Stillgelegter Bahnhof von Stolberg

Harz: Stolberg im Südharz

Mit dem Linienbus fahren wir von Wernigerode nach Stolberg in den Südharz. Es geht über sanfte Hügel, durch hellgrüne, lichtdurchflutende Buchenwälder. Zwischendurch fällt der Blick auf hübsche, farbig bemalte Häuser mit großen Gärten und blühenden Obstbäumen.

Ähnliche Landschaften sah ich in der Toskana oder in Südirland. Dr. Friedhart Knolle, der sich im Osten auskennt sagt: „Früher waren die Häuser grau in grau. Die Menschen wollten nicht auffallen. Nur innen waren die Räume schön ausgestattet. Heute ist das anders. Privathäuser sind renoviert und Dörfer saniert.“ Bald erreichen wir den Luftkurort Stolberg, der im Tal zwischen den Flüssen Lude und Wilde liegt. Die beiden Flüsse treffen sich in der Ortsmitte, von da ab heißt der gemeinsame Fluss Thyra. Wir sind mitten in der Biosphärenregion Karstlandschaft Südharz angekommen.

Empfang in Stolberg:

Bürgermeister Ulrich Franke begrüßt uns Presseleute herzlich. Wir steigen mit ihm über die riesige, steinerne Außentreppe ins Trauzimmer des Rathauses hoch, das sich in der obersten Etage befindet. Der große repräsentative Raum hat dunkle Holzbohlen, unsere Schritte knarzen auf dem Holzboden und es riecht nach Bohnerwachs. Antike Möbel und schwere Kronleuchter unterstreichen das historische Flair. Wir nehmen Platz an dem großen, runden Tisch und hören dem Bürgermeister aufmerksam zu. Am Boden sehe ich ein gelbes Ortschild, welches noch an die vergangene Zeit erinnert, als Stolberg noch alle Stadtrechte besaß und selbstständig war.

Sehenswertes Stolberg

Bürgermeister Ulrich Franke erzählt von den vielen Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Von der Bedeutung des Tourismus und vom traditionsreichen Ort Stolberg. Wir erfahren, dass manche Fachwerkhäuser sogar noch älter sind als Gebäude der bekannten Städte Wernigerode oder Quedlinburg.

Eines der ältesten Fachwerkhäuser ist die alte Münze. Es stammt aus dem Jahre 1535. Heute ist ein Museum darin, welches die Tradition der Münzprägung in Stolberg erklärt. Dieses Museum mit intakter Werkstatt ist in Europa einmalig. Durch Zufall blieb dieses technische Denkmal über die Jahrhunderte erhalten. Jetzt verstehe ich noch besser, warum Bürgermeister Franke uns voller Stolz mit seiner silbernen Amtskette begrüßte. Jedes Jahr wird im Münzmuseum eine neue kunstvolle Medaille für seine Amtskette hergestellt. Bürgermeister Franke ist begeistert von seinem Ort und das, was er den Gästen bieten kann.

Hoch über Stolberg thront das Schloss Stolberg. Von 1201 bis 1945 residierten die Grafen Stolberg-Stolberg. Im Jahre 2002 kaufte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Schloss Stolberg zurück, um es vor dem Verfall zu bewahren. Etwa 25 Millionen Euro kostete die Sanierung bisher. Auf dem nahegelegenen Auerberg steht das 38 Meter hohe und von Schinkel geplante Josefskreuz. Von oben hat der Gast einen Rundblick über das Harzvorland bis zum Brocken. Richtung Süden sieht der Besucher über die Kornfelder der „Goldene Aue“ bis hin zum Kyffhäusergebirge. Nahe bei Stolberg befindet sich das Wellness Hotel “Naturressort Schindelbruch”. Es ist das erste klimaneutrale Hotel Mitteldeutschlands. Mit großem Engagement und hohem technischen Know-how wurden alle Bereiche auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz optimiert. Seit 2009 ist der ganze Hotelbetrieb klimaneutral. Dafür wurde das Hotel mit Umweltpreisen ausgezeichnet.

Unbekanntes Deutschland

In Europa einmalig ist die geologisch besondere wertvolle Gipskarstlandschaft im Biosphärenreservat Südharz. Es gibt Dolinen, Karstquellen und verlandete Seen. Zwischen Buchenwäldern finden sich Waldinseln und Trockenrasen. Hier wachsen noch seltene Wildorchideen und Adonisröschen. In feuchten Regionen lebt der Feuersalamander. Streuobstwiesen mit kleinen Siedlungen prägen diese herrliche Kulturlandschaft. Die Landschaftsformen sind vielfältig und der Artenreichtum groß. Eine Besonderheit: Die Heimkehle. Es ist eine riesige Höhle, mit kuppelförmigen Räumen im Erdinnern. Im Inneren der Höhle kann man unterirdische Seen mit kristallklarem Wasser besichtigen.

Von der Bahn abgehängt

Stolberg liegt in schönster Landschaft und besitzt wunderbare Fachwerkhäuser. Der Nachteil: Stolberg ist schwer erreichbar. Die Bahn hat am ersten Dezember 2011 ihren Betrieb nach Stolberg für immer eingestellt. Das schmerzt Bürgermeister Ulrich Franke. Der Zug fährt jetzt nur noch bis Berga-Kelbra. Von dort müssen die Gäste auf den Bus umsteigen. Das wäre ja noch nicht so schlimm. Aber mit dem Verlust der Bahnverbindung ist ein wirtschaftlicher Abschwung und ein Imageschaden verbunden.

Heute gilt Bahnfahren wieder als modern. Es gehört zur umweltfreundlichen Infrastruktur. Immer mehr Menschen nutzen die Bahn, um in ihre Urlaubsregion zu kommen. Auch sog. Ausflugsbahnen in Touristengebiete haben eine hohe Anziehungskraft für Gäste und Ausflügler. Die Stolberger sagen zu Recht: Das Eisenbahngleis und der Bahnhof sind doch noch da!  Sie können doch renoviert werden! Hoffentlich besinnen sich die Verantwortlichen der Bahn und erarbeiten ein neues Konzept für Stolberg!

Stadtrecht verloren und zwangseingemeindet

Am ersten September 2010 wurde Stolberg per Gesetz in die Region Südharz eingemeindet. Mehr als 700 Jahre hat Stolberg das Stadtrecht besessen. Für Bürgermeister Franke ist es nicht nachvollziehbar, weshalb die Stadtrechte aberkannt wurden. Es sorgt für Verärgerung bei Einheimischen und bei den Gastronomen. Es ist ein weiterer schwerer Imageschaden. Stadtführer Reinhold Siebold, der den Gästen die Fachwerkidylle Stolbergs zeigt, meint: „Wie soll ich ein mittelalterliches Stadtbild erklären, wenn es plötzlich keine Stadt mehr gibt?“.

Sehenswerte Gipskarsthöhle Heimkehle



Seit 1891 Kekse der Friwi Werke

Die Friwi Werke gibt es seit 1891. Nach den Wirren des Krieges und der nachfolgenden DDR-Zeit kam das Werk in private Hände. 1992 konnte das Werk  vom früheren Eigentümer Ludwig Witte zurückgekauft werden. Seitdem nimmt das Werk mit den feinen Backwaren einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Duft der Keksproduktion reicht bis hinaus auf die Niedergasse. Hergestellt werden über 60 verschiedene Produkte:  Stollen, Spekulatius, Rum-Plätzchen, feine Pralinen, Harzer Perle, Butter-Kekse und Schokoladenprodukte. Alles wird mit allerbesten Zutaten von Hand hergestellt. Angegliedert ist ein kleines Cafe und ein Laden.

Keinesfalls sollten Sie bei einem Besuch in Stolberg versäumen hier einzukehren. Übrigens der Zwieback, den ich schon als kleines Kind bekam, wird immer noch nach dem gleichen Rezept wie früher hergestellt.   Besonders interessant sind die im DDR-Retrostyle gehaltenen Keksdosen. Heute werden Friwi Produkte über das Internet aus allen Teilen der Welt bestellt.   Kontaktadresse: Friwi-Werk Frisch- u. Dauerbackwaren Verkaufsstelle und Café: Niedergasse 21 06547 Stolberg/Harz Tel. (034654) 502 Fax (034654) 103 95 Internet: www.friwi.de

Am ersten Juli 2014 endet die Amtszeit von Bürgermeister Ulrich Franke, dann übergibt er seinem Nachfolger die Amtskette.

2011 besuchten Investoren aus China das Schloss Stolberg. Sie waren beeindruckt von der Geschichte und Kultur im romantischen Fachwerkstädtchen. Die Idee: Man könnte hier ein Elite-Musikinternat für chinesische Kinder und Ausnahme-Talente eröffnen. Bürgermeister Ulrich Franke war erfreut über das Interesse der Investorengruppe. Doch dann kam die Zwangseingemeindung mit dem Nachbarort. Von da an war Bürgermeister Ulrich Frank von allen Informationen abgeschnitten und die Kontakte nach China sind im Sande verlaufen (PDF Quelle Bild:  Chinesische Investoren besuchen Stolberg.)


Mit Fahrtziel Natur in den Harz

 

Luchsspur
Der Luchs wandert wieder durch den Harz

 


MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON FAHRTZIEL NATUR. die Kooperation von DB und den drei großen Umweltverbänden – dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD)

0 Kommentare zu “Harz: Stolberg im Südharz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.