Kärnten -Lesachtal

Kärnten: Lesachtal das versteckte Paradies

Das Lesachtal verbindet Kärnten und Tirol. Hier gibt es keine Seilbahntrassen die eine Landschaft verschandeln, auch kaum einmal Verkehrsstau, der Lärm und Abgase produziert. Fern von jedem Massentourismus, erleben Sie Ruhe und stressfreie Ferien in ursprünglicher Natur.

Fotospaziergang durch das Lesachtal

Die intakte Landschaft im Lesachtal ist wichtigste Ressource und bestes Verkaufsargument für den Tourismus. Einzig die Glocken der Basilika von Maria Luggau läuten, wenn die großen Wallfahrten einmarschieren. Das Lesachtal ist gerade richtig um die kostbarsten Tage des Jahres, als moderner “Sommerfrischler” geniessen zu können. Riechen Sie den Duft von frischgebackenem Brot, wandern Sie durch blühende Bergwiesen oder gleich etwas sportlicher bis ins Hochgebirge. Sie werden viele neue Eindrücke und Erinnerungen mit nach Hause nehmen…

St.Lorenzen im lesachtal
St. Lorenzens im Lesachtal

Die ersten “Sommerfrischler” kamen 1958

Als 1958 erstmals elektrisches Licht die Wohnstube des Peintnerhofes erleuchtete, änderte das nichts Wesentliches am Alltag der Familie Unterguggenberger. Die dreieinhalb Hektaren Land, sieben Hektaren Wald und zweieinhalb Hektaren Bergwiesen reichten aus für ein karges, hartes Leben als reine Selbstversorger. Tourismus war damals noch ein Fremdwort im Tal, das in Ost-West-Richtung Kärnten und Tirol verbindet. Die ersten “Sommerfrischler”, die im selben Jahr zu Gast weilten auf dem Peintnerhof, waren hochwillkommen, eröffneten sie doch eine neue Perspektive für die Familie.

Der Hof wird an die Kinder weitergereicht

Ein Jahr später wurde die Verbindungsstrasse eröffnet, und endlich musste nicht mehr ein einstündiger Fußmarsch in Kauf genommen werden, um nach Niedergail zu gelangen. Pauline und Franz Unterguggenberger haben den Hof 1968 übernommen und das riesige dreistöckige Gebäude mit Fremdenzimmern ausgestattet. Das alte Bauernhaus erzählt in jedem Winkel alte Geschichten. Es wurde erst Anfang der 50er Jahre  im typischen Südtiroler Baustil, wie er hier seit Jahrhunderten gepflegt wird, gebaut. 1992 wurde ein Neubau mit sechs komfortablen Ferienwohnungen fertiggestellt. Die Arbeit auf dem Hof erledigt Franz Unterguggenberger heute mit maschineller Hilfe fast alleine. Die sechs Kinder sind erwachsen, und er wird in drei Jahren den Betrieb an seine Tochter Andrea übergeben.

Ferien auf dem Bauernhof

Ob es den Peintnerhof in dieser Form ohne die Touristen heute noch gäbe, ist mehr als fraglich. Mit der Landwirtschaft alleine ist ein Auskommen völlig unmöglich – in Kombination mit dem Fremdenverkehr hingegen nicht mehr wegzudenken. Denn was wären “Ferien auf dem Bauernhof” ohne Kühe, Katzen und frische Lebensmittel? Dass dazu noch ein hübscher Spielplatz kommt, macht das Vergnügen perfekt. Im Sommer, wenn Hochbetrieb herrscht, ist das Haus von soviel Leben erfüllt wie seinerzeit, als hier ganze Generationen mitsamt Gesinde lebten. Viele Bauern im Tal sind dem Beispiel der Familie Unterguggenberger gefolgt, und stellen Betten für Gäste zur Verfügung – insgesamt rund 1200. “Unser Kapital ist die unberührte Natur,” sagt Franz Unterguggenberger, “daran wollen und dürfen wir nichts verändern.”

Das Lesachtal ist die umweltfreundlichste Gemeinde Europas

Viel hat sich – zumindest im Vergleich mit andern Regionen – nicht verändert seit den 50er Jahren.

Die „umweltfreundlichste Alpengemeinde Europas” trägt den Titel vollauf zu Recht. Das gilt auch für die touristischen Aktivitäten im Tal: Im Vordergrund steht das Wandern, wo es für jeden etwas gibt. Sanfte Bergwiesen wie auf der Samalm, knackigere Aufstiege auf die Berge der Karnischen Alpen an der italienischen Grenze und gar für Bergsteiger diverse Gipfel in den Lienzer Dolomiten. Erholen kann man sich von den Strapazen im kleinen, aber feinen Tuffbad oder im Erlebnisbad in Liesing. Sportliche schwingen sich aufs Fahrrad oder lassen sich im Boot die Gail herunter treiben. Kulturell Interessierte kommen vor allem in Maria Luggau auf ihre Rechnung, das als Pilgerort weitherum bekannt ist. Doch wer sich einmal auf das Lesachtal eingelassen hat, ist schon bald bereit, loszulassen und sich zu befreien vom Ferienaktivismus, wie er an vielen andern Orten herrscht. Das heisst sich freuen an einem Stück intakter, unverschandelter Natur oder einfach zuschauen, wie sich die Kinder mit den beiden süssen Hofkatzen amüsieren.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Noch in den 70er Jahren geisterten im Lesachtal Pläne in den Köpfen Einheimischer herum, Liftanlagen zu bauen, um vor allem den Wintertourismus anzukurbeln. Die Projekte scheiterten am mangelnden Geld und Gewinnperspektiven. Entsprechend gibt es im Lesachtal nicht nur keine einzige Seilbahn, sondern auch nicht eine große Hotelanlage. Das schwer zu erreichende Tal hat einfach kein Hinterland für den Massentourismus. Was damals noch da und dort Bedauern auslöste, erwies sich seit den 80er Jahren mehr und mehr als Segen. „Sanfter Tourismus” wurde in für die Bauern, die meist nur wenige Hektaren Land bewirtschaften zur willkommenen Ergänzung des Einkommens. Bei manchen sogar gar zur wichtigsten Einkommensquelle. Ende der 80er Jahre stellten die Lesachtaler die Weichen schließlich ganz bewusst auf sanften Tourismus und erklärten ausdrücklich ihren Verzicht auf jegliche Großbauten. Seither ist selbst die maximale Geschosszahl bei Neubauten auf zwei beschränkt

Was einst als rückständig galt ist heute modern

Die meisten Landwirte haben auf Bio-Produktion umgestellt. Auf der Ferienmesse in Stuttgart bekamen die Lesachtaler 1991, den Titel “umweltfreundlichste Alpengemeinde Europas”. Die Naturfreunde kürten das Lesachtal 1995 zur “Landschaft des Jahres”  in Europa. Das kann eine neue Tourismuszukunft, für viele andere Gemeinden in den Alpen sein.

Gastartikel von Urs Fitze

Bergbauernhof im Lesachtal
Bergbauernhof im Lesachtal

Gastautor: Urs Fitze – Alpenmagazin.ch
PDF-Info: was ist nachhaltiger Tourismus

Tipps:

  • Anreise:
    Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Lesachtal nur schwer zu erreichen. Am besten mit dem Nachtzug nach Villach und dann mit der Bahn bis Koetschach-Mauthen. Von dort fahren täglich vier Busse ins Tal. Mit dem Auto Anreise über Brenner und das Tiroler Gailtal. Ab Zürich ist das Lesachtal in fünf Stunden zu erreichen.
  • Unterkunft:
    Am schönsten wohnt es sich auf einem der vielen Bauernhöfe im Lesachtal. Die Bauern lassen sich dabei gerne bei der Arbeit über die Schulter schauen.
  • Wandertip:
    Die Wolayerseehütte zählt zu den schönsten der Gegend, und ist von verschiedenen Punkten aus bequem in zwei bis drei Stunden Aufstieg erreichbar. Besonders schön ist der Weg durchs Wolayertal. Am Stacheldraht sieht man, dass hier an der österreichisch-italienischen Grenze die Frontlinie des ersten Weltkrieges verlief. Ein Museum in Kötschach-Mauthen vermittelt eindrücklich den Wahnsinn dieser Zeit. Umso schöner, dass grenzüberschreitend aus dem ehemaligen Kriegssteig an der Frontlinie ein Friedenssteig, der karnische Höhenweg, geworden ist.
  • Fliegenfischen:
    An der Gail gibt es hochalpines Fliegenfischen. Angeboten werden Fliegenfischerlehrgänge und Fischer Erlebnistage an der Gail. Zu fangen gibt es: Bachforelle, Regenbogenforelle, Bachsaibling, Äsche, u.a.

    Info: Verkehrsamt Lesachtal in Liesing


Mit Unterstützung von Kärntenwerbung und Reisemagazin Merian

2 Kommentare zu “Kärnten: Lesachtal das versteckte Paradies

  1. Das Lesachtal steht bereits ganz hoch auf unserer Reise-Wunschliste für Kärnten. Dieser Artikel mit den fantastischen Fotos rückt das Ziel noch ein wenig höher auf der Liste!

    • Das Lesachtal liegt weit abseits und ist ein Eldorado für Wanderer. Hier bleibt die Kirche noch im Dorf. Oft kommen betende Wallfahrer vorbei auf ihrem Weg zur Basilika in Maria Luggau. Steile Grashänge dominieren im Tal. Im Hintergrund bäumen sich steile Felsspitzen auf, über den Grat verläuft der Karnische Höhenweg. Die Landschaft sieht noch sehr ursprünglich aus und Tourismus hält sich in Grenzen. Man kann nur hoffen, dass es noch lange so bleibt.

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