Kelheim -Donaudurchbruch

Bayern erleben: Kelheim – mit dem Schiff zum Kloster Weltenburg

»Leinen los« ruft der Kapitän. Mit dem Fahrgastschiff geht es von Kelheim bis Kloster Weltenburg. Um die Aussicht an diesem warmen Frühlingstag zu genießen, haben sich viele Gäste am Sonnendeck eingefunden. Kelheim, der ehemalige Residenzort der Wittelsbacher, hat heute etwa 16 000 Einwohner. Die Befreiungshalle auf dem Michelsberg ist das Wahrzeichen der Stadt. Unterhalb befindet sich die spätgotische Franziskanerkirche, die ein sehenswertes Orgelmuseum beherbergt. Daneben steht die kleine romanische Kirche St. Michael mit ihrem imposanten Turm.

Stadt Kelheim mit Donautor

Der kleine, romantische Ort Kelheim ist Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Kloster Weltenburg. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Befreiungshalle auf dem Michelsberg und das Orgelmuseum in der Franziskanerkirche.
Kelheim ist Ausgangspunkt für einen Ausflug zum Kloster Weltenburg. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Befreiungshalle auf dem Michelsberg und das Orgelmuseum in der ehemaligen Franziskanerkirche.

Impressionen der Weltenburger Enge

Gleich nach dem Hafen beginnt das Naturschutzgebiet, sogar mit der besonderen Auszeichnung des Europadiploms. Ab hier dürfen keine Privatboote fahren. Der Motor des Ausflugsschiffes tuckert kaum hörbar. Rundum erleben wir Wald in allen Grünschattierungen, außer Vogelgezwitscher herrscht himmlische Ruhe. Langsam gleiten wir voran und lassen das Städtchen Kelheim hinter uns. Wir erleben die erhabene Landschaft zu beiden Seiten der Donau wie in einem großen Freiluftkino.

Alles am Fluss

Die Donau, zweitlängster Fluss Europas mit 2900 Kilometern, fließt als einziger Strom von West nach Ost und verbindet zehn Länder. Sie bietet einen Korridor für Tier- und Pflanzenarten, die sich im Laufe der Jahrtausende vom Balkan bis hin zur schwäbischen Alb verbreiten konnten.

Naturwaldreservate

Die Hang- und Schluchtwälder am Donaudurchbruch sind geschützte Naturwaldreservate, die sich zum Urwald entwickeln sollen. Hier gedeiht einmalige Vielfalt an Baumarten. Die aus dem Wald ragenden Felsen haben fantasievolle Namen aus der Märchenwelt. Man nennt sie Bienenkorbfels, Napoleons Reisekoffer, Drei feindliche Brüder, Versteinerte Jungfrau oder die Eidechsenwand. Uhu, Gänsesäger und Falken brüten hier.

Im Schatten hoher Bäume gedeihen hier besonders viele Eiben. Daneben gibt es Rotbuchen, Hainbuchen, die Winter- und Sommerlinde, die Trauben- und Stieleiche, den Bergahorn. Die Bergulmen am Donauufer tragen im Mai reife Samenfrüchte mit beidseitig hauchdünnen »Schwimmflügeln«. Diese ovalen Schwimmfrüchte werden von der Donau verbreitet. Flügelfrüchte von Tannen, Fichten, Linden und Ahornen nimmt der Wind mit.

Naturwaldreservat
Naturwaldreservat

Das felsdurchsetzte Gelände mit Mischwald und viel Totholz liefert Nahrung, bietet Unterschlupf und sichert die Lebensgrundlage für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die eiweißhaltigen Nüsse und Eicheln  verbreiten Eichhörnchen, Mäuse und Eichelhäher, wenn sie ihre Vorratslager anlegen. Beerenfrüchte werden von Vögeln gefressen. Die harten, unverdaulichen Samenkörner werden an anderer Stelle ausgeschieden. Manche Tiere des Waldes verhalten sich wie Gärtner. Sie sorgen selbst dafür, dass ihre Lebensgrundlage auch für ihre Nachkommen erhalten bleibt. Aus den vergessenen Vorratsdepots wachsen im Folgejahr Bäume und Büsche heran. Das kann man an den Schluchtwäldern der Weltenburger Enge beiderseits der Donau ablesen.

Zeichen im Stein

Die Donau hat deutliche Spuren in Felsen hinterlassen die man im »Bienenkorb« sehen kann. Franziska Jäger, Gebietsbetreuerin der Weltenburger Enge, zeigt mir fossile Meeresschnecken (Ammoniten) und zu Stein gewordene Korallen. »Nach dem Rückzug des Jurameeres blieben Mengen an Ablagerungen aus Schwämmen, Schnecken und anderen Kleinstlebewesen zurück, die sich im Laufe der Jahrmillionen zum juratypischen Kalkstein festigten.«

Früher zogen Treidelpferde salzbeladene Kähne flussaufwärts. Die tiefen Schleifspuren im Kalkgestein zeugen von dieser Zeit. Die letzten Hochwasser haben ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Am abgeschmirgelten Gestein ist zu erkennen, wie hoch der Flusspegel steigen und zur Bedrohung werden kann.

Donaudurchbruch -Jurakalkstein mit Versteinerungen und Spuren der Vergangenheit am Bienenkorb.
Donaudurchbruch -Jurakalkstein mit Versteinerungen und Spuren der Vergangenheit am Bienenkorfels.

Weltenburger Enge

Gegen zehn Uhr kommen wir beim Kloster Weltenburg an. Der direkte Weg führt die meisten Besucher in die sehenswerte Asam-Barockkirche. Sie ist prachtvoll ausgestattet mit Kunstwerken der weltbekannten Maler, Stuckateure und Baumeister Cosmas Damian und seinem jüngeren Bruder Egid Quirin Asam. Bereits um 617 gründeten hier Schüler des hl. Kolumban eine Klosterzelle. Von daher gilt Kloster Weltenburg als älteste klösterliche Siedlung Bayerns.

Kloster Weltenburg
Kloster Weltenburg

Magie

Am frühen Vormittag steht St. Georg, der Drachentöter, im Gegenlicht der Sonne. In diesem Licht wirken die kunstvollen Stuck- und Barockfiguren der Asamkirche farbiger und greifbarer als sonst. Das schräg einfallende Morgenlicht, gemischt mit diffusem Nebel des Weihrauchs, erzeugt eine spirituelle Atmosphäre im Kirchenraum. Realität und Illusion verschwimmen. Besucher sollten sich Zeit nehmen für diese Eindrücke .

Genuss

Nach Besichtigung dieser einmaligen Basilika lockt unter schattigen Kastanienbäumen der Biergarten. Es herrscht ein vielsprachiges Stimmengewirr. Geschirr und Gläser klirren. Kellner servieren uns Weißwurst und dunkles Starkbier. Ich trinke »Weltenburg Barock Dunkel« aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt. Das süffige Bier wird unverändert nach einem Rezept aus dem Jahre 1050 gebraut. An kaum einem anderen Ort ist bayerische Lebensart mit Kultur und Genuss so eng verbunden wie hier.

Befreiungshalle

Auf einzigartige Weise begegnen sich auf dem Michelsberg bei Kelheim Kultur und Natur. Die Befreiungshalle überragt mit 45 Metern Höhe die höchsten Baumwipfel und ist weithin sichtbar. Es scheint, als wollte Bauherr König Ludwig I. mit seinem Denkmal der Landschaft die Krone aufsetzen.

Befreiungshalle in Kelheim
Befreiungshalle in Kelheim

»DEN TEUTSCHEN BEFREIUNGSKÄMPFERN LUDWIG I. KOENIG VON BAYERN«

Jeder Baustein atmet deutsche Geschichte. König Ludwig I. ließ die Gedenkstätte als Erinnerung für siegreiche Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813 – 1815 errichten. Die Befreiungshalle ist auch Mahnmal für die Einheit Deutschlands. Der erste Blick in den großen Raum versetzt mich in Staunen. 34 Siegesgöttinnen mit Flügeln stehen im Rund des Kuppelraums und reichen sich die Hände. Die Skulpturen aus weißem Marmor schuf der Bildhauer Ludwig von Schwanthaler. Faszinierend.

Eigens hierfür wurde Carrara Marmor von Livorno und La Spezia aus nach Holland verschifft. Über den Rhein, den Main und den Ludwigskanal kam der Stein nach Kelheim.

Oberbaurat Friedrich von Gärtner plante 1842 die Befreiungshalle in Anlehnung an antike und christliche Zentralbauten. Als er 1847 verstarb, war der Bau vorübergehend unterbrochen. König Ludwig I. beauftrage anschließend Architekt Leo von Klenze, der den Weiterbau anders konzipierte als ursprünglich geplant. Die Einweihung fand am 18. Oktober 1863 statt. Eine Besichtigung der Befreiungshalle lohnt sich.

Gästehaus St. Georg 

Dem Kloster angegliedert ist das Gästehaus St. Georg. Wer für einige Zeit Erholung und innere Einkehr sucht, findet hier ein geeignetes Domizil. Das Gästehaus verfügt über modern ausgestattete Seminarräume und Einzel- und Doppelzimmer. Die Einrichtung ist dem klösterlichen Ambiente angepasst. Während der Betriebszeiten der Ausflugsschiffe von 10 bis 17 Uhr ist in Weltenburg Publikumsverkehr. Davor und danach herrscht Beschaulichkeit und klösterliche Ruhe. Frater Matthias sagt: »Der Ort lebt vom Kontrast. Hier ist Ruhe und unverfälschte Natur, die uns Kraft für Arbeit und Gebet gibt. Jeder Gast darf, wenn er möchte, am klösterlichen Tagesablauf der Messen teilnehmen. In der Umgebung von der Donau kann der Besucher dem Alltagstrubel entkommen, wandern und Energie tanken.«

Angeboten werden philosophische Seminare, Schweigeexerzitien, ein Ökumene Angebot von Ministerpräsident a. D. Dr. Günther Beckstein, Bibelkurse mit Abtprimas Dr. Notker Wolf, Kurse zu Spiritualiät und Kunst, zu Ikonenmalerei, Freskenmalerei oder Gesang im gregorianischen Choral.

Nach meinem Aufenthalt in Kloster Weltenburg fahre ich mit einer Zille flussabwärts bis zur Wipfelsfurt. Der ausgebaute Uferweg bis Kelheim ist wenige Kilometer lang.

Moderne und schlicht eingerichtetes Gästehaus der Benediktinerabtei Kloaster Weltenberg.
Moderne und schlicht eingerichtetes Gästehaus der Benediktinerabtei Kloster Weltenburg.

Spaziergang durch Kelheim

»Weltenburg Barock Dunkel« 

Brauereiführung durch die älteste Klosterbrauerei der Welt: wie aus Wasser, Gerste und Hopfen Bier entsteht, erklärt Braumeister Ludwig Mederer. Wir erfahren, welchen Weg der Sud durch eine hochmoderne computergesteuerte Brauanlage nimmt, bis am Ende das Naturprodukt »Bier« in hervorragender Qualität ins Glas gefüllt wird. Na klar: Am Ende der Brauereiführung gibt es ein Glas »Wellenberg Barock Dunkel«.

Der Weg des Bieres - Klosterbrauerei Wellenberg
Der Weg des Bieres in der Klosterbrauerei Weltenburg

Orgelmuseum in der Franziskanerkirche

Das besondere Orgelmuseum in der 1471 erbauten Franziskanerkirche ist einen Besuch wert. Es steht am Fußweg unterhalb der Befreiungshalle oder ist in fünf Minuten vom Schiffshafen aus zu erreichen. Das Fachpublikum und interessierte Musikliebhaber sind begeistert. Zu sehen gibt es vier historische Orgeln aus der Umgebung, die noch funktionieren. Bei Führungen kann man diese Orgeln hören. Ich habe im Museum erfahren: Um 950 entstand in der St. Peters-Kirche in Winchester eine monumentale Orgel. Zum Spielen benötigte man zwei Organisten, 70 Männer, die 26 Blasebälge bedienen mussten. Ist doch interessant! Die Museumsführerin Frau Maria M. überrascht mich in der Franziskanerkirche mit einem Lied, um mir die hervorragende Akustik in der Hallenkirche zu demonstrieren. Dieses Museum hält auch für Sie Überraschungen bereit. Neugierig? Wenn Sie in Kelheim sind, sollten Sie nicht versäumen das Orgelmuseum zu besuchen.

Einkehren

Nach einem langen Wandertag zählen Sushi und asiatische Restaurants nicht zu meinen Favoriten. In der malerischen Altstadt von Kelheim habe ich ein bodenständiges Wirtshaus gefunden. Ich kehre im Gasthof Weisses Lamm ein, gelegen in der Ludwigstraße 12. Auf der Speisekarte stehen bayerische Schmankerl, die man nur ab und zu findet. Es gibt Kalbsnierenbraten, Altmühltaler Lamm, Kalbskopf, Milzwurst und andere regionale Spezialitäten. Meine Portion Spanferkel kommt superknusprig und zart auf den Tisch. Ein Genuss. Dieses Gasthaus kann ich daher aus eigener Erfahrung empfehlen.

Unterkunft im Gasthaus zum Schwan in Kelheim

Das Gasthaus zum Schwan ist ein guter Ausgangspunkt, um Kelheim und die Weltenburger Enge zu besuchen. Zur Befreiungshalle geht man zu Fuß in 20 Minuten, der Altstadtkern von Kelheim und der Schiffshafen sind nur wenige Meter entfernt. Das charmante, 300 Jahre alte Haus in ruhiger Lage bietet schön eingerichtete Gästezimmer mit Antiquitäten aus unterschiedlichen Stilepochen. Der Innenhof mit wildromantischem Garten bietet den Gästen ruhige Winkel zum Entspannen. Ich hab mich im Gasthaus Schwan sehr wohl gefühlt und kann daher das Haus empfehlen.

Gasthaus zum Schwan -Empfehlenswerte Unterkunft direkt am Donauhafen in Kellheim.
Gasthaus zum Schwan – empfehlenswerte Unterkunft direkt an der Donau  in Kelheim.


Dank an Frau Bergeaud vom Tourismusverband im Landkreis Kelheim  und Gasthaus zum Schwan für die Unterkunft.

  1. Die Bootsfahrt von Kelheim zum Kloster Weltenburg haben wir vor ein paar Jahren auch gemacht. Vor allem im Frühjahr ist das eine schöne Tour. Deine Fotos sind – wie immer – toll.

    • Danke Monika, die Schifffahrt durch die Weltenburger Enge lohnt sich und ist ein schönes Erlebnis. Besonders im Frühling wenn die Buchenwälder die ersten Blätter zeigen. Der Ausgangspunkt Kelheim ist ein hübscher Ort, der Besuch im Orgelmuseum bietet Überraschungen und ein Abstecher zur Befreiungshalle ist lohnend.

  2. Bei der Weltenburger Enge war ich letztes Jahr im November, ist schon beeindruckend. Allerdings sieht es im Frühjahr viel schöner aus, wenn alles grün ist wie auf deinen Fotos. Ein Grund, noch mal hinzufahren.

    • Jede Jahreszeit hat ihre besonderen Reize. Im Frühjahr, wenn die Buchenwälder ihr Laub entwickeln, finde ich die Weltenburger Enge besonders schön.

  3. Schaut gut aus – das ist meine Heimat – .
    Wer kann das von der Umgebung, in der er lebt, so klar und deutlich sagen.
    Natürlich muss man es auch sehen, oder noch besser aufnehmen.

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