Altes Handwerk - Blaudruck

Burgenland: Blaudruck ist UNESCO Kulturerbe

Blaudruck, ein magischer Vorgang. Färbermeister Josef Koò aus Steinberg im Burgenland ist einer der letzten Blaudrucker in Europa, der dieses Handwerk beherrscht. Grundlage für die Farbe ist eine Mischung aus Wasser, Indigo und Kalk, die regelmäßig aufgefrischt wird. Diese Farbküpe ist Basis seiner Arbeit als Färber und kann ein Leben lang genutzt werden. Die genaue Zusammensetzung der Farbflüssigkeit ist Betriebsgeheimnis von Josef Koò.

Blaudruck im Burgenland ist Immaterielles Weltkultuerbe der UNESCO
Foto © Andreas Riedmiller Die Flüssigkeit reagiert auf Luftsauerstoff und verwandelt sich in verschiedene Farbschattierungen von gelb zu lindgrün, türkis, smaragd, dunkelgrün, tannengrün, giftgrün, amethystblau. Die fertige Mischung nennt man Farbküpe.
Die Blaudruckerei Koo in Steinberg pflegt alte Handwerkskunst
Foto © Andreas Riedmiller Der Blaudrucker Josef Koò in Steinberg pflegt alte Handwerkskunst.
Blaudruck Handwerk
Blaudruck Handwerk
Mit einer Stange wird Indigo mit anderen Zutaten in der Küpe vermischt.
Foto © Andreas Riedmiller Mit einer Stange wird Indigo mit anderen Zutaten in der Küpe vermischt.
Der Leinenstoff wird auf eine Spindel aufgezogen und hernach in die Küpe mit Indigo gesenkt.
Foto © Andreas Riedmiller Der Leinenstoff wird auf einen Sternreifen aufgezogen und hernach in die Küpe mit Indigo gesenkt.
 Die Pflanzenfarbe Indigo wird in die Küpe geschüttet.
Foto © Andreas Riedmiller Die Pflanzenfarbe Indigo wird in die Küpe geschüttet.
Blaudrucker im Burgenland
Foto © Andreas RiedmillerMehrere Tauchgänge sind nötig um den richtigen Farbton zu erhalten.
Auf dem Sternreifen wird Soff aufgezogen und dann in die Küpe gesenkt.
Foto © Andreas Riedmiller Auf dem Sternreifen wird Stoff aufgezogen und  in die Küpe gesenkt.
Indigo kommt grün aus der Küpe und reagiert mit Luftsauerstoff. Hernach entwickelt sich erst der Blauton.
Foto © Andreas Riedmiller Indigo kommt grün aus der Küpe und reagiert mit Luftsauerstoff. Hernach entwickelt sich erst der Blauton.
Nach dem Eintauchen
Foto © Andreas Riedmiller Nach dem Eintauchen
Blaudruck Burgenland ist Immaterielles Weltkulturerbe
Foto © Andreas Riedmiller Mehrere Färbedurchgänge sind nötig um tiefes, reines Blau zu erhalten.
Der Leinenstoff wird zum Färben auf eine Spindel aufgezogen.
Foto © Andreas Riedmiller Der Leinenstoff wird nach dem Färben auf dem Sternreifen zum Trocknen aufgestellt.
Trocknen des Leinenstoffs in der Spindel.
Foto © Andreas Riedmiller Trocknen des Leinenstoffs in der Spindel.
Die Familie Koo
Foto © Andreas Riedmiller Familie Koò

Blaudrucker Joseph Koò bewahrt die Tradition des Original-Blaudruckes

Mit einer 4 Meter langen Stange wird die angenehm erdig riechende Flüssigkeit in der Küpe umgerührt, in die hernach der stoffbespannte Sternreifen eingetaucht wird. „Bin ich bei einem mittelalterlichen Alchemisten gelandet?“ Die Flüssigkeit reagiert auf den Luftsauerstoff und verwandelt sich in verschiedene Farbschattierungen von gelb zu lindgrün, türkis, smaragd, dunkelgrün, tannengrün, giftgrün, amethystblau. Welch geheimnisvolle Vorgänge sich beim Blaudruck abspielen erkläre ich Ihnen gleich.

Verwendet werden in der Blaudruck – Färberei Leinen- und Baumwollstoffe sowie Seide. Nach dem Herausziehen des Sternreifens färbt sich der Stoff schnell in Grün- und helle Blautöne. Dieser Vorgang wird  mehrmals wiederholt.

Bald hat der Leinenstoff den richtigen, dunklen und edlen Blauton angenommen. Joseph Koò wäscht nach dem letzten Tauchgang den Papp, der das Muster auf dem Stoff freihält, aus den bestellten Tischdecken heraus und legt sie auf einen Stuhl.

In Schränken lagern bis zu 200 Jahre alte Holzmodel mit eingeschnitzten Ornamenten oder mit Messingstiften darauf, die das filigrane Muster bilden. Das Aufsetzten der mit Papp bestrichenen Holzmodel auf dem Leinenstoff ist Präzisionsarbeit. Es verlangt von ihm Konzentration und verwacklungsfreies Aufsetzen, damit nach dem Färbevorgang das exakte Stoffmuster entstehen kann.


Von Hand wird das Muster mit Papp auf den Stoff aufgebracht. diese stellen beloben hernach hell.
Foto © Andreas Riedmiller Handwerk: Von Hand wird das Muster mit Papp präzise auf den Stoff aufgebracht.

Blaues Wunder:

So ein magisches, tiefes und intensives Blau sah ich nie. Dieses geheimnisvolle Blau ist einmalig. Diese Farbe sieht zeitlos, edel und wertvoll aus. Man kann daraus moderne Designprodukte entwickeln. Blau ist die Lieblingsfarbe der meisten Deutschen. In der Farbpsychologie symbolisiert die Farbe „Blau“ Sympathie, Harmonie, Freundlichkeit, Treue, Vertrauen, Phantasie. Blau bedeutet auch Entspannung, Stille, Ruhe, Transparenz, Spiritualität aber auch Kälte.

Bei Josef Koò wird genau so produziert, wie es die Familientradition vorgegeben hat.  Früher war Kleidung im Blaudruck als Arbeitsschürze oder einfacher Rock sehr gefragt. Seine Eltern belieferten die Märkte im Umkreis von über 200 Kilometer. Josef Koò lässt sich nicht verführen, seinen Betrieb auf Hightech und Massenproduktion umzustellen, obwohl die Nachfrage nach seinen handgefertigten Produkten wieder steigt.  Blaudruck war ein willkommener Nebenverdienst und ist es für ihn heute noch, erzählte er.

Im Hof sieht aus wie es immer schon war, nur ein Volvo Oldtimer steht jetzt zusätzlich da. Der Auslöser meiner Kamera hält dieses Motiv und die Zeit fest. Joseph Koò bewahrt die Tradition des Original-Blaudruckes für die Zukunft und produziert weiterhin zeitlos schöne Blaudrucke.

Leinenstoffe gefärbt mit Indigo und bemustert.
Foto © Andreas Riedmiller Bemusterte Leinenstoffe gefärbt mit Indigo.
Modische Designvorlagen
Foto © Andreas Riedmiller Modische Designvorlagen für den Blaudruck.
Frau Koo im Ladengeschäft.
Foto © Andreas Riedmiller Frau Koò arbeitet im Ladengeschäft.

 

Original burgenländischer Indigo-Handblaudruck ist erhältlich bei Blaudruckerei Koó

Expertenwissen:

Von der Farbe Blau geht eine große Faszination aus. Viele Menschen kommen täglich mit Indigo in Berührung. Wussten Sie, dass Jeans mit Indigo gefärbt werden?

Indigo – König der Farbstoffe


Handwerk
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Diese Reportage aus dem Burgenland erschien zuerst im ADAC Reisemagazin Special „Burgenland“. Text von Kathrin Parmentier und mit Fotos von Andreas Riedmiller.

Hier bestellen: ADAC Reisemagazin Burgenland: Österreich ganz anders


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