Brandenburg Nationalpark Unteres Odertal.

Brandenburg: Uckermark – Nationalpark Unteres Odertal

Lauschangriff im Morgengrauen. Vor Sonnenaufgang gehe ich von Criewen aus zum „Weg der Auenblicke“, um Vogelstimmen aufzunehmen. Das ist nichts für Morgenmuffel. Vögel sind am aktivsten in der Früh. Der Weg geht in den Auwald am Rande des Nationalparks. Teilweise führen Holzstege über feuchte Senken. Auf Anhöhen geben Ausblicke die Sicht auf den Nationalpark Unteres Odertal frei. Ein Kuckuck ruft. Ich setze mich auf eine Aussichtsbank und lausche dem Vogelkonzert. Es ist ein Erlebnis, das Tirilieren, Zwitschern, Tschakkern, Singen und Rufen. Wie im tropischen Urwald. Besonders fasziniert mich eine Vogelstimme, die aus dem ganzen Morgenkonzert herausragt. Kann das eine Nachtigall sein? So schön, klar und einmalig. Wie sich später herausstellt, ist es ein Sprosser. Das ist ein charakteristischer Vogel dieser Auwaldlandschaft. Daneben vernehme ich die Rufe des Pirols, einem amselgroßen Vogel im gelben Federkleid. Eine Krähe hält sich nicht an die Melodie der anderen Vögel. Ich vernehme viele Vögel, die ich nicht kenne. Für alle, die später aufstehen, habe ich mein Mikrofon mitgenommen, um dieses Erlebnis hörbar zu machen.

Nationalpark Unteres Odertal
Foto © Andreas Riedmiller Nationalpark Unteres Odertal: Die Hohensaaten – Friedrichsthaler Wasserstraße, verläuft parallel zur Oder.
Storch im Nationalpark Unteres Odertal
Foto © Jiri Bóhdal Storch im Nationalpark Unteres Odertal


Nationalparkhaus Unteres Odertal
Foto © Andreas Riedmiller Nationalparkhaus Unteres Odertal in Criewen
Dr.Michael Tautenhahn
Foto © Andreas Riedmiller Dr. Michael Tautenhahn stellvertretender Nationalparkleiter

Kontrollierte Landschaft

Herr Dr. Michael Tautenhahn, stellvertretender Leiter des Nationalpark Unters Odertal, nimmt mich mit auf eine Exkursion. Auf der Oderbrücke bei Criewen erklärt er mir das komplizierte Zusammenspiel von Poldern, Wasserläufen, Trockengebieten, dem Nationalpark und der umgebenden Natur. Vor mehr als hundert Jahren überschwemmte die Oder regelmäßig Wiesen und Felder auf weiten Flächen. Der Fluss konnte sich dem Gelände angepasst ausdehnen. Doch das war ungünstig für die Landwirtschaft und bedrohte die Siedlungen. Das Land stand wochenlang unter Wasser, die Ernte wurde vernichtet. Um diese wiederkehrenden Überschwemmungen einzudämmen, wurden Polder errichtet. Die Oder wurde auf etwa 80 Kilometer Länge eingedeicht. Es entstand eine riesige Mulde für aufkommendes Hochwasser. Einlasswehre lassen das Wasser der Oder einströmen. Sie werden bei Hochwasser und von November bis April geöffnet. An der tiefsten Stelle innerhalb der Deiche befinden sich Auslassbauwerke und historische Schöpfwerke. Hier wird Wasser mittels Pumpen kontrolliert abgepumpt. Seit über hundert Jahren steuert der Mensch kontinuierlich das ein- und ausströmende Wasser innerhalb der Polder. Stärke Hochwasser erforderten die Erhöhung der Deiche, um die Dörfer und Städte zu schützen. Während des sogenannten Jahrhunderthochwassers 1997 bewährte sich dieses System an der Oder. Die Stadt Stettin und die Siedlungen des unteren Odertales konnten vor Schäden geschützt werden. Im Nationalparkhaus in Criewen befindet sich ein interaktives Model dieser Polderlandschaft.

Radweg auf einem Polder im Nationalpark Unters Odertal
Foto © Andreas Riedmiller Radweg auf einem Deich mit Blick auf die Polderlandschaft im Nationalpark Unteres Odertal
Nationalpark Unteres Odertal
Foto © Andreas Riedmiller Nationalpark Unteres Odertal
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Foto © Andreas Riedmiller Historisches Schöpfwerk
Bibergänge im Schilf
Foto © Andreas Riedmiller Bibergänge im Schilf
In der Wildniszone des Nationalparks Unters Odertal
Foto © Andreas Riedmiller In der Wildniszone des Nationalparks

Suche nach der Schwanenblume

Innerhalb der Polder befindet sich der Nationalpark. Wir sind auf der Suche nach der eleganten Schwanenblume. Einer Sumpfpflanze mit langem Blütenstengel und einer pastellfarbenen Doldenblüte. Wir finden sie nicht, dafür entdecken wir andere Pflanzen. Den Froschlöffel oder die Schwertlilie. Die Krebsschere und das Tausendblatt leben wie viele andere in Altwässern und Gräben. An den Ufern blüht die goldgelbe Sumpfwolfsmilch, später kommt noch der Blutweiderich. Schilf und Gräser werden mannshoch und dienen als Deckung für die Tierwelt.

Im Biberparadies

Was Wasserbautechniker und Ingenieure im Großen bauen, schafft der Biber innerhalb der Polder im Kleinen. Es gibt 80 Biberreviere im Nationalpark. Breitgewalzte Pfade ziehen sich durch Uferböschungen. Dem Biber geht es gut hier. Die von der Elbe eingewanderten Elbebiber treffen hier auf osteuropäische Biber, die ursprünglich in Polen angesiedelt wurden. Hier im Odertal paaren sich beide Unterarten. Die Experten sind sich uneins, ob man das so einfach zulassen kann. „Unterscheiden kann man sie nur anhand genetischer Merkmale und kleinen Unterschieden im Skelett. Äußerlich sieht man ihnen keinen Unterschied an. Vor allem nicht, wenn sie nass sind“, sagt Dr. Tautenhahn vom Nationalpark. Wir sind in der sogenannten Weichholzaue. Die hier dominierenden Baumarten verkraften Hochwasserstände gut. Die Ablagerungen von Kalk an den Stämmen verdeutlicht, wie hoch das Wasser stand. Überwiegend wachsen Weidenarten und die Schwarzpappel. Die artreine Schwarzpappel hat hier ihren angestammten Lebensraum. Um diese Art vor dem Untergang zu retten, wurden sie nachgezüchtet und im Nationalpark ausgepflanzt. Was passiert, wenn der Biber daran Geschmack findet? Mit seinen Nagezähnen kann er einen mittelalten Baum in ein oder zwei Nächten fällen.

Radfahrer auf Polder
Foto © Andreas Riedmiller Radfahrer auf Polderwegen
Kraniche rasten im Nationalpark Unteres Odertal
Foto © Olaf Jürgens Kraniche rasten im Nationalpark Unteres Odertal

Raststätte für Zugvögel

Das Auengebiet ist während der Zeit des Vogelzugs ein wichtiges Rastgebiet für Vögel. Sie legen hier eine Verschnaufpause ein. Alljährlich im Oktober haben bis zu 15 000 Kraniche hier ihre Schlafplätze. Nach einigen Wochen ziehen sie weiter in Richtung Südspanien. Andere, wie die Singschwäne und nordische Gänse, überwintern im Auengebiet. Wenn sich das Hochwasser im Frühling zurückzieht, konzentrieren sich Wasser- und Watvögel auf die Wasserreste. Sie finden an diesen Stellen Futter in Hülle und Fülle.

Storchendorf Criewen

Wir sind kurz vor Criewen angelangt. Nur wenige Meter vor uns stolziert ein Storch auf dem Deich. Als wir näher kommen, startet er elegant wie ein Paraglider. Mit wenigen Flügelschlägen gewinnt er an Höhe und fliegt über das Hochzeitspaar, das gerade im Park jenseits des Kanals vor der Kirche feiert. Die Bewohner von Criewen haben ein Herz für Störche. Storchennester auf Dächern und auf gebauten Nesthaltern zeugen davon. Alle acht Nester sind bewohnt. Im Storchennest auf dem Schornstein der Bäckerei wird seit 1964 gebrütet. Elke Bartsch, die Besitzerin dieser Pension „Storchennest“, sorgt sich, wenn Ende April die Störche nicht angekommen sind. Störche haben hier den idealen Lebensraum. Nur wenige Flugminuten entfernt ist der Nationalpark mit seinem reichen Futterangebot.

Lenné Park in Criewen 

Der ehemaligen Dorfkirche wurde das Dorf weggenommen und dafür steht das Kirchlein jetzt alleine in einem schönen Park. Auf Initiative des Gutsbesitzers Otto von Arnim in Criewen, wurde das alte Dorf zwischen 1816 und 1826 abgerissen und weiter östlich wieder aufgebaut. Nach Planungen des Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné entstand ein Landschaftspark im englischen Stil. Alte, sehenswerte Baumexemplare stehen darin. Eine Besonderheit ist die prächtige Sumpfzypresse. Im Zentrum des neun Hektar großen Parks befinden sich das rekonstruierte Schloss und die Dorfkirche. 

Lennè Park von Criewen
Foto © Andreas Riedmiller Im Lenné Park von Criewen
Dorfkirche aus dem 13. Jhd. im Lenné Park in Criewen
Foto © Andreas Riedmiller Kirche aus dem 13. Jhd. im Lenné Park in Criewen
Schloss Criewen
Foto © Andreas Riedmiller Schloss Criewen

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Meine Tipps für Naturerlebnisse im Nationalpark Unteres Odertal:

  • Kranichwochen im Herbst Während der Kranichwochen im Herbst wird ein umfangreiches Programm angeboten. Es gibt Exkursionen mit Naturführern, die das Naturerlebnis Kranich näher bringen.
  • Singschwantage im Winter Dieser schneeweiße, elegante Vogel kommt als Besucher von der nordeuropäischen Tundra. Im Nationalpark Unteres Odertal überwintern bis zu 1500 Singschwäne. Während der Singschwantage im Januar können diese Vögel beobachtet werden. Exkursionen bieten Interessantes über diese majestätischen und sagenumwobenen Tiere.
  • Geführte Kanutouren im Sommer Ab Mitte Juli, nach der Brutzeit, werden geführte Touren durch die Wasserwildnis angeboten. Mit Kanus kann man durch See- und Teichrosengebiete gleiten, Tiere und Wasservögel aus nächster Nähe sehen und die Artenvielfallt dieses einzigen deutschen Auennationalparks erleben.
  • Radtouren das ganze Jahr Um den Nationalpark gibt es mehrere befestigte Radwege, davon führt einer über den Deich. Der Blick aus Polderhöhe gibt einen Eindruck vom Nationalpark und der Vogelwelt. Besonders am frühen Morgen ist es schön, wenn sich Lichtstrahlen einen Weg durch Nebelbänke bahnen und Vögel dazu singen.

 


Unterkunft: „Leben und Leben lassen“ ist das ist das Motto der Criewener. Was für die Störche gilt, gilt erst recht für den Gast. Der Gasthof „Linde“ ist ein guter Halt für Radfahrer auf dem Oder-Neiße Fernradweg. Die gemütliche Terrasse lädt ein zum Erholen. Vorzüglich schmeckte mir der gebratene Zander. Frisch gefangen von Fischer Helmut Zahn aus Schwedt. Es gibt regionale Gerichte wie Fische aus der Oder, frisches Gemüse aus der Umgebung und Wild vom Jäger. Ein Muss: den vorzüglichen, selbstgebackenen Bienenstich probieren. Ein Genuss, was will man mehr! Auch ein Abstecher zum Eiscafe „Anita“ neben dem Nationalparkhaus lohnt sich. Neben Eisspezialitäten schmeckten mir die Würstchen mit feinem, hausgemachtem Kartoffelsalat!

Romantisch gelegener Gasthof in Criewen
Foto © Andreas Riedmiller Romantisch eingewachsener Gasthof Linde in Criewen

Weiterführende Informationen und Kontakte: Eine Zeitreise durch 10.000 Jahre Landschafts- und Besiedlungsgeschichte des Unteren Odertals können Sie im Nationalparkhaus in Criewen unternehmen. Besonders interessant. Die Unterwasserwelt der Auenlandschaft wird in einem 15.000 Liter großen Aquarium gezeigt. Darin schwimmen Störe, Hecht, Aland, die Rappe, der Steinbeißer, Stichling, Zander, Quappe, Bitterling. Insgesamt sind 49 Fischarten der Oder im Aquarium. In einer sehr sehenswerten Multimedia-Schau können Sie sich einen Jahresüberblick ansehen. An fast allen Wochenenden starten Führungen und Exkursionen in den Nationalpark.

Nationalparkverwaltung
Unteres Odertal Park 2
16303 Schwedt/Oder,
OT Criewen Tel. 08332 2677-0

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Vielen Dank an Brandenburg- und Uckermark Tourismus für die gute Organisation meiner Recherchereise.

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