Altes Handwerk - Blaudruck

Burgenland: Blaudruck – Immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Der Blaudruck ist eine jahrhundertealte Technik der Stoffveredelung. Zwölf Betriebe in Deutschland und 15 in weiteren europäischen Ländern üben diese Kulturform aus. Die Bedeutung des Blaudrucks hat die UNESCO mit der Aufnahme in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit unterstrichen. Dass die grenzübergreifende Zusammenarbeit die Blaudrucker seit jeher prägt, war bereits in der Nominierung deutlich – eingereicht wurde sie gemeinsam von Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarn. Der Zwischenstaatliche UNESCO-Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe tagt noch bis zum 1. Dezember in Port Louis, Mauritius.

Blaudruck – Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO

Blaudruck Immaterielles Weltkulturerbe (l.) Hungarian Open Air Museum (r.)© Gergő Gönczöl
Foto © Blaudruck Immaterielles Weltkulturerbe (l.) Hungarian Open Air Museum (r.)© Gergő Gönczöl Blaudruck Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO (l.) Hungarian Open Air Museum (r.)© Gergő Gönczöl

Blaudruck ist Immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, erläutert: „Im Handwerk zeigt sich seit jeher: der internationale Austausch trägt zur Weiterentwicklung von Wissen und Können bei. Die Blaudrucker beherzigen das auch in ihrer täglichen Praxis. Ich freue mich sehr, dass mit der heutigen Eintragung des Blaudrucks in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Kulturträger gestärkt wird. Einmal mehr wird deutlich, wie eng wir in Europa kulturell miteinander verbunden sind.“

Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, erklärt: „Der Blaudruck spielt für die Herstellung von Trachten noch heute eine wichtige Rolle. Aber auch junge Designerinnen und Designer haben die Technik für sich entdeckt. Mit der Eintragung des Blaudrucks in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit verbinde ich die Hoffnung, dass diese traditionelle Technik erhalten bleibt und in der Verbindung mit neuen Techniken kreativ genutzt wird.“

„Ein blaues Wunder“

Blaudruck ist ein Reservedruckverfahren, das etwa auf Leinen, Baumwolle oder Seide angewandt wird. Gedruckt wird mit der Druckreservage, dem „Papp“. Jede Blaudruck-Werkstatt hat eine eigene Rezeptur für die Herstellung des Reservemittels. Diese wird meist als Betriebsgeheimnis gehütet und nur innerhalb der Werkstätten weitergegeben. Der Aufdruck der farbabweisenden Masse bewirkt, dass die Farbe an diesen Stellen im Färbebad nicht angenommen wird und nach ihrer Entfernung ein weißes Muster auf dem Stoff entsteht. Die Reservage wird mit Druckstöcken, sogenannten „Modeln“, aufgedruckt, um das gewählte Motiv zu erzeugen.

Jahrhundertealte Technik

Das Blaudruckverfahren wurde zusammen mit der Indigo-Färberpflanze durch Reisende der Niederländischen Ostindien-Kompanie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Europa eingeführt. Im 18. und 19. Jahrhundert war die Technik des Blaufärbens in Mitteleuropa stark verbreitet. Der ergiebige Farbstoff Indigo ersetzte die bis dahin zum Färben verwendete Waidpflanze. Mit dem Aufkommen der industriellen Massenproduktion verlor der Blaudruck an Attraktivität, viele Druckereien mussten schließen.

Blaudruck – Besuch bei Blaudrucker Josef Koò im Burgenland

Blaudruck, ein magischer Vorgang. Färbermeister Josef Koò aus Steinberg im Burgenland ist einer der letzten Blaudrucker in Europa, der dieses Handwerk beherrscht. Grundlage für die Farbe ist eine Mischung aus Wasser, Indigo und Kalk, die regelmäßig aufgefrischt wird. Diese Farbküpe ist Basis seiner Arbeit als Färber und kann ein Leben lang genutzt werden. Die genaue Zusammensetzung der Farbflüssigkeit ist Betriebsgeheimnis von Josef Koò.

Blaudruck im Burgenland ist Immaterielles Weltkultuerbe der UNESCO
Foto © Andreas Riedmiller Die Flüssigkeit reagiert auf Luftsauerstoff und verwandelt sich in verschiedene Farbschattierungen von gelb zu lindgrün, türkis, smaragd, dunkelgrün, tannengrün, giftgrün, amethystblau. Die fertige Mischung für den Blaudruck nennt man Farbküpe.
Die Blaudruckerei Koo in Steinberg pflegt alte Handwerkskunst
Foto © Andreas Riedmiller Der Blaudruck beiJosef Koò in Steinberg pflegt alte Handwerkskunst.
Blaudruck Handwerk
Blaudruck Handwerk
Mit einer Stange wird Indigo mit anderen Zutaten in der Küpe vermischt.
Foto © Andreas Riedmiller Mit einer Stange wird Indigo mit anderen Zutaten in der Küpe für den Blaudruck vermischt.
Der Leinenstoff wird auf eine Spindel aufgezogen und hernach in die Küpe mit Indigo gesenkt.
Foto © Andreas Riedmiller Der Leinenstoff wird auf einen Sternreifen aufgezogen und hernach in die Küpe mit Indigo gesenkt.
 Die Pflanzenfarbe Indigo wird in die Küpe geschüttet.
Foto © Andreas Riedmiller Die Pflanzenfarbe Indigo wird in die Küpe geschüttet.
Blaudrucker im Burgenland
Foto © Andreas RiedmillerMehrere Tauchgänge sind nötig um den richtigen Farbton des Blaudruck zu erhalten.
Auf dem Sternreifen wird Soff aufgezogen und dann in die Küpe gesenkt.
Foto © Andreas Riedmiller Auf dem Sternreifen wird Stoff aufgezogen und  in die Küpe gesenkt.
Indigo kommt grün aus der Küpe und reagiert mit Luftsauerstoff. Hernach entwickelt sich erst der Blauton.
Foto © Andreas Riedmiller Indigo kommt grün aus der Küpe und reagiert mit Luftsauerstoff. Hernach entwickelt sich erst der Blauton individuell für jeden Blaudruck..
Nach dem Eintauchen
Foto © Andreas Riedmiller Blaudruck Nach dem Eintauchen
Blaudruck Burgenland ist Immaterielles Weltkulturerbe
Foto © Andreas Riedmiller Mehrere Färbedurchgänge sind für den Blaudruck nötig um tiefes, reines Blau zu erhalten.
Der Leinenstoff wird zum Färben auf eine Spindel aufgezogen.
Foto © Andreas Riedmiller Der Leinenstoff für den Blaudruck wird nach dem Färben auf dem Sternreifen zum Trocknen aufgestellt.
Trocknen des Leinenstoffs in der Spindel.
Foto © Andreas Riedmiller Trocknen des Leinenstoffs in der Spindel.
Die Familie Koo
Foto © Andreas Riedmiller Familie Koò macht Blaudruck

Blaudruck – Joseph Koò bewahrt die Tradition des Original-Blaudruckes

Mit einer 4 Meter langen Stange wird die angenehm erdig riechende Flüssigkeit in der Küpe umgerührt, in die hernach der stoffbespannte Sternreifen eingetaucht wird. „Bin ich bei einem mittelalterlichen Alchemisten gelandet?“ Die Flüssigkeit reagiert auf den Luftsauerstoff und verwandelt sich in verschiedene Farbschattierungen von gelb zu lindgrün, türkis, smaragd, dunkelgrün, tannengrün, giftgrün, amethystblau. Welch geheimnisvolle Vorgänge sich beim Blaudruck abspielen erkläre ich Ihnen gleich.

Verwendet werden in der Blaudruck – Färberei Leinen- und Baumwollstoffe sowie Seide. Nach dem Herausziehen des Sternreifens färbt sich der Stoff schnell in Grün- und helle Blautöne. Dieser Vorgang wird  mehrmals wiederholt.

Bald hat der Leinenstoff den richtigen, dunklen und edlen Blauton angenommen. Joseph Koò wäscht nach dem letzten Tauchgang den Papp, der das Muster auf dem Stoff freihält, aus den bestellten Tischdecken heraus und legt sie auf einen Stuhl.

In Schränken lagern Holzmodel für traditionelle Muster des Blaudruck

In Schränken lagern bis zu 200 Jahre alte Holzmodel mit eingeschnitzten Ornamenten oder mit Messingstiften darauf, die das filigrane Muster für den Blaudruck bilden. Das Aufsetzten der mit Papp bestrichenen Holzmodel auf dem Leinenstoff ist Präzisionsarbeit. Es verlangt von ihm Konzentration und verwacklungsfreies Aufsetzen, damit nach dem Färbevorgang das exakte Stoffmuster entstehen kann.


Von Hand wird das Muster mit Papp auf den Stoff aufgebracht. diese stellen beloben hernach hell.
Foto © Andreas Riedmiller Handwerk: Von Hand wird das Muster mit Papp präzise auf den Stoff aufgebracht.

Blaudruck – Blaues Wunder:

So ein magisches, tiefes und intensives Blau sah ich nie. Dieses geheimnisvolle Blau ist einmalig. Die Farbe des Blaudruck sieht zeitlos, edel und wertvoll aus. Man kann daraus moderne Designprodukte entwickeln. Blau ist die Lieblingsfarbe der meisten Deutschen. In der Farbpsychologie symbolisiert die Farbe „Blau“ Sympathie, Harmonie, Freundlichkeit, Treue, Vertrauen, Phantasie. Blau bedeutet auch Entspannung, Stille, Ruhe, Transparenz, Spiritualität aber auch Kälte.

Bei Josef Koò wird Blaudruck genau so produziert, wie es die Familientradition vorgegeben hat.  Früher war Kleidung im Blaudruck als Arbeitsschürze oder einfacher Rock sehr gefragt. Seine Eltern belieferten die Märkte im Umkreis von über 200 Kilometer. Josef Koò lässt sich nicht verführen, seinen Betrieb auf Hightech und Massenproduktion umzustellen, obwohl die Nachfrage nach seinen handgefertigten Produkten wieder steigt. Blaudruck war ein willkommener Nebenverdienst und ist es für ihn heute noch, erzählte er.

Im Hof sieht aus wie es immer schon war, nur ein Volvo Oldtimer steht jetzt zusätzlich da. Der Auslöser meiner Kamera hält dieses Motiv und die Zeit fest. Joseph Koò bewahrt die Tradition des Original-Blaudruckes für die Zukunft und produziert weiterhin zeitlos schöne Blaudrucke.

Leinenstoffe gefärbt mit Indigo und bemustert.
Foto © Andreas Riedmiller Bemusterte Leinenstoffe gefärbt mit Indigo.
Modische Designvorlagen
Foto © Andreas Riedmiller Modische Designvorlagen für den Blaudruck.
Frau Koo im Ladengeschäft.
Foto © Andreas Riedmiller Frau Koò arbeitet im Ladengeschäft.

 

Original burgenländischer Blaudruck ist erhältlich bei Blaudruckerei Koó

Expertenwissen:

Von der Farbe Blau des Blaudruck geht eine große Faszination aus. Viele Menschen kommen täglich mit Indigo in Berührung. Wussten Sie, dass Jeans mit Indigo gefärbt werden?

Indigo – König der Farbstoffe


Handwerk
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Die Blaudruck – Reportage aus dem Burgenland erschien zuerst im ADAC Reisemagazin Special „Burgenland“. Text von Kathrin Parmentier und mit Fotos von Andreas Riedmiller.


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