Wanderung im Jasmund Nationalpark auf Rügen

Mecklenburg Vorpommern: Nationalpark Jasmund auf Rügen

Jasmund ist mit 3000 Hektar der kleinste Nationalpark in Deutschland und UNESCO Weltnaturerbe. Bedeutende Vermächtnisse der ehemaligen DDR sind die einmalig schönen und ökologisch wertvollen Naturgebiete. Sie sind heute als Biosphärenreservate, Nationalparke oder als UNESCO – Weltnaturerbe streng geschützt. Der Jasmund Nationalpark besteht überwiegend aus Laubwald. 80 Prozent der Fläche sind zusammenhängender Buchenwald, dazwischen Lichtungen mit Weihern und Tümpeln. Außer dem Festland gehört ein 500 Meter breiter Streifen der Ostsee dazu.

Kreideküste im Jasmund Nationalpark
Foto © Andreas Riedmiller Kreideküste im Jasmund Nationalpark
Buchenwald im Jasmund Nationalpar
Foto © Andreas Riedmiller Buchenwald im Jasmund Nationalpark
Kreideküste im Jasmund Nationalpark
Foto © Andreas Riedmiller Wanderer an der Kreideküste im Nationalpark Jasmund
Jasmund Nationalpark
Foto © Andreas Riedmiller Steege im Jasmund Nationalpark
Wurzelteller überm Abgrund.
Foto © Andreas Riedmiller Wurzelteller hängen überm Abgrund.
Wanderer
Foto © Andreas Riedmiller Wanderer im Nationalpark Jasmund
Viktoriasicht
Foto © Andreas Riedmiller Viktoriasicht mit Blick auf die Ostsee
Viktoriasicht
Foto © Andreas Riedmiller Viktoriasicht mit Blick auf die Ostsee
Wurzelteller hängen über dem Abgrund.
Foto © Andreas Riedmiller Wurzelteller hängen über dem Abgrund.
Uralte Buchenwälder an der Kreideküste.
Foto © Andreas Riedmiller Uralte Buchenwälder an der Kreideküste.

Wanderung entlang der Kreideküste von Jasmund

Einmalig ist die 14 Kilometer lange Kreideküste entlang der Ostsee. Nahe dieser Kreideküste ist ein Wanderweg mit schönen Aussichtskanzeln. Diesen Weg bin ich von Sassnitz über den Königsstuhl bis zum Ort Lohme gewandert.

Am Wanderparkplatz beginnt der offizielle Weg. Ich gehe hinunter zum Hafen und laufe direkt an der Küste entlang, vorbei an dem muschelförmigen Musikpavillon von Altsassnitz. Der Weg verläuft entlang der Ostsee. Kurz nach dem Ortsrand sehe ich: hier hat die Natur das Sagen! Links des Weges hängen mächtige Buchen über den Hang. Ihre Wurzeln sehen wie Schlangenarme aus, die sich am Hang festkrallen. Wilde Clematis (Clematis vitalba) überwuchern den Weg. Wollen sie die Wanderer davon abhalten, diesen Uferweg zu gehen? Und rechts von mir: Die Brandung der Ostsee schlägt über den Pfad bis an die Kreidefelsen! An manchen Stellen muss ich die Schuhe auszuziehen und durchs kalte Meerwasser waten.

Ich befinde mich in einer „Kampfzone“ der Natur. Keine Spur von Romantik. Ein schmaler Streifen zwischen Land und Meer. Seit Jahrmillionen nagt die Ostsee an der Kreideküste, Wellenschlag um Wellenschlag. Die See nimmt langsam und unaufhörlich mehr von der Kreideküste mit sich. Im Winter brechen große Teile der Kreideküste ab und stürzen ins Meer. Der Grund: Einsickerndes Wasser und Frostsprengung. Im Jahre 2005 stürzte ein besonders großes Stück der „Wissower Klinke“ ins Meer.

„Wochenlang war ein breiter Uferstreifen der Ostsee milchig weiß mit Kreide gefärbt“, erzählt mir Andreas von der Küstenwache. Bei Dauerregen werden Kreide und Mergel durchnässt. Wie ein Brei fließt das Material die hohen Hänge herunter. Wer in diese zähflüssige Masse gerät, kann sich kaum selbst befreien.

Ich blicke hoch und sehe Wurzelteller der Buchen freischwebend am Himmel. Darunter sind Brutröhren einer Mehlschwalbenkolonie, unerreichbar für ihre Feinde. Größere und kleinere Brocken kullern herunter. Große Steine hängen labil in der weichen Kreide und könnten jederzeit nach unten stürzen. Wie Zeitbomben, denke ich. Mir wird es mulmig. Hätte ich nicht lieber auf meinen Vermieter hören sollen? Er hat mich gewarnt, direkt am Ufer zu gehen!

Ich wandere auf dem weichen, streng riechenden Seetang. Während ich gehe, blicke ich vorsichtig nach links oben. Einen Ausweg sehe ich nicht.

Schließlich erreiche ich die Störtebekerbucht. Hier komme ich über eine Holztreppe bequem auf den richtigen Weg. Störtebeker, der berühmte Seeräuber, soll der Sage nach hier einen Schatz versteckt haben.

Der Pfad führt durch den Buchenwald entlang der Küste bis zum Königsstuhl. Der Buchenwald und die Kreideküste waren entscheidend dafür, dass die Region zum Nationalpark erklärt wurde. So große, zusammenhängende Buchenwälder gibt es sonst nur noch im Thüringischen Hainich, in der Ukraine, der Slowakei und in den Karpaten. Der besondere Buchenwald des Jasmund Nationalparks wurde im Jahre 2011 zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt.

Buchenwald im Nationalpark Jasmund.
Foto © Andreas Riedmiller Buchenwald im Nationalpark Jasmund.
Herbstblatt
Foto © Andreas Riedmiller Spitzahornblatt
Kreideküste
Foto © Andreas Riedmiller Kreideküste

Im Buchenwald von Jasmund

Da Forstwirtschaft ökonomisch wichtigere Baumarten begünstig, wird die Buche zurückgedrängt. Wäre die Natur sich selbst überlassen, würde die Buche zwei Drittel Deutschlands besiedeln. Zur Zeit sind es 15 Prozent der Waldfläche. Die Buche kommt mit der Klimaerwärmung gut zurecht. Früher gab es in Deutschland mehr Buchen als heute. Das ist an Ortsnamen zu erkennen, die mit Buch oder Buchen (wie Buchenberg, Buchheim, Buchenrain…) beginnen.

Von einer Bucht zur anderen schlängelt sich der Pfad. Ich wandere zwischen riesengroßen, kerzengerade gewachsenen Buchen. Ein Förster sieht das wertvolle Holz der Buchen, ein Maler die Romantik und ein Naturschützer das Potential für die Ökologie. Auf mich wirken die kahlen, hohen Stämme wie Säulen einer gotischen Kathedrale. Die weit ausladenden Äste berühren sich am Himmel, wie das Netzgewölbe einer Kirchendecke.

In den Baumkronen brüten zwei Seeadlerpaare. Eigentlich hatte ich vor, die Herbstfärbung der Buchen zu fotografieren. Doch vor einer Woche fegte ein Orkan die Küste entlang und streifte alle Herbstblätter von den Bäumen. Sie liegen nass am Boden und leuchten in der Abendsonne rötlich. Daher der Name „Rotbuche“. Eigenartig ist die Stimmung im November. Rehe betrachten mich als Feind und springen davon. Ein Buntspecht fliegt mir entgegen und ruft „glückglückglück“. Ich höre das Rascheln der pergamentartigen Buchenblätter unter meinen Sohlen und das Rauschen des Windes, das sich mit Meeresrauschen vermischt. Ich fühle, wie entspannend das Gehen hier ist…

Kreideküste
Foto © Andreas Riedmiller Kreideküste
Viktoriasicht
Foto © Viktoriasicht Viktoriasicht
Königsstuhl
Foto © Andreas Riedmiller Königsstuhl
Nationalpark Jasmund auf Rügen. Die Wissower Klinke
Foto © Andreas Riedmiller Die Wissower Klinke

Bei den Wissower Klinken

Der Pfad führt nach einigen Windungen zurück an die Kreideküste. Schilder weisen mich darauf hin, dass hier die berühmte „Wissower Klinke“ ist.

Die „Wissower Klinke“ ist in natura unscheinbar, winzig und im ersten Moment alles andere als fotogen. Ich hätte sie beinahe übersehen. Keine Spur vom romantischen Blick, den Caspar David Friedrich 1818 auf seiner Hochzeitsreise auf diesem Bild gemalt hat.

Jetzt stehe ich genau hier, wo das berühmte Bild entstanden ist. Ich bin verunsichert. Habe ich vielleicht etwas Wichtiges übersehen? Ich gehe suchend hin und her. Suche das Schöne und Erhabene, was der große Maler in seinem berühmten Bild verewigt hat. Nur minimale Spuren davon sind zu erkennen. Ist das wirklich der Platz? Ich kann es mir vorstellen, wenn ich die Augen schließe und meiner Phantasie freien Lauf lasse…

„Schließe dein leibliches Auge,
damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehst dein Bild.
Dann fördere zu Tage was du im Dunkeln gesehen,
dass es zurückwirke auf andere von innen nach außen.“

Caspar David Friedrich

Am Kieler Bach führt eine lange Holztreppe hinunter zum Strand. Von unten sehe ich in die weite Bucht mit hohen Kreidefelsen. Dramatische Lichtstimmungen beleuchten für wenige Momente die hellbraunen Kreidefelsen. Ich habe Glück: Der Sturm reißt Löcher in die Wolkendecke, und ich kann an diesem grauen Novembertag Bilder machen, die mich freuen. Nun geht es hinauf und rasch weiter zur „Viktoriasicht“. Auf einem kleinen Balkon kann man waghalsig über einige Kreidezinnen zum Meer und zum Königsstuhl blicken.

Urwaldszenerie im Nationalpark Jasmund.
Foto © Andreas Riedmiller Urwaldszenerie im Nationalpark Jasmund.
Urwaldszenerie im Nationalpark Jasmund.
Foto © Andreas Riedmiller Im Herthasee stehen Schwarzerlen (Alnus glutinosa) auf Stelzwurzeln und im Wasser schwimmen Wasserlinsen – das einzige Grün im Herbstwald.
Urwaldszenerie im Nationalpark Jasmund.
Foto © Andreas Riedmiller Urwaldszenerie im Nationalpark Jasmund. Wilder Herthasee – Natur Natur sein lassen.
Weg zum Königsstuhl
Foto © Andreas Riedmiller ein Kolkrabe auf dem Weg zum Königsstuhl

 Auf dem Königsstuhl in Rügen

Der Königsstuhl ist 118 Meter hoch über der Ostsee. Es ist der markanteste Ausssichtspunkt in der Stubbenkammer. Der Sage nach wird derjenige zum König gewählt, dem es gelingt, den Kreidefelsen des Königsstuhls von der Seeseite zu erklimmen. Oben war ein Stuhl, in den er sich setzen sollte. Heute ist fast jeder König. Die Aussichtsplattform musste mit Beton verstärkt werden, damit der Königsstuhlgipfel die vielen Touristen aushält…

Ein frecher Kolkrabe hüpft übermütig vor mir, als er das Rascheln meiner Studentenfuttertüte hört. Mit einigen Nüssen aus der Hosentasche versuche ich den schwarzen Vogel zu bestechen, um ihn aus der Nähe zu fotografieren. Kolkraben sind kluge Tiere. In Island werden sie als Odins Vögel des Glücks bezeichnet und man freut sich dort, wenn sich ein Rabe dem Hof nähert.


Nationalparkhaus Jasmund
Foto © Andreas Riedmiller Nationalparkhaus Jasmund


Ich nutze die Gelegenheit, die interessante Ausstellung im Nationalparkhaus Königsstuhl zu besichtigen. Danach geht mein Weg über den verwilderten Herthasee in Richtung Lohme. Nach zwei Stunden Wanderung durch herbstliche Buchenwälder erreiche ich den Ort. Von Lohme aus bringt mich der Regionalbus bequem nach Sassnitz zurück.

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An – und Abreise unterstützte Fahrtziel Natur der Deutschen Bahn – vielen Dank.

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