterbericht regelmäßig österreichische Kälterekorde. Das freut Gäste und Touristiker gleichermaßen. Das Lungau gilt unter Wintersportlern längst als Geheimtipp und ist prädestiniert für jede Art von Wintersport.

Eine Gondelfahrt mit der Speiereck-Grosseckbahn von St. Michael aus bringt den Besucher in das schneesichere, weitläufige Skigebiet. Bis ins Tal führt eine der längsten Skipisten Österreichs.

Ein Winterwanderweg von der Mittelstation der Speiereck-Grosseckbahn führt zur Sonnenkopfbahn. Der Panoramablick reicht ins Murtal, dahinter spannt sich ein Meer verschneiter Alpengipfel. Heute tragen sie alle Wolkenhauben, da ein Föhnsturm über die Gipfel fegt. In der gemütlichen Stube wartet eine zünftige Brotzeit auf uns. Wir haben versäumt, rechtzeitig an den Rückweg zu denken. Inzwischen hat der Föhnsturm zugenommen, dass die Sonnenkopfbahn unter dieser Bedingung nicht mehr fährt. Wie kommen wir jetzt ins Tal?

Abenteuer Lungau:

Wir trösten uns mit einem Stamperl Kräuterschnaps, bis eine neue Ansage kommt. Der Bergbahnchef persönlich hat die Verantwortung für die Bahn übernommen und steuert die im Wind tanzenden Gondeln einzeln und sicher zu Tal. Karl, Skilehrer und unser Guide, hat uns während der speziellen Gondelfahrt mit flotten Sprüchen bei Laune gehalten.

Brauchtum im Jahreslauf:

Der Samsonlauf findet im Sommer statt. Mit hohen, bunt bemalten Pappfiguren wird der Riese Samson in Umzügen durch Dörfer getragen. Am 11. November ziehen Kinder als Kasmandel umher. Die Kasmandl sind Zwerge, die im Sommer auf die Kühe aufpassen. Aus Aberglauben entstand daraus der Brauch des Kasmandlgehens. Pferdefreunde treffen sich am Bartholomäus Kirchtag zum Rösslmarkt in Mauterndorf. Es gibt Osterfeuer sowie das Preberschießen.

Regionalprodukte – Von der Hand in den Mund:

In Restaurants und Berghütten sollten Sie nach regionalen Produkten fragen. Die Spezialitäten heißen Hasenöhrl mit Sauerkraut, Brennmuas, Lungauer Speck, Hirschcarpatio, Schöpsernes vom Schaf und es gibt „mächtigen“ Kaiserschmarren.  „Lungauer Eachtling“ sind erlesene Kartoffeln die es nur hier gibt, dazu schmeckt ein Glas Tauernroggenbier. Selbtsgebackenes Brot aus Tauernroggen und frische Teigwaren sind zu empfehlen. Für Naschkatzen gibt es zum Dessert Erdäpfel-Basilikum-Schokolade. Die vielfach ausgezeichneten Edelbrände aus handverlesenen Früchten, Beeren und Wurzeln waren ein Genuss.

Brettljause mit Hirschcarpatio

Lungauer Spezialitäten mit Carpatio vom Hirsch (r.).
Foto © Andreas riedmiller Brettljause mit Lungauer Spezialitäten und Carpatio vom Hirsch (r.).

Fazit: 

Brauchtumsrituale haben sich beim Advent im Salzburger Lungau echt und authentisch erhalten. Im Salzburger Lungau kann man sich mit Leib und Seele auf das Weihnachtsfest einstimmen, sich »erden« und neu ausrichten. Wer dem Trubel der Vorweihnachtszeit entfliehen will, findet charmante Adventsmärkte mit echtem und bodenständigem Brauchtum. Wir besuchen Wallfahrtskirchen, besichtigen Schloss Mauterndorf und erfahren, wie im Lungau geräuchert wird.  Beim Krampuslauf in Mauterndorf bekommen wir eine Gänsehaut.



Danke für die Einladung an Ferienregion Salzburger Lungau

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