Luft- und raumfahrtmuseum

Baden-Württemberg: Dornier, Luft- und Raumfahrtmuseum

Claudius Dornier gilt als größter und wichtigster Erfinder seiner Zeit. Er ist am 14. Mai 1884 in Kempten im Allgäu geboren. Als Allgäuer interessiert mich dies besonders. Denn das Allgäu gilt auch als Land der Tüftler, Mächler und Erfinder. Im Museum sind Exponate von den ersten Fluggeräten Dorniers bis zu modernster Weltraumtechnik.

Flugpioniere haben Said Bellout unserem Museumsguide, ihre Erlebnisse anvertraut. Im Eingangsbereich des Dornier Museum blickt Claudius Dornier vom Bild geradewegs in das Gesicht der Besucher. „Er will sehen, wer in sein Museum kommt“, sagt Said. Als junger Ingenieur wurde Dornier von Ferdinand Graf von Zeppelin eingestellt. Bald darauf erkannte Graf Zeppelin sein großes Talent im Flugzeugbau und stellte ihm eine eigene Baracke in Seemoos bei Friedrichshafen zur Verfügung. Das war genau vor 100 Jahren und der Beginn eines internationalen Forschungs- und Entwicklungskonzerns. Neben Flugzeugen wurden auch Geräte für Medizin und Raumfahrt gebaut.

Dornier Museum in Friedrichshafen
Foto © Andreas Riedmiller Dornier Museum in Friedrichshafen mit Lichtinstallation des Künstlers James Torell.
Flugpioniere im Dornier Museum
Foto © Andreas Riedmiller Flugpioniere im Dornier Museum, von Leonardo da Vinci bis Claudius Dornier.
Claudius Dornier blickt direkt auf den Besuchereingang.
Foto © Andreas Riedmiller Claudius Dornier blickt direkt auf den Besuchereingang.
Dornier Wal
Foto © Andreas Riedmiller Dornier Wal – Originalnachbau des Flugzeugs mit dem Roald Amundsen die Nordpolarregion erforschte
Originalnachbau der Do Wal
Foto © Andreas Riedmiller Originalnachbau der Do Wal
Freiluft Pilotenkanzel der Do Wal
Foto © Andreas Riedmiller Freiluft Pilotenkanzel der Do Wal

In jeder Vitrine verborgene Flugabenteuer

Mit seinen Technikern entwarf Dornier mehr als 50 Flugzeugtypen. Viele sind heute als Model in Glasvitrinen ausgestellt. Andere stehen im Original in der Halle und draußen am Rand des Friedrichshafener Flugplatzes. Immer tiefer und tiefer tauche ich ein, in die vergangene Welt der Flugpioniere. Ihre waghalsigen Flugversuche, die manchmal mit einem großen Crash endeten, erforderten viel Mut und Entschlossenheit der Piloten. Wenn Flüge scheiterten, war das für Claude Dornier ein neuer Ansporn für technische Verbesserungen.

Mit dem Flugboot zum Nordpol

Die Entwicklung und Produktion des Flugbootes, Dornier Wal wurde eine Erfolgsgeschichte. Die Do Wal wurde als Postflugzeug und zur Seenotrettung weltweit verwendet. Dieses Flugboot bewährte sich und war zuverlässig. Roald Amundsen (1872-1928) zeigt sich interessiert. Er will als erster Mensch den Nordpol mit einem Flugzeug erreichen. Zwei Do Wal Flugboote wurden zerlegt und per Schiff nach Spitzbergen gebracht. In der Kingsbay Spitzbergens, wurden die Teile von Dorniers Ingenieuren zusammengebaut und die fertige Maschine eingeflogen.

Notlandung im Polareis

Said: „Am 21. Mai 1925 starteten beide Do Wal Flugboote mit der Nummer N24 und N25, von Spitzbergen aus in Richtung Nordpol mit ausreichend Sprit, Öl und Polarausrüstung. Am 87. Breitengrad im Nordpolarmeer geschah das Unglück. Nach acht Stunden Flug und 220 Kilometer vor dem Nordpol ist der Motor ausgefallen. Das erste Flugzeug musste auf dem Eis notlanden. Die Mannschaft des anderen Flugboots (Do Wal24), entschließt sich zur Hilfe und landet ebenfalls auf dem Eis. Bei dieser Landung wurde das zweite Flugzeug irreparabel beschädigt. Beide Flugboote sind beschädigt. Amundsen mit seiner Mannschaft schien verloren.“ Drei Wochen lang sind sie auf dem Eis gefangen. Die Flugmannschaft reparierte notdürftig den Motor der Do Wal 25. Mit einfachen Werkzeugen bauten sie eine 300 Meter lange Startbahn. Es gab nur einen einzigen Startversuch.

Am 14. Juni 1925 gelang der waghalsige Start aus der weißen Hölle. Flugkapitän Hjalmar Riiser-Larsen flog die überladene Maschine noch bis zur Nordküste Spitzbergens, wo sie Notwassern konnte. Ein zufällig vorbeikommender Robbenfischer, schleppte das Flugboot am langen Seil bis Ny-Alesund.

Ein Nachbau der einzigartigen Do Wal von Amundsens Nordpolflug steht heute im Museum. Die Passagiere waren im wasserdichten Bauch des Flugzeugs untergebracht. Die beiden Piloten saßen vorne in einer „Freiluft-Pilotenkanzel“. Nur mit einem kleinen Windschutz vor dem Gesicht, steuerten die Piloten den Riesenvogel. Der Motor mit großem Holzpropeller ist erhöht dahinter. Fliegen mit diesem Flugzeug war ein echtes Abenteuer. Weltenbummler Hardy Krüger steht bei der Eröffnung des Museums vor der DO Wal und sagt: „Der Pilot in mir steht schweigend vor solchen Maschinen, bewundernd. Und deshalb ist dieses Museum ein Traum.“

Flugzeugpropeller der Nordpolexpedition mit Amundsen
Original Flugzeugpropeller der Do Wal von Nordpolexpedition mit Amundsen
Die DO X1 im Landeanflug
Foto © Repro: Andreas Riedmiller DO X im Landeanflug
Herr..
Foto © Andreas Riedmiller Said Bellout schildert die Landung im Hudson River/NY

Neue Glasvitrine und neues Flugabenteuer

In der nächsten Glasvitrine erwartet uns ein weiteres Flugabenteuer. Said steht davor und zeigt uns das Flugzeugmodell der DO X. Hier kommt Said ins Schwärmen. Die DO X war das erste Großraumflugzeug der Welt. Dornier erkannte den Bedarf an Großraumflugzeugen. Die Planung begann im Jahre 1925 in Manzell. Für das gigantische Flugzeug wurden große Fabrikhallen in Altenrhein am Bodensee gebaut.

Im Museum steht eine original nachgebaute Kabine. Said zeigt die Polstermöbel, die man zum Schlafen herunterklappen konnte. Daneben in jeder Kabine eine Schreibmaschine und ein Telefon. Die Speisen wurden in edlem Porzellan serviert. Zur damaligen Zeit war dies Komfort auf höchstem Niveau.

Erfolg oder Niederlage

Das Großraumflugzeugwurde vor Ort im Bodensee getestet. Am 12. 6. 1929 stiegen in Konstanz 170 Personen in das Flugschiff. Das Flugzeug hatte ein Gewicht von 28 Tonnen. Zwölf Motoren mit jeweils 640 PS sollten genügend Schub aufbringen um das Flugschiff vom Wasser in die Luft zu bringen. Bald darauf startete die DO X erste große Flugrunde durch Europa. Von Holland, über England, Frankreich, Spanien bis nach Portugal.

Ein Zeitzeuge berichtet:

Start am 5. November 1930: „Am Bodensee hielt gerade der Winter Einzug. …. Der Morgennebel und spät eintreffende Wettermeldungen ließen einen frühen Start nicht möglich werden. [ein wenig später heißt es, Anm. IW] 11:30 Uhr donnerten die Motoren auf Vollgas, der Flug begann. Es war der schönste, den wir miterleben konnten. Diese Triumpffahrt eines Werkes modernster Technik, vorbei an den alten Städten und Denkmälern unserer Geschichte und Tradition, entlang des rebenbekränzten Rheines, wird uns allen unvergesslich bleiben.“

Landung im Hudsonriver

1931 flog die DO X nach Rio. Von dort in 22 Tagen, entlang der Küste bis nach New York. New York war der Höhepunkt. Said stellte sich im Museum vor die Skyline der New Yorker Wolkenkratzer und breitet seine Arme wie zur Landung aus: „Als die DO X im Hudson River landete, läuten Kirchenglocken und Schiffsirenen. Über 200 000 Menschen kamen um das Flugschiff zu sehen. Amerikanischen Zeitungen berichteten voller Bewunderung über den Flug und die Landung der DO X. Der New Yorker Bürgermeister hat die Flugmannschaft am Rathaus empfangen und geehrt.“ Es brauchte mehr als 30 Jahre bis wieder ein Großflugzeug gebaut wurde.

 

Ein Zeitzeuge berichtet von der letzten Etappe: Norfolk – New York (26. bis 27. August 1931):

„Um 11:10 Uhr sind wir über New York, umfliegen die Freiheitsstatue, dann geht es den Hudson aufwärts bis zur neuen Hudson Brücke, im weitem Bogen zurück über die Stadt, vorbei an Wolkenkratzern. Dächer und Straßen sind schwarz von Menschen, die Sirenen der Dampfer dringen bis zu uns hinauf trotz unserer 12 Motoren. Am Hafen stehen Tausende  und winken und warten auf die Landung. Flugzeuge in allen Größen, selbst ein kleines Luftschiff sind um uns, neben uns. Vor der Landung heißt es genau den rechten Platz auszusuchen, denn es wimmelt von kleinen Dampfern, Motorbooten […] 11:30 Uhr landet die Do X vor dem Battery Park.“

Lufthansamaschine Silberfuchs
Foto © Andreas Riedmiller Erste Lufthansamaschine Silberfuchs

Erste Lufthansamaschine Silberfuchs
Foto © Andreas Riedmiller Erste Lufthansamaschine Silberfuchs

Exponate

Im Dornier Museum befinden sich unzählige Exponate. Neu ist ein Flugsimulator von Liebherr Aerospace, der einen Flug der DO 27 simuliert. Daneben gibt es Weltraumsatelliten und eine Raumkapsel. Die Firma Dornier hat hier die Versorgungsanlage der Raumfahrer installiert. Die dunkle Zeit des zweiten Weltkriegs hat ebenfalls eine eigene Abteilung. Bringen Sie viel Zeit mit, dieses Museum zu besichtigen.

Lichtinstallation von James Torell

Inzwischen ist es Abend geworden und die Lichtinstallation, des Künstlers James Torell taucht die futuristische Achitektur in sphärisches Licht. 40 000 LED Leuchten lassen die Glasfassade in allen Farben schimmern. Der Künstler James Torell aus den USA ist passionierter Pilot. Sein Herzenswunsch war eine eigene DO 27 zu besitzen. Das ist das einzige Flugboot von Dornier, das noch immer fliegt.

Das Museum

„Kreativität und Mut – Wie das Neue in die Welt kommt“. Ist der Titel einer Sonderausstellung. Hier werden nicht nur Entwicklungen von Claudius Dornier gezeigt sondern auch andere visionäre Erfindungen die unsere Welt veränderten. Die Sonderausstellung will beleuchten, wie kreative Ideen entstehen und in der Welt verwirklicht werden. Ein Anliegen des Museums sind Workshops und Aktionen für Kinder. Das Dornier Museum ist Lern- und Erlebnisort für Kinder.


Vielen Dank Museumsguide Said Bellout für die Veröffentlichungserlaubnis der Portraits. Ebenso für die Fotoerlaubnis im Dornier Museum und für die Einladung von Baden-Württemberg Tourismus.


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