Im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen

Baden-Württemberg: Zeppelinmuseum in Friedrichshafen

Graf Ferdinand von Zeppelin war ein Held. „Für mich steht naturgemäß niemand ein, weil keiner den Sprung ins Dunkel wagen will. Aber mein Ziel ist klar und meine Berechnungen sind richtig“, so Graf Zeppelin. Von der Fachwelt und der Bevölkerung wurden seine Ideen und Visionen am Anfang überwiegend abgelehnt und verspottet. Dennoch starteten ab 1900 die ersten lenkbaren, mit Gas gefüllten Luftschiffe über den Bodensee. Luftschiffe waren bald darauf Transportgeräte, die Menschen zu anderen Kontinenten bringen konnten. Die Ära der zivilen Luftschifffahrt dauerte von 1900 bis zum Unglück der Hindenburg LZ 129 in Lakehurst im Jahre 1937. Im Zeppelin Museum befindet sich die weltweit größte Ausstellung über die Geschichte und Technik des Luftschiffbaus. Graf Zeppelin und Claudius Dornier brachten Wohlstand nach Friedrichshafen. Die Stadt konnte sich bis heute zu einer bedeutenden Industriestadt entwickeln.

Die Museumsführerin Ingrid Kunze ist eng mit Luftschiffen verbunden, da ihr Schwiegervater Richard Kunze auf der Graf Zeppelin LZ 127 Maschinist war. Mit der Graf Zeppelin 127 war er über 100 mal in Kriegs- und später auch in Friedenszeiten unterwegs. Dabei überlebte er drei Abstürze. Seine Erlebnisse hielt er in einem Tagebuch fest, wovon Ingrid Kunze eindrucksvoll berichtet. Die Maschinisten mussten in einer Flughöhe von ca. fünfhundert Metern über Leitern in den ausserhalb liegenden Maschinenraum klettern. Lärm und Hitze bis 50 Grad machte die Arbeit extrem schwierig. Richard Kunze sah viel von der Welt. Er kam per Luftschiff nach Amerika, in den Orient und nach Afrika.

Luftschiff Hindenburg
Foto © Andreas RiedmillerDas Luftschiff Hindenburg LZ 129: Länge 245 Meter, Breite 41,2 Meter, Gasvolumen 200 000 Kubikmeter. Vier Motoren von Daimler – A 16 Zylinder Diesel, Daimler DB 602, mit jeweils 1000 PS waren der Antrieb. Durchschnittliche Reisegeschwindigkeit 100- 120 Km/h. Reiseflughöhe 400 bis 600 Meter über Grund.
Im Zeppelin Museum
Foto © Andreas RiedmillerIm ersten Raum des Museums bildet die Deckengestaltung den eindrucksvollen Blickfang. Ein Teil der Hindenburg LZ 129 wurde in Originalgröße nachgebildet. Ein Fallreep (Gangway) führt ins Innere, zu Schlafkabinen und Salons.
Vitrine im Zeppelin Museum
Foto © Andreas RiedmillerVitrine im Zeppelin Museum.
Besuch des Zeppelin Museum
Foto © Andreas RiedmillerBesucherin im Zeppelin Museum.
Im Bauch des Zeppelin Hindenburg LZ 129
Foto © Andreas RiedmillerIm Bauch des Luftschiffs Hindenburg LZ 129. Im Unterdeck waren die Versorgungsräume, Toiletten und der Rauchsalon. Im oberen Deck waren die Schlafkabinen, der Speisesalon, sowie das Panoramadeck mit großen Panoramafenstern, die geöffnet werden konnten.
Graf Zeppelin
Foto © Andreas RiedmillerGraf Zeppelin in seinem Museum.
Sack für Luftpostbrief für den Abwurf am Fallschirm.
Mit diesem Postsack wurde die Luftpost über Städten mit dem Fallschirm abgeworfen. Der Finder wurde aufgefordert, die Luftpost beim nächsten Postamt abzuliefern.
Original Luftpostbrief
Foto © Andreas RiedmillerOriginal Luftpostbrief mit Sonderstempel und Sonderbriefmarke.

Zeppelin Museum im Bauhausstil
Foto © Andreas RiedmillerIm Zeppelin Museum ist die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung zur Geschichte- und Technik von Luftschiffen. Der Hafenbahnhof wurde im Bauhausstil erbaut. Darin wurde das Zeppelinmuseum errichtet, welches 1996 eröffnet wurde. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Testflug scheitert

Graf Ferdinand von Zeppelin steckte sein ganzes Privatvermögen in den Bau und die Entwicklung von Luftschiffen. Die damalige Reichsregierung wollte ihn jedoch nur dann finanziell unterstützen, wenn er unter Beweis stellt, dass seine Luftschiffe mehr als 24 Stunden in der Luft bleiben können. So startete er am 5. August 1908 einen 700 Kilometer langen Testflug. Nach 22 Stunden musste der Zeppelin LZ 4 wegen Motorschaden bei Leinfelden-Echterdingen notlanden. Zehntausende Zuschauer aus Stuttgart und Umgebung waren angereist, um diese Attraktion zu erleben. Ein Gewittersturm erfasste das Luftschiff und riss es aus der provisorischen Verankerung. Das Luftschifff driftete 1200 Meter ab und blieb in einer Streuobstwiese hängen. Kurz darauf explodierte der Wasserstoff und alles ging in Flammen auf. Der Langstreckenflug war gescheitert und die finanzielle Unterstützung somit versagt.

Glück nach Unglück

Noch an der Unfallstelle spendeten die Zuschauer für die Fortsetzung seiner Idee. Aluminiumteile des verunglückten Luftschiffs wurden gesammelt und geschmolzen. Daraus wurden Löffel und Schalen als „Merchandiseartikel“ hergestellt und in Deutschland verkauft. Mit dem Ertrag und mit Spenden aus der Bevölkerung kamen 6,4 Millionen Mark zusammen. Mit diesem Startkapital wurde die Zeppelinstiftung gegründet. Auf dieser Grundlage konnte er sein Werk fortsetzen. Bis heute sichert der Stiftungsertrag, unter vielen anderen Projekten, den Erhalt und Betrieb des Zeppelin Museums. Zur Erinnerung an „das Wunder von Echterdingen“ wurde in der Gemeinde Echterdingen der „Zeppelinstein“ errichtet.

Nur „Firstclass“ im größten Luftschiff der Welt

„Wohliges dahinschweben“ von Friedrichshafen oder Frankfurt bis New York kostete umgerechnet ca. 5000 Euro. Diesen Luxus konnten sich damals nur Industrielle, berühmte Schauspieler und Politiker leisten. Die Hindenburg LZ 129 fuhr regelmässig über den Atlantik nach Nordamerika. Das Luftschiff Graf Zeppelin LZ 127 fuhr 14- tägig nach Südamerika. Die Flugdauer betrug einfach 2 bis 3 Tage. Für das große Luftschiff Hindenburg LZ 129 musste eine „Haltemannschaft“ von 200 Mann parat sein, um den Zeppelin mit langen Seilen zu fixieren. Die Männer kamen mit Hut und Anzug zu diesem privilegierten Job.

Explosion in Lakehurst

Am 06. Mai 1937 verunglückte die Hindenburg LZ 129 beim Landeanflug in Lakehurst. Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Der Anflug musste mehrmals wegen Gewitter verschoben werden. Als das Seil von der Ankernase abgelassen wurde und den Boden berührte, entzündete sich das mit Wasserstoff gefüllte Luftschiff explosionsartig. Eine Stichflamme zerstörte die Hindenburg innerhalb von 34 Sekunden vollständig. Dabei starben 35 Menschen, 62 haben teils schwer verletzt überlebt. Fast jeder kennt das Foto der brennenden Hindenburg aus dem Geschichtsbuch.

In 35 Tagen um die Welt

Das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ absolvierte 590 unfallfreie Fahrten von Friedrichshafen um die Welt. Neben einer Weltumrundung und einer Polarfahrt wurde der Atlantik 139 mal überquert. Nach dem Unglück der Hindenburg LZ 129 in Lakehurst wurde die „Graf Zeppelin LZ 127“ in einem Hangar bei Frankfurt stillgelegt und später verschrottet.

Zeppelinbau geht weiter. In Friedrichshafen steht die Zeppelin Luftschiffwerft. Dort werden moderne Luftschiffe für den Passagierverkehr gebaut, die mit unbrennbarem Heliumgas gefüllt sind.

Ingrid Kunze gestaltete eine interessante Museumsführung, die sehr zu empfehlen ist.

 Zeitreise in die Vergangenheit

Der Untertitel des Zeppelin Museum ist „Technik und Kunst“. Neben der weltweit bedeutendsten Sammlung zur Technik von Luftschiffen widmet sich das Museum auch der Kunst. Im Museum sind Werke von Künstlern aus der Bodenseeregion ausgestellt. Auch Werke aus fünf Jahrhunderten stehen in Bezug zur Zeppelingeschichte.



Dank an Frau Ingrid Kunze, Museumsführerin für die Informationen und für die Erlaubnis das Audio veröffentlichen zu dürfen. Ebenso für die Unterstützung dieser Produktion an das Zeppelin Museum und Baden-Württembergtourismus.

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