Alpenkräuterseminar mit Elisabeth Breidenbrücker Bizau im Bregenzerwald.

Vorarlberg: Biohotel Schwanen im Bregenzerwald

»Wir ehren das Alte und schätzen das Neue, wir bleiben uns und der Heimat treu«. Dieses Leitbild haben die Einheimischen verinnerlicht. Wer den Bregenzerwald bereist, kann sehen, dass die Region mit Feingefühl und Achtsamkeit gestaltet wurde und wird. Der Bregenzerwald liegt gleich hinter dem Bodensee. Bis zur Kanisfluh ist die Landschaft lieblich, nicht alpin und schroff wie das Hochgebirge. Sanfte Wald- und Wiesenhügel mit wuchtigen Bauernhöfen aus wettergegerbtem Holz prägen die Region. Im Bregenzerwald gibt es 22 Dörfer und 1100 Bauernfamilien leben hier. Traditionelle Bauweise wechselt ab mit moderner Holzarchitektur, dafür ist der Bregenzerwald berühmt.

Bregenzerwald Bizau
Bregenzerwald Bizau

Die Gastronomie bietet Genusserlebnisse vom Feinsten für Gäste die Qualität schätzen. Es gibt eine große Vielfalt: wandern »light« oder wandern alpin. Stille, bewaldete Flusstäler laden zum Verweilen und Baden ein. Nicht zu vergessen die Käseproduktion. Es soll mehr Kühe als Einwohner geben. Der köstliche Alp- und Bergkäse ist so begehrt, dass er in alle Welt exportiert wird.

Biohotel Schwanen

ich logierte im Biohotel Schwanen in Bizau. Die minimalistisch gestalteten Gästezimmer gefallen mir gut. Sie sind mit duftendem Holz der Weißtanne und des Bergahorns gestaltet. Panoramafenster geben den Blick frei auf Wiesen und Wälder sowie auf die mächtige Kanisfluh, die steil emporragt. Die wohltuende Ruhe und die Wohnatmosphäre im Haus sind angenehm.

Alleinstellungsmerkmal »Hildegard von Bingen«

Nach Lehr- und Wanderjahren ist Sohn Emanuel aus New York und San Francisco in den Bregenzerwald heimgekehrt. Er führt das Biohotel Schwanen in der fünften Generation weiter.  Familie Moosbrugger entdeckte die Hildegard Ernährungslehre vor 18 Jahren und hat sie ins Hotelkonzept übernommen. Ein Vortrag von Brigitte Pregenzer, Buchautorin und Leiterin der Hildegard von Bingen Akademie, war der Auslöser. Diese Ernährungsphilosophie hat Antonia Moosbrugger sehr zugesagt, sie kommt der traditionellen Bregenzerwälder Küche nahe. Von der Begeisterung und ihren neuen Kochideen sollten jetzt auch ihre Gäste profitieren. Am Anfang brauchten wir Mut und es war schwierig Gäste zu bekommen, die in dieses Profil passten. Das Betriebskonzept vom Hotel Schwanen wendet sich an anspruchsvolle Gäste. Heute ist dieses Alleinstellungsmerkmal zu unserem Erfolg geworden«, erzählt  Antonia.

Gäste zeigen sich interessiert und sind überrascht von der besonderen Küche. Sie stellen viele Fragen und es entwickeln sich Gespräche. Regionale, natürliche, unkomplizierte Gerichte und pfiffig zubereitete Speisen finden Anklang. Den Gästen kommt dies entgegen, sagt Antonie Moosbrugger. »Wir legen Wert darauf, dass die Hildegard von Bingen Küche nicht dogmatisch ausgelegt wird, sondern wir Köchinnen viel kreativen Freiraum haben«.

»Wilde Weiber«

Freunde des Hauses, die als »Vorkoster« das umfangreiche Mahl ausprobierten, sagten damals: »Wahnsinn, ihr seid aber wilde Weiber.« Seitdem ist bei uns das »Wilde Weiber Menü« auf der Karte, erzählt mir Antonia Moosbrugger augenzwinckernd.

Heute bekommen wir ein »Wilde Weiber Menü« serviert. Als »kleinen Gruß aus der Küche« gibt es selbst gebackene Brotsorten mit Kräuteraufstrich. Salatteller mit frisch gepflückten, jungen Lindenblättern, garniert mit Kresse, Ruccula, wildem Klee und ein paar bitteren Schafgarbenblätter, mit interessantem Salatdressing, dazu roter Veltliner. Es folgt eine kräftige Wildkräutersuppe, bestehend aus Sauerampferblättern, Kerbel, Löwenzahn und Brennnesselblättern. Zur Begleitung genießen wir Alpenkräuterbier. Die Hauptspeise ist Beaf vom Rind mit Rieblgrieß, Wurzelgemüse, Chremolada, Petersilie, Kresse, Zitrone und Sauerampfergemüse. Zum Dessert Waldmeistercreme oder wahlweise Berg- und Albkäse aus der Region.

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist

Hildegard von Bingen bin ich in einem Schweizer Benediktinerkloster begegnet. Die Niederrickenbacher Benediktinerinnen haben ihre Lebensweise auf Hildegard von Bingen ausgerichtet, wie sie mir anvertrauten. In schön gezeichneten, historischen Büchern war zu lesen worauf es ankommt. Ernährungsbewusstsein und Achtsamkeit schaffen Lebensqualität. Hildegard von Bingen appelliert an die Eigenverantwortung. Sie erkannte die Bedeutung heilsamer Ernährung für Körper, Geist und Seele. Positive Einstellungen sind aufbauend, negative destruktiv. Wer seinen Körper falsch ernährt und permanent überfordert, wird ausgezehrt.

Eine Urlaubsreise in den Bregenzerwald kann dazu dienen, den Alltag hinter sich zu lassen. Etwas Neues auszuprobieren, unbekannte Ideen mitzunehmen und andere Wege im täglichen Leben zu gehen.

Susanne entdeckt die Kraft der Kräuter

Vorsäßalpe Schönenbach bei Bizau.
Vorsäßalpe Schönenbach bei Bizau.

Naturheilkunde – Helden in Grün

die junge Elisabeth Breidenbrücker aus Bizau, hat sich auf Naturheilkunde und Kräuter spezialisiert. Bei Insektenstichen und gegen Juckreiz sind Spitzwegerichblätter heilsam. Die Blätter werden zu einem Knopf gebunden, zwischen beiden Händen gerieben und dann auf die Wundstelle gebunden. »Der austretende Pflanzensaft wirkt wie ein Wundermittel, lässt Schmerzen und Schwellungen abklingen« erzählt Elisabeth. Ihre eigenen Kinder wollte sie nicht mit zu vielen Medikamenten behandeln. Daraus entstand ihr Wunsch sich mit alternativen Heilmitteln zu beschäftigen, dies tat den Kinder gut. Ihre selbst erworbenen Kenntnisse hat sie in einer Naturheilkundeschule in München erweitert und vertieft.

Meister im Wald

Ihre »Grünen Helden« wachsen im eigenen Garten. Die Pflanzen werden nach biologischen Gesichtspunkten von Hand gepflegt und geerntet oder sie sammelt Wildpflanzen in der Umgebung von Bizau. Ihre Superhelden aus dem Pflanzenreich heißen Gundermann, Waldmeister, Schafgarbe, Blutwurz, Engelwurz und viele andere. Sie sammelt ihre Kräuter auf nicht gedüngten Flächen und achtet stets darauf, dass der Pflanzenbestand nicht gefährdet wird. Daraus produziert sie Tees, Sirup, Kräuterspirituosen und Räucherwerk.

Kurse und Seminare

wir unternehmen mit Elisabeth eine Wiesenwanderung. Die Moore am Rande der Feldflur sind artenreich und im Juni in voller Blüte. Alle paar Meter kniet Elisabeth nieder und pflückt ein anderes Pflänzchen. Sie erklärt überliefertes Kräuterwissen der Bregenzerwälder, der Kelten und Schamanen, die Signaturenlehre, die moderne Naturheilkunde und die Lehre der Seherin Hildegard von Bingen darf nicht fehlen. Wir erfahren, wie die Pflanzen heißen, wie sie wirken, für welche Leiden sie gut sind, wann der beste Zeitpunkt zum Sammeln ist und wie sie als Hausmittel angewendet werden. Elisabeth weist darauf hin, dass die Anwendung von Naturheilkunde und Selbstmedikation Grenzen hat und wann besser ein Mediziner weiterhelfen sollte.

Tipp:

Kräuterurlaub mit Elisabeth Breidenbrücker

Elisabeths Kräuterkurse sind lehrreich und eine Mischung aus Wanderung und Workshop. Mit Messer und Korb geht es draußen auf die Suche nach den »Helden in Grün«. Zurück im Hotel erklärt Elisabeth, wie Mittel für die Hausapotheke und gut duftende Räuchermischungen hergestellt werden.

Auf unserer Wiesenwanderung konnten wir Pflanzenkenntnis auffrischen und hatten sinnliche Naturerlebnisse. Eine Augenweide waren bunte Felder am Rande der Wirtschaftswiesen. Wir stecken unsere Nasen wie Bienen in bunte Blütenkelche, probierten im Feld Aromen wilder Kräuter. Wir zerreiben ihre Blätter um die ausströmenden ätherischen Öle und Säfte besser schnüffeln zu können. Wir lernten was mit Kräutern in Haus und Küche alles möglich ist.

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Zurück im Hotel verwandelten die erfahrenen Schwanen Köchinnen, die essbaren Wildkräuter in feine Salate und Gerichte. Das war ein ungewöhnlicher Gaumenschmaus den ich lange in Erinnerung behalte. Mit einem Glas Veltliner am Abend habe ich diesen rundum gelungen Kräutertag genossen.

Jagdhaus Egender im Wandergebiet Schönenbach.

Schönenbach ist eine große Vorsäßalpe mit mehreren Gehöften, die nur im Sommer bewohnt sind. Ein Vorsäß ist die zweite Stufe der im Bregenzerwald noch praktizierten Dreistufen Landwirtschaft. Das Vieh kommt vom Tal zuerst auf diese Vorweiden, bevor es später auf die Hochalpen geht. Im Herbst kommt das Vieh ebenfalls noch für einige Wochen hierher, bevor es dann ende Oktober ganz ins Tal und in den Bauernhof geht.

Das idyllisch gelegene Schönenbach, mit seinen vielen Alphütten ist mit dem Landbus von Bizau aus erreichbar. Von hier aus lassen sich zahlreiche, sehr schöne Bergwanderungen zu den umliegenden Alpen unternehmen.

  • Von Schönenbach über die Ifertalpe, entlang der Schneckenlochwand und zurück bis Schönbach. Die Runde ist leicht und dauert zwei Stunden.
  • Der Wanderweg entlang der Subersach nach Sibratsgefäll.
  • Über die Sennalpe Stoggertenn (1498 m), hier einkehren und guten Bergkäse verkosten, weiter nach Au, Schoppernau.

Tipps von Elisabeth Breidenbrücker:

Sirup

Die antibakterielle Wirkung des Spitzwegerich – oder Erdkammerhonig wird in der Volksheilkunde gegen Husten verwendet. Die lanzenförmigen Blätter des Spitzwegerich (Plantage lanceolata) werden zerkleinert und mit Bienenhonig in Gläser eingelegt. Damit die Fermentierung klappt, braucht der Spitzwegerichhonig Dunkelheit und gleichmäßige Temperatur. Das funktioniert am besten, wenn die gefüllten Gläser für drei Monate in Humus eingegraben werden.

Tinktur

Pflanzenteile werden kleingeschnitten, locker in einem Glas aufgeschichtet und mit 40 prozentigem Alkohol aufgefüllt. An einem dunkeln und kühlen Platz aufgestellt, ist nach 40 Tagen der Auszug fertig und kann filtriert werden. Dazu verwendet man doppelt eingelegte Kaffeefilter, damit alle feinen Partikel zurückgehalten werden und eine klare Tinktur entsteht. Abgefüllt in dunkle Glasfläschchen soll die Tinktur kühl gelagert werden.

Salben

Man kann Salbe selbst herstellen indem man 30g getrocknete Kräuter in 300g Öl (in Oliven- oder Mandelöl) auszieht. Die Kräuter werden mit Öl im Topf erhitzt und mindestens 20 Minuten, besser eine Stunde mazeriert, (Inhaltsstoffe der Pflanze werden mit Öl ausgezogen). Dazwischen gleichmässig rühren und die Temperatur beobachten. Es ist wichtig, dass die Temperatur während der gesamten Herstellung 70 Grad nicht überschreitet. Zum Filtrieren gießt man das Öl durch ein Tuch. Im noch warmen Öl wird etwa 30 Gramm reines Bienenwachs geschmolzen. Die flüssige Salbe wird zum Schluss in kleine Salbentiegel gefüllt. Während des Abkühlens kommt ein Tuch auf die offenen Tiegel. Erst nachdem die Salbe abgekühlt ist, kommt der Deckel darauf. Hygienisch sauber hergestellt, ist die Salbe bei kühler Lagerung etwa ein Jahr haltbar. Gut zur Salbenherstellung eignen sich auch frische Blütenblätter der Ringelblume – Calendula officinalis.


Mit der Bahn in den Bregenzerwald

Den Bregenzerwald erreicht man von Deutschland aus gut mit der Bahn. Der Zug fährt bis Lindau. Für ein paar Kilometer müssen Sie umsteigen bis Bregenz, dann in den Landbus Linie 36 einsteigen. Nach weiteren 3o Minuten sind Sie im Bregenzerwald.



Danke für die freundliche Unterstützung an Vorarlbergtourismus und Emanuel Moosbrugger vom Hotel Schwanen in Bizau.

4 Kommentare zu “Vorarlberg: Biohotel Schwanen im Bregenzerwald

  1. Mit der Bahn in den Bregenzerwald

    Den Bregenzerwald erreicht man von Deutschland aus gut mit der Bahn. Der Zug fährt bis Lindau. Für ein paar Kilometer müssen Sie umsteigen bis Bregenz, dann in den Landbus Linie 36 einsteigen. Nach weiteren 3o Minuten sind Sie im Bregenzerwald.

  2. Wie immer schöne Detailfotos Andreas, aber auch detailreiche Infos, Danke und weiter so!

    • Danke Thomas. Der Bregenzerwald ist eine schöne Region in meiner “Nachbarschaft”. Ideal zum Wandern und für kurze Ferien. Der Kräuterkurs von Elisabeth Breidenbrücker ist sehr zu empfehlen und ein Naturerlebnis mit allen Sinnen.

  3. Wir haben in den letzten Jahren mehrmals solche Natur- und Kräuterheiler erlebt. Es ist ein spannendes Thema, was man mit wenig Mitteln aus den Kräutern herstellen kann, die bei uns überall wachsen. Einige dieser Mittel haben wir inzwischen selbst ausprobiert, und sie wirken erstaunlich gut. Nur mit dem Selbst Herstellen hapert’s noch. Ein interessanter Bericht, Andreas.

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