Archäologiestudenten suchen nach Elfenbeinstücke aus der Steinzeit.

Baden-Württemberg: Die Venus vom Hohle Fels

Die Venus vom Hohle Fels wurde 2008 in einer Karsthöhle bei Schelklingen gefunden. Die Efenbeinfigur zeigt eine üppige Frau. Sie ist sechs Zentimeter groß und 33 Gramm schwer. Bei dieser Figurine, die zu den ältesten Kunstwerken der Welt zählt, könnte es sich um ein Fruchtbarkeitssymbol handeln.

Für Professor J. Nicholas Conard und seine Tübinger Archäologiestudenten war dies eine Überraschung und für die Fachwelt eine Sensation. Mit ihrem Alter von ca. 40 000 Jahren ist diese Venus die älteste von Menschen geschaffene figürliche Kunst weltweit!


Venus vom Hohle Fels
Foto © Andreas Riedmiller Venus vom Hohle Fels aus Mammutelfenbein

Gänsegeierflöte aus der Steinzeit

Neben der Venus vom Hohle Fels wurden auch Musikinstrumente aus Vogelknochen und Elfenbein gefunden, welche ebenfalls 38 000 – 40 000 Jahre alt sind. Dies sind weltweit die ältesten Spuren menschlicher Evolution und Zeugnisse von Kunst und Kultur.

 

Den Klang einer Gänsegeierflöte hörten die Menschen im Hohle Fels.

Flöte aus Gänsegeierknochen. Fundort Hohle Fels bei Schelklingen. Seit 2012 in der Ausstellung des Urmu.
Foto © Universität Tübingen Flöte aus Gänsegeierknochen, (40 000 Jahre alt). Fundort Hohle Fels bei Schelklingen und seit 2012 in der Ausstellung.


Woher kamen die Menschen der Vorzeit?

Neben der Venus wurden in dieser Höhle noch andere Werkzeuge aus Elfenbein, sowie Knochen und Schmuckstücke gefunden, die typisch für die Zeit des Aurignacien (40.000 bis etwa 31.000 Jahren vor heute) sind. Dies ist die Zeit, in der die ersten Modernen Menschen (Homo sapiens) die Schwäbische Alb besiedelten. Die ersten Menschen wanderten vor 100 000 Jahren von Afrika kommend in den Orient. Von dort besiedelten sie den Donauraum und wanderten nach und nach, entlang der Donau bis in die Schwäbische Alb. Hier boten die vielen Karsthöhlen Schutz vor der winterlichen Kälte in der Eiszeit. Die Lebensbedingungen waren ideal. Im Schutz der Karsthöhlen blieben die Hinterlassenschaften der Steinzeitmenschen relativ gut geschützt, Forscher machen spektakuläre Funde.

Vom Neandertaler, der weit vor dem Homo sapiens in der Schwäbischen Alb lebte, sind bisher keine Kunstwerke gefunden worden. Der Moderne Mensch konnte seine Gedanken abstrahieren und ihnen eine reale Form als Kunstwerk verleihen. Die gefundenen Kunstwerke der Alb beweisen, dass er kreativ und eigenschöpferisch denken konnte. Das versetzte ihn auch in die Lage,  Lösungen für schwierige Anpassungsprozesse an die Umwelt zu finden. Deswegen und weil er sich besser als der Neandertaler vermehren konnte, hat sich diese Art behaupten und bis heute durchsetzen können. Du und ich, wir sind ebenfalls Homo sapiens. Dennoch haben wir auch zwei bis vier Prozent Gene des Neandertalers in unserem Körper. Habe ich von den Wissenschaftlern erfahren. Hm!

In den Höhlen wurden Funde von Weltrang entdeckt. Viele Höhlen in der Schwäbischen Alb sind unter dem Erdreich verborgen. Forscher der Universität Tübingen suchen nach diesen unbekannten Höhlen, denn eine neue Entdeckung wäre ein zusätzlicher Trumpf für die Bewerbung zum Weltkulturerbe der UNESCO, die im Jahre 2016 in Paris stattfindet.

Das sehenswerte Urmu

Die Originalfigurine der Venus vom Hohle Fels ist heute im Urmu, dem Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren zu besichtigen. Ohne die Universität gäbe es das Urmu nicht. Umgekehrt ist das Museum mit den Fundstücken der ältesten Kunst der Menschheit ein Alleinstellungsmerkmal der Universität Tübingen“, sagt Professor Nicholas J. Conard, Lehrstuhlinhaber in Tübingen und wissenschaftlicher Direktor.

Das Urmu Museum zeigt eindrucksvoll das Leben der Menschen und die Landschaft der Schwäbischen Alb während der Eiszeit. Daneben informiert das Museum über archäologische Grabungsmethoden und das systematische Vorgehen bei Ausgrabungen. Dies und vieles andere können Sie im Urmu sehen oder ihren Kindern zeigen.

Fundort der Venus vom Hohle Fels.

„Sie ist die älteste und daher bedeutendste Darstellung eines Menschen in der gesamten Menschheitsgeschichte“, beschreibt der Inhaber des Lehrstuhls für ältere Urgeschichte und Quartärökologie an der Universität Tübingen und wissenschaftlicher Leiter des Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (Urmu) die Eiszeitfigur.

FAZ: Nicholas Conard: Woher kommt der Mensch? 

Professor J. Nicholas Conard
Foto © Andreas Riedmiller Professor Nicholas J. Conard am Fundort der Venus vom Hohle Fels

 

Höhle Hohle Fels bei Schelklingen. Fundort der Venus.
Foto © Andreas Riedmiller Höhle Hohle Fels bei Schelklingen. Fundort der Venus.

Meine Tipps für ein Steinzeit und Genusswochenende in Blaubeuren:

  • Sich Zeit nehmen für das Urmu Museum in Blaubeuren. Sehen wie die Region in der Eiszeit ausgesehen hat.
  • Die geheimnisvolle Venus besuchen.
  • Im Hohle Fels der Gänsegeierflöte lauschen und dabei die Augen schließen.
  • Eine Wanderung durch hügelige Landschaft und Mischwälder machen.
  • Eine Runde um den sagenumwobenen Blautopf bei Blaubeuren gehen und die größte Karstquelle Süddeutschlands bestaunen.
  • Das Blaubeurer Kloster besichtigen.
  • Durch die verwinkelten Gassen von Blaubeuren spazieren.
  • Es gibt vorzügliche regionale Spezialitäten. Gut Essen und Trinken. Weine aus Baden-Württemberg oder vom Neckar gibt es für den verwöhntesten Genießer. Ich bin sicher, so ein Wochenendausflug ins Schwäbische wird dich überraschen.

Mein Dank gilt dem Urgeschichtlichen Museum für die Fotoerlaubnis, allen Mitwirkenden und Baden-Württembergtourismus für die gute Organisation.


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