Universitätsstadt Tübingen

Baden-Württemberg: Romantisches Tübingen

Ein schöner warmer Nachmittag. Ich gehe unter der Platanenallee auf der Neckarinsel bis zum Seufzerwäldchen. Golden funkelt die Herbstsonne durch tief hängende Zweige der Trauerweiden, die am Neckar wachsen. Ich bleibe stehen und blicke zum Hölderlinturm am Ufer gegenüber. Dieser Turm war die letzte Wohnstätte von Hölderlin und ist heute das romantische Wahrzeichen Tübingens. Häuser schmiegen sich am Neckar eng aneinander und verleihen der Stadt mediterranes Flair. Jugendliche sitzen auf Mauern und schauen fahrenden Stocherkähnen nach. Liebespaare gehen Hand in Hand, und ein Pärchen macht eifrig „Selfies“ mit Hölderlinturm im Hintergrund. Ja, es ist leicht zu erkennen: Tübingen ist eine junge, weltoffene Stadt. Mehr als 28000 Studenten aus der ganzen Welt studieren in Tübingen und prägen das Stadtleben.

Irgendwo hinter den Zweigen der letzten Trauerweiden geht die Sonne am Neckar unter. Ich sehe noch die allerletzten Strahlen, als ich über die Eberhardsbrücke in Richtung Altstadt gehe. Das Brückengeländer zu beiden Seiten der Fahrbahn ist geschmückt mit Blumenkästen. Der grüne OB Boris Palmer tut viel für die Stadt. Sie wird immer attraktiver.

Hölderlinhaus am Neckar.
Foto © Andreas Riedmiller Hölderlinhaus am Neckar.
Abendpaziergang durch die romantische Gassen von Tübingen.
Foto © Andreas Riedmiller Abendpaziergang durch die romantische Gassen von Tübingen.
Abendpaziergang durch die romantische Gassen von Tübingen.
Foto © Andreas Riedmiller Der Marktplatz von Tübingen.
Altstadt von Tübingen am Abend.
Foto © Andreas Riedmiller Straßencafe auf dem Marktplatz.
Altstadt von Tübingen am Abend.
Foto © Andreas Riedmiller Altstadt von Tübingen
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Foto © Andreas Riedmiller Hier war der Arbeitsplatz von Herrmann Hesse 1895–1899. Hesse war drei Jahre Lehrling und anschließend ein Jahr Gehilfe. Zu seinen Aufgaben zählte das Überprüfen, Verpacken, Sortieren und Archivieren der Bücher.
Weinstube Forelle, schon Goethe kehrte hier ein.
Foto © Andreas Riedmiller Die Weinstube Forelle hat Tradition. Schon Goethe kehrte hier ein.
Die Weinstube Forelle hat Tradition. Schon Goethe kehrte hier ein.
Foto © Andreas Riedmiller Die Weinstube Forelle hat Tradition.
Stiftskirche St. Georg. Die Orgel mit 5000 Pfeifen läßt den Gottesdienst zum einmaligen Klangerlebnis werden.
Foto © Andreas Riedmiller Stiftskirche St. Georg. Die Orgel mit 5000 Pfeifen macht Konzerte zum Klangerlebnis.
Spaziergang durch die Altstadt
Foto © Andreas Riedmiller Spaziergang durch die verwinkelte Gassen der Altstadt
Romantische Stocherkahnfahrt auf dem Neckar
Foto © Andreas Riedmiller Romantische Stocherkahnfahrt auf dem Neckar
Romantsiche Altstadt von Tübingen
Foto © Andreas Riedmiller Romantische Altstadt von Tübingen

Lass mich gehen

Durch enge, verwinkelte Gassen und Sträßchen, gehe ich abends alleine und ziellos umher. Vorbei an kleinen Geschäften mit Regionalprodukten, Müsliläden, Handwerker- und Schmuckläden, Galerien und Cafes, treppauf, treppab, bis ich am Marktplatz ankomme. An den umliegenden Fachwerkhäusern sind liebevoll geschmückte Fenster. Die Dämmerung taucht den historischen Marktplatz in magisches Licht. Die „blaue Stunde“ dauert wenige Minuten. Wie schön, dieser heutige Abend am Marktplatz!

Gäste flanieren in Grüppchen oder sitzen in Straßencafes. Heute ist ein idealer Abend für romantisch angehauchte Bilder. Mein Blick wird angezogen von der verzierten Rathausfassade mit Astronomischer Uhr und Mondphasenuhr, die 1511 von Johannes Stöffler, einem berühmten Tübinger Astronomen, konstruiert wurde. Die Uhr zeigt bis heute zuverlässig die Mondphasen an und gibt Hinweise auf den Sonnenstand. Ebenso Himmelsdaten, wie Sonnen- und Mondfinsternisse.

Den Rest des Abends beschließe ich im Restaurant Forelle, bei einem erfrischenden Forellenschorle und einem trockenen Viertele Gutedel-Weißwein. Mit meinen schwäbischen Tischnachbarn unterhalte ich mich über regionale Spezialitäten und in welchen Varianten man Schwäbische Linsengerichte zubereiten kann.

Stochern im Neckar

Am nächsten Morgen wartet am Hotelanleger ein Kahn auf uns. Nikolaus der Bootsführer achtet beim Einsteigen darauf, dass die Balance nicht aus dem Ruder fällt. Beim Einsteigen schwerer Gäste fängt der Kahn zu wackeln an. Ängstlich klammern sich mitfahrende Damen an der Bordwand fest. Nikolaus ermahnt uns: „Macht nichts ruckartig, und lehnt euch nicht alle gleichzeitig aus dem Boot! Einsteigen ist nicht einfach. Und es wäre nicht das erste Mal, dass Leute in den Neckar kippen.“ Gottseidank fliest der Neckar hier träge und langsam dahin. Sicher und kraftvoll stakt uns Nikolaus der Bootsführer mit einer langen Stange flussaufwärts zum Bootsanleger am Hölderlinturm. Hier startet die kurze Führungstour durch die Altstadt.

Die traurige Geschichte von Hölderlin

Traurig beginnt unsere Stadtrunde mit der Geschichte von Friedrich Hölderlin. Er wurde am 15. September 1806 als einer der ersten Patienten im Universitätsklinikum „in Chur“ genommen. Ein unglaubliches Martyrium war die Behandlung mit Eiswasser und Medikamenten, die Hölderlin 231 Tage ertragen musste. Damit seine Schmerzensschreie nicht zu hören waren, wurde ihm eine Authenrithsche Maske“ über den Kopf gezogen. Nach dieser Zeit wurde Hölderlin am 3. Mai 1807 als „unheilbar“ entlassen. In der zweiten Lebenshälfte kam er zur Pflege in eine Turmstube oberhalb des Neckars. Heute ist der Hölderlinturm Gedenkstätte und Museum.

Altstadt

Auf unserer kurzen Altstadtführung sehen wir auch die schönen und interessanten Winkel Tübingens. Unser Weg geht bergauf, am ehemaligen Studentengefängnis vorbei bis zur Münzgasse. Wir machen einen Abstecher in die Stiftskirche St. Georg. Wir sehen im Chorraum die Gräber der württembergischen Fürsten und die berühmten Glasfenster dahinter. Zu beiden Seiten neben dem Altar ist da ein Chorgestühl mit vier geschnitzten Figurenpaaren: Aaron und (der gehörnte)Mose, König David und Christus, die Apostel Paulus und Jakobus sowie ein Adeliger und ein Handwerker. In diesem Chorgestühl wurde von Graf Eberhard im Bart die Universität Tübingen gegründet. Die spätgotische Kirche mit Seitenschiffen dient der Stadt als Konzertsaal. 5000 Orgelpfeifen sind optimal aufeinander abgestimmt und erzeugen ein einmaliges Klangerlebnis in diesem Raum.

Beim Herausgehen aus der Kirche fällt am Haus gegenüber ein kleines Schild auf : „Hier kotzte Goethe“. Wir gehen Richtung Holzmarkt. Der Buchladen, in dem Herrmann Hesse von 1895- 1898 als Buchhändler ausgebildet wurde, steht noch. An vielen Stellen der Stadt sind Erinnerungstafeln angebracht, die an berühmte Persönlichkeiten, Wissenschaftler, Dichter, Denker, Ärzte, Astronomen, Schriftsteller etc. erinnern, die hier einst studiert, gelebt oder gearbeitet haben.

Der eigentliche Grund unseres Aufenthalts in Tübingen ist ein Besuch im Museum der Universität Tübingen, im Schloss Hohentübingen. Die dort ausgestellten eiszeitlichen Funde aus der Vogelherdhöhle sind 38 000 Jahre alt und weltweit einmalig. Herausragend und unglaublich schön sind die aus Mammutelfenbein gefertigten Tierminiaturen. Sie enthalten Botschaften und geheimnisvolle Zeichen unserer Ur-Ur-Ur-Urahnen, die bisher nicht entschlüsselt werden konnten. Gefunden wurden die ältesten Kunstwerke der Welt nicht weit von hier, in Höhlen der Schwäbischen Alb.

Wie diese Figuren aus der Eiszeit gefunden wurden, wer sie ausgegraben hat, wer sie heute erforscht und wo sie zu sehen sind, habe ich während einer Pressereise erfahren. Das alles ist so spannend und hochinteressant, dass ich dafür weitere Blogartikel brauche. Schaut bald wieder bei mir vorbei.

OB Palmer ist Vorbild
Foto © Andreas RiedmillerDie Stadt Tübingen ist fahrradfreundlich

Infos und Tipps:

  • Im Neckar stochern:

    Ein Vergnügen der besonderen Art, stilvoll und gemütlich, ist eine Nekarfahrt mit dem Stocherkahn. Es gibt thematische Stocherkahnfahrten mit Musik, mit Poesie am Hölderlinturm oder genüsslich, kulinarisch. Stocherkahnfahrten sind kommunikativ. Man kommt sich näher und zum „Schwätzen“ miteinander. Schön für Familienfeier, Betriebsausflüge, Hochzeitspaare…

  • „Tübingen macht blau“.

    Ist der Slogan der Klimaschutzkampagne von Oberbürgermeister Boris Palmer. Seit 2007 wurde ein CO2-Reduzierung von 18 Prozent pro Kopf erreicht. Dafür bekam Tübingen im Jahr 2014 den „European Energy Award in Silber“. Boris Palmer hält es für möglich bis zum Jahr 2020 eine CO2 Einsparung von 70 Prozent pro Einwohner zu erreichen. “.

  • Leben und leben lassen.

    Das Anliegen der Webseite „Buylocal“ ist Förderung und Stärkung regionaler Anbieter. Über eine Internetsuchmaske findet jeder ganz schnell sein gewünschtes Produkt und einen Anbieter aus nächster Nähe. Die benutzerfreundliche Webseite stellt jede Woche ein neues Mitglied vor.

  • Die Stadt erkunden mit einem Guide

    Das Tourismusbüro bieten unzählige thematische Führungen durch die Stadt und ihre Geschichte.

  • Regionale Spezialität:

    Auf dem Weg zum Schloss Hohentübingen liegt das Restaurant Munganäschtle. Hier gibt es viele Variationen schwäbischer Maultäschle und andere regionale Spezialitäten. Abseits des Trubels in einem schattigen Biergarten oder Abends können Sie den Tag genießen.

    Historisches Gasthaus Weinstube Forelle. Schwäbische Spätzle, Forellen und andere regionale Speisen. Goethe war da und meinte, dass das Leben viel zu kurz sei um schlechten Wein zu trinken…


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Forellenschorle

 

 

 

 

 

Vielen Dank an Baden-Württembergtourismus für die gute Organisation und die Einladung.


  1. Thomas Rathay

    Hallo Andreas,

    wann warst du den in Tübingen und hast die schönen Bilder gemacht? Da hätten wir ja mal wieder was zusammen machen können. Schöne Grüße aus Stuttgart,

    Thomas.

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