Lavendel

Provence: Lavendel die Seele der Provence

Im Arzneimittelschrank reicht es nach Lavendel, ich entdecke ein längst vergessenes Fläschchen mit echtem Lavendelöl »Huile essentielle de Lavande Aspic«, das ich von meiner letzten Reise in die Provence mit nach Hause brachte. Nach dem Öffnen entweicht der Flaschengeist und füllt den Raum mit feinem Duft. Im Kopf gespeicherte Bilder von Lavendel tauchen auf. Ich schwelge in Erinnerungen an meine Reisen die Provence.

Lavendel- die Seele der Provence

Der Wind weht schwere Duftschwaden des Lavendels übers Land und ich folge dem Geruch. Mein Weg führt durch die Anbaugebiete der Vaucluse, Sault, Ferrasieres und Valensole. Im Juli und August ist die Kulturlandschaft der Provence lila gefärbt. Lavendel ist ein Symbol für das provenzalische Hinterland und bis heute das weltweite Markenzeichen der Provence. Inmitten schönster Lavendelfelder liegt das Zisterzienserkloster Abtei Sénanque, das im Jahre 1148 gegründet wurde. Bereits im Mittelalter nutzten Klöster die Heilkraft des Lavendel.

Arbeitsintensiver Anbau des Lavendel

Lavendel wächst vor allem auf trockenen, kargen Kalksteinböden. Sein Anbau ist arbeitsintensiv. Elf Monate wird die Pflanze gehegt und gepflegt, bevor sie innerhalb eines Monats geerntet wird. Früher wuchs in der Provence überall wilder Lavendel, jetzt ist er nur noch in Gebieten der Hochprovence über 1000 Metern Höhe zu finden. Aus ihm wurden alle anderen Kulturformen gezüchtet. Echter Lavendel (Lavendula angustifolia) wird vor allem in der Region um Sault in einer Höhenlage über 800 Metern angebaut. Erkennbar ist echter Lavendel an einem langen Stängel, der nur einen Blütenstand besitzt. Echter Lavendel liefert das wertvollste Lavendelöl mit großer Heilkraft. Speiklavendel oder großer Speik (Lavendula latifolia) ist wüchsig, mit kräftigem Duft und spezifischer antibakterieller Wirkung. Erkennbar ist er an einem dreifachen Stängel, einem großen und zwei kleinere daneben. Speiklavendel ist eine Hybridzüchtung, die in tieferen Lagen hauptsächlich um Valensole gedeiht. Daneben gibt es den Schopflavendel (Lavendula stoechas), den Wolllavendel (Lavendula lanata) mit silbrigen Blättern und den Lavandin (Lavendula intermedia). Lavandin ist eine Hybride aus echtem und Speiklavendel. Diese Lavendelart hat die größte Bedeutung im Handel und liefert feinen Duft.

In der Region um Valensole sah ich riesige Felder mit Speiklavendel. Diese Monokulturen sind anfällig für Schadinsekten.

Die Winden-Glasflügelzikade ist eine Gefahr für den Lavendel

Die Zikade frisst die krautigen Stängel der Lavendelpflanzen. Übrig bleiben Pflanzen mit kurzen Stängeln, kleinen Blüten oder komplett abgestorbene Pflanzenteile. Klimawandel, Hitze und Trockenheit fördern die Vermehrung des nur zwei Milimeter kleinen Insekts. Frankreichs Lavendelproduktion ist vor allem deshalb in den letzten Jahren um 50 Prozent gesunken. Bei ihren Mahlzeiten überträgt die Winden-Glasflügelzikade (Hyalesthes obsoletus) zudem ein Bakterium mit dem Namen Stolbur-Phytoplasma, dass den Stängel des Lavendels aushöhlt. Der Erreger führt dazu, dass die Pflanzen kleinere Blüten bilden und vertrocknen. Die Pflanze verhungert somit von innen heraus. Diese Krankheit ist seit 45 Jahren bekannt. Bisher gibt es keine Möglichkeit, das Bakterium zu stoppen. Die Situation ist sehr dramatisch. Wenn es so weitergeht, dann wird sich die typische Kulturlandschaft der Provence verändern. Die Lavendelbauern hoffen, dass bald eine resistente Sorte gefunden wird.

Notre-Dame de Sénanque Kloster des Zisterzienserordens

 

Mitten im Lavendel steht das Zisterzienserkloster Abtei von Sènanque
Foto © Andreas Riedmiller Lavendel in der Provence – Zisterzienserkloster Abtei von Sènanque mit Lavendel
Echter Lavendel (Lavendel angustifolia) bei Sault
Foto © Andreas Riedmiller Echter Lavendel (Lavendel angustifolia) bei Sault

Fotoimpressionen aus der Provence – Lavendel

Sonne entwickelt Aromen im Lavendel

300 Sonnentage im Jahr sorgen dafür, dass die Pflanzen viele Aromen entwickeln. Von Frühling bis in den Hochsommer hinein steigen die Temperaturen in der Provence bis auf teilweise 41 Grad im Schatten. In dieser Hitze dehydriert die Lavendelstaude und verdunstet dabei Wasser. Dadurch entstehen im den innenliegenden Vakuolen die begehrten ätherischen Öle.

Wie wird Lavendelöl gewonnen?

Die geschnittenen Blütenstiele des Lavendels werden destilliert. Bei der Destillation, die ähnlich wie Schnapsbrennen funktioniert, wird durch Erhitzen, Verdampfen und anschließendes Abkühlen Lavendelöl gewonnen. Der heiße Wasserdampf löst dabei die ätherischen Öle von der Pflanze. Um einen Liter Lavendelessenz zu gewinnen, werden 150 Kilo Blüten destilliert. Für einen Liter echtes Lavendelöl bekommt der Produzent ca. 180 Euro. Das ist achtmal mehr, als bei Speiklavendel erzielt wird.

Lavendelöl- Unterschiede in Qualität und Wirkung

Echtes Lavendelöl aus Lavendula angustifolia duftet fein und ist Grundstoff für die Medizin- und Parfümindustrie. Es hat eine antiseptische und entspannende Wirkung, hilft gegen Hautflecken und bei Mückenstichen. Die Heilung bei Verbrennungen und Schürfwunden wird beschleunigt. Echtes Lavendelöl wirkt außerdem desinfizierend. Öle des wilden Lavendels aus der Hochprovence sind von höchster Qualität. Sie werden in der Parfümindustrie geschätzt. Öl aus Speiklavendel findet als Aromastoff für die Waschmittelindustrie Anwendung.

Markenzeichen sichert die Qualität von Lavendel

Wer beim Kauf von Lavendelöl sicher gehen will, achtet auf das AOC-Label. Nur Bauern, die die Anbau- und Qualitätskriterien erfüllen, dürfen dieses Siegel (Appelation d’origine controlée) verwenden. Es wird nur für Lavendel verwendet, welcher auf einer Mindesthöhe von 800 Metern angebaut wird. Die Ölproben werden analysiert und der Geruch bewertet. Erst dann wird das Qualitätszertifikat „Huile essentielle de Haute Provence AOC“ (AOC Lavendel aus der Haute Provence) vergeben. Lavendelöl AOC aus biologischem Anbau steht für beste Qualität des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia). Für andere Lavendelsorten gibt es bisher keine Gütesiegel.

Saint-Bénezet – Pont d’Avignon

Die Brücke Saint-Bénezet

Ein lohnendes Ausflugsziel ist die Papststadt Avignon mit der Brücke Saint-Bénezet, auch Pont d’Avignon genannt. Sie wurde zwischen 1177 und 1185 über der Rhône erbaut. Ursprünglich wurde die Brücke Saint-Bénezet mit 22 Bögen konstruiert, davon sind noch vier Bögen übrig geblieben. Grund für die Zerstörung waren Hochwasser und Folgeschäden der Kriege. Die Brücke liegt in der Nähe zum Papstpalast von Avignon. Gemeinsam mit der Kathedrale bildet sie das historische Zentrum von Avignon, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Reisetipps:

Meine Fahrt durch die Vaucluse war eine Entdeckungsreise in die Provence.

Sault: Das kleine Städtchen Sault mit mittelalterlichen Häusern und sehenswerten Renaissancefassaden steht auf einem hohen Fels inmitten des Lavendelanbaugebietes. Jedes Jahr am 14. und 15. August findet ein großes Lavendelfest statt.

Die Spezialität von Sault ist weißer Nougat und schwarzer Dinkelpfannkuchen. In den kleinen Läden gibt es Seifen und Kosmetikprodukte aus Lavendel und diverse Blütenwässerchen.

Roussillon: Dieser Ort war das Zentrum für die Pigmentproduktion von Ockerfarben. Es gibt einen Rundweg durch die alten Ockersteinbrüche rund um Roussillon, sowie eine stillgelege Ockermühle zu besichtigen.

Apt: Die Kathedrale Sainte-Anne ist sehenswert. Jeden Samstag findet in der Stadt ein typischer Markt der Provence statt. Ich probiere kandierte Früchte und genieße das bunte Marktgeschehen.

Coustellet: Nicht weit vom Bergdorf Gordes liegt Coustellet. Hier gibt es ein Lavendelmuseum mit einer alten Destille und allen Informationen über Lavendelanbau in der Provence.

Valensole: Rund um die Valensole – Hochebene zwischen der Durance und dem Verdon werden große Felder mit Lavandin angebaut. Die Region ist für Lavendelhonig bekannt!

Digne-les-Bains ist der Präfektursitz des Departemepes-de Haute-Provence. Die Stadt veranstaltet im August ein Lavendelwochenende mit prächtigem „Corso“. Seit der Antike gibt es in dieser Stadt ein begehrtes Thermalbad. Ein ausgefallenes Angebot sind tibetanische Massagen kombiniert mit Lavendelöl.

Fontaine-de-Vaucluse: „Vallis Clausa“: lateinisch für „geschlossenes Tal “. Die Quelle mit dem smaragdgrünen Wasser zählt zu den größten Karstquellen der Welt. Wie tief die Schachthöhle ist, aus der das Wasser strömt, weiß niemand genau  Die Quelle befindet sich am Fuße einer steilen 230 m hohen Felswand.

Die Provence erleben: Tourentipps des Lavendelmuseums

Weitere Informationen


Mosaik in eine Haus in Lacoste - Provence

 

  1. Lieber Andreas,
    wunderschöne Fotos und ein toller Bericht. Da würde ich am liebsten gleich eine Reise zur Blütezeit buchen!
    Lavendelöl steht bei uns übrigens immer auf dem Nachttisch. Ein paar Tropfen auf dem Kissen helfen bei Schlafstörungen.
    Liebe Grüsse,
    Ellen

    • Liebe Ellen,

      danke für Deinen Kommentar.Für mich war es eine Überraschung welch intensiven Duft das vergessene Lavendelöl noch verströmt. Die Erinnerung an eine schöne Rundfahrt durch die Provence war gleich wieder im Kopf präsent.
      Ich möchte nicht verschweigen, dass ich mich anstrengen musste, um die Lavendelfelder ohne Lücken im Bild zu zeigen. In der Wirklichkeit sind viele Lavendelstauden dazwischen eingegangen. In manchen Feldern sind bis zu 30 Prozent der Lavendelpflanzen abgestorben. Das Problem ist die Winden-Glasflügelzikade, die ein Bakterium mitschleppt. Die Lavendelbauern der Provence sind frustriert, weil es bisher kein Gegenmittel gibt.

      Viele Grüße Andreas

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