Baden-Wuerttemberg-Archaeopark

Baden-Württemberg: Archäopark – Zeitreise in die Vergangenheit

Allein stehe ich am Eingang der Vogelherd-Höhle. Die letzten Strahlen der Sonne leuchten tief hinein in die Höhle. Ich werde nachdenklich und stelle mir vor, wie die Landschaft damals aussah. Vieles habe ich von Eiszeitforschern lernen dürfen. Besuchte mit ihnen steinzeitliche Fundplätze in Höhlen der Schwäbischen Alb, lauschte aufmerksam und bestaunte einmalige Kunstwerke in Museen.

Der Eingang der Vogelherd-Höhle befindet sich im Archäopark auf einer Anhöhe über dem Lonetal. Ein idealer Standort für die Eiszeitjäger, die hier oben Schutz unter Felsüberhängen und in Höhlen suchten. Hier lebten Menschen (Neandertaler) schon vor 100 000 Jahren. Forscher fanden Spuren der Homo sapiens, Artefakte und andere Gegenstände die Einblicke in ihre Zeit geben. Wissenschaftler ziehen daraus Rückschlüsse auf das Leben der Eiszeitjäger und ihre Umwelt.

Es war kalt. Eiszeit. Gletscher drangen von Skandinavien bis Mitteleuropa vor. Die Alpengletscher streckten ihre Zungen bis weit ins Alpenvorland hinaus. Dazwischen die Gegend der heutigen Schwäbischen Alb, wo Menschen in Karsthöhlen lebten. Das Klima war subarktisch. Das Schmelzwasser der Gletscherflüsse mäandrierte in großen Schleifen durch die karge Landschaft in Richtung Donau. Es wuchsen Sträucher, Zwergbirken und arktische Weiden.

Die Homo sapiens mussten kreativ sein, um in dieser unwirtlichen Umgebung überleben zu können. Ihr Energiebedarf war hoch, Fleisch war ihre Hauptnahrung. Sie zogen in Gruppen durch die Jagdgründe. Um Tiere erlegen zu können, mussten sie Waffen herstellen. Hauptsächlich benutzten sie lange Speere mit massiven Feuersteinklingen an der Spitze. Beliebte Beutetiere waren Wildpferde und Rentiere, die in Herden durch die eiszeitliche Steppe zogen. Der Höhlenbär war im Winterschlaf leichte Beute. Er lieferte außer Fleisch und Knochen wärmendes Fell.

Die ersten Kunstwerke und Musikinstrumente sind bis zu 40 000 Jahre alt.  Forscher entdeckten sie in Höhlen der Schwäbischen Alb. In der Schatzkammer des Archäoparks sind zwei außergewöhnliche Figürchen ausgestellt. Ein plastisch gestaltetes Mammut und ein Höhlenlöwe. Professor Gustav Riek fand bei seinen Ausgrabungen 11 Figürchen, die im Schloss Museum von Tübingen zu bestaunen sind. Die Nachuntersuchung von Professor Nicholas J. Conard brachte neue Artefakte ans Tageslicht.

Die Bildsprache der Kunstwerke teilt mit, welche Tiere in der Eiszeit lebten. Der Höhlenlöwe ist häufiges Thema ihrer Kunst. Seine Darstellung zeigt, wie sehr er bewundert wurde. Als König der Steppe, muskulös, dynamisch und kraftstrotzend. Daneben gibt es Pferde, Wisente, und Mammute. Das Material Mammut-Elfenbein hat die Jahrtausende bis heute überdauert.

Nebeneingang der Vogelherd-Höhle im Archäopark. Einzigartige Funde aus der menschlichen Urgeschichte machten die Vogelherd-Höhle berühmt.
Foto © Andreas Riedmiller Nebeneingang der Vogelherd-Höhle im Archäopark. Einzigartige Funde aus der menschlichen Urgeschichte machten die Vogelherd-Höhle berühmt.
In der Schatzkammer des Archäopark is eine vollplastische Mammutdarstellung aus der Vogelherdhöhle, ca. 40 000 Jahre alt.
Foto © Andreas Riedmiller In der Schatzkammer des Archäopark ist das vollplastische Mammutfigürchen aus der Vogelherdhöhle zu sehen. Es ist ca. 40 000 Jahre alt.
Ein architektonisches Highlight ist das futuristisch gestaltete Museumsgebäude des Archäopark. Architekt Ritter Jockisch.
Foto © Andreas RiedmillerFuturistisch gestaltetes Gebäude von Ritter Jockisch Architektur. Die umgebende Landschaft stellt eine Mammutsteppe dar ohne Bewuchs.

Ewa Dutkiewicz M.A. führt uns durch den Archäopark

M.A. Ewa Dudkiewicz im Archäopark
Foto © Andreas RiedmillerEwa Dutkiewicz M.A. zeigt Menschenschädel aus der Steinzeit. Links im Bild ist der Schädel des Neandertalers und rechts der Homo sapiens.

Der Neandertaler ist noch nicht ganz ausgestorben. Ewa Dudkiewicz M.A. erklärt anhand zweier Schädelnachbildungen den Unterschied zwischen Neandertaler und Homo sapiens.

Das neue Konzept des Archäopark kommt ohne Schilder und beschriftete Tafeln aus. Bei jeder Station ist ein QR – Code angebracht mit Informationen.

 Wie in einer Höhle unter einem Grashügel, betritt der Besucher den Archäopark. Architekt des futuristischen Gebäudes ist Ritter Jockisch
Foto © Andreas Riedmiller Wie in einer Höhle unter einem Grashügel, betritt der Besucher den Archäopark. Architekt des futuristischen Gebäudes ist Ritter Jockisch Architektur.
Höhlenlöwe - Figürchen aus Mammut-Elfenbein in der Schatzkammer des Archäopark.
Foto © Andreas Riedmiller Höhlenlöwe – Figürchen aus Mammut-Elfenbein in der Schatzkammer des Archäopark.
Begegnung: Homo sapiens begegnen sich im Archäopark.
Foto © Andreas Riedmiller Begegnung: Homo sapiens begegnen sich im Archäopark.
Archäopark Vogelherd. Erlebnistation auf dem Hermann-Mohn-Weg.
Foto © Andreas Riedmiller Der Erlebnisrundweg im Archäpark ist nach dem Entdecker der Vogelherdhöhle benannt – Heimatforscher Hermann Mohn.
Archäopark Vogelherd. Erlebnistation auf dem Hermann-Mohn-Weg. "Baukasten" mit Steinzeitmaterialien.
Foto © Andreas RiedmillerArchäopark Vogelherd. Erlebnisstation am Hermann-Mohn-Weg. „Baukasten“ mit Steinzeitmaterialien.
Archäopark Vogelherd. M.A. Ewa Dutkiewicz zeigt einen Mammut Backenzahn.
Foto © Andreas RiedmillerEwa Dutkiewicz M.A. zeigt Mammut Backenzahn.
M.A. Ewa Dutkiewcz führt eine Gruppe auf dem Hermann-Mohn-Weg durch den Archäopark Vogelherd.
Foto © Andreas RiedmillerEwa Dutkiewcz M.A. führt eine Gruppe durch die Ausstellung.
Der Archäopark Vogelherd, mit seinem imposanten Museumsgebäude, ist einer Tierspur nachempfunden.
Foto © Andreas RiedmillerDer Archäopark Vogelherd, mit seinem imposanten Gebäude, ist einer Tierspur nachempfunden.
Gemeine Kiefer - Pinus syvestris im Archäopark Vogelherd im Lonetal.
Foto © Andreas Riedmiller Gemeine Kiefer – Pinus syvestris im Archäopark Vogelherd im Lonetal.
Archäopark Vogelherd - Koffer mit Knochen.
Foto © Andreas Riedmiller Archäopark Vogelherd – Kofferset mit Knochen aus der Steinzeit.
Archäopark Vogelherd im Lonetal - Jurte mit Birkenrinde.l
Foto © Andreas RiedmillerArchäopark Vogelherd im Lonetal – Jurte mit Birkenrinde.
Archäopark Vogelherd im Lonetal - Jurte mit Birkenrinde.l
Foto © Andreas Riedmiller Archäopark Vogelherd im Lonetal – Jurte mit Birkenrinde.
Archäopark Vogelherd im Lonetal. M.A. Ewa Dutkiewcz führt einen Speerwurf vor.
Foto © Andreas RiedmillerBesucherin macht Erinnerungsbilder (l.).   Ewa Dutkiewcz M.A. führt Besuchern einen Speerwurf vor (r.).
Archäopark die Höhle Vogelherd im Lonetal
Foto © Andreas RiedmillerHaupteingang der Vogelherd-Höhle, die im Archäopark ist. Am Fels links, ist an der helleren Schicht am Fels, deutlich zu sehen wie hoch die Sedimente vor der Grabung von Professor Gustav Riek lagen. Riekes Grabung (1931) mit „Schaufel, Pickel und Schubkarre“, dauerte nur drei Monate. Zum Vorschein kamen elf Mammut-Elfenbeinfiguren aus der Zeit des Avignacien (etwa 35 – 40 000 Jahre vor unserer Zeit), viele Werkzeuge und Tierknochen. Die Nachuntersuchung von Professor Nicholas J.Conard dauerte von 2005 bis 2012 und förderte viele weitere Funde ans Tageslicht.
Auditorium des Archäopark Vogelherd
Foto © Andreas Riedmiller Atrium mit Feuerstelle im Archäopark Vogelherd

Meine Reisetipps:

  • Neu: Qualitätsanbieter in Baden-Württemberg ausgezeichnet. In Baden-Württemberg gibt es 231 Orte, Unterkünfte, Restaurants, Freizeitparks, Museen und andere Anbieter, die sich auf die besonderen Wünsche von Familien mit Kindern eingestellt haben. Zehn Preisträger dürfen das neue Qualitätssiegel des Landeswettbewerbs ab Januar 2017 tragen.
  • Die schönsten und ältesten Steinzeitfiguren aus der Vogelherd- Höhle können heute im Universitätsmuseum am Schloss Hohentübingen besichtiget werden.
  • Auf dem ehemaligen Pfad des Heimatforschers Hermann Mohn wurde ein Rundweg mit Stationen eingerichtet.
  • Vor dem Museum befindet sich ein Atrium mit einem Grillplatz. Es gibt u.a. Ochsenspieße mit Wildbeeren und Nüssen, Speisen wie in der Steinzeit.
  • Kinder und Erwachsenen macht der Besuch im Archäopark Vogelherd Freude. Das gilt besonders für die Ferienzeit, wenn der Park zum normalen Programm weitere Sommererlebnisse anbietet. Wie kochen Eiszeitjäger eine Suppe mit heißen Steinen? Wie kann man mit Feuersteinen Löcher bohren? Abends auf den Spuren der „Mammutjäger vom Lonetal“ durchs Gelände ziehen ist ein besonderes Erlebnis für die Familie.(www.archaeopark-vogelherd.de).
  • Einer Zeitreise gleicht der Besuch im Pfahlbau Museum am Bodensee: Mit Steinzeitwagen um die Wette rennen, auf dem Barfußpfad spüren, wie sich früher Wege um die Siedlungen angefühlt haben oder eine Steinzeit-Olympiade mitmachen: Familien treten gegeneinander an und messen sich beim Fischangeln und in anderen Disziplinen (www.pfahlbauten.de).
  • Mit der Taschenlampe in die Charlottenhöhle ist eine Führung in die Unterwelt, die alle Sinne anspricht. Wie dunkel ist eine Höhle? Wie riecht und klingt die Charlottenhöhle?  Zur HöhlenErlebnisWelt gehören ein Spielgelände und ein Infozentrum, in dem eiszeitliche Tiere in Szene gesetzt sind (www.hoehlenerlebniswelt.de).

Der Archäopark Vogelherd ist ein Erlebnis für die ganze Familie

>Archäopark Vogelherd im Lonetal. Ein Steinzeitmal wird mit glühenden Steinen zubereitet.
Foto © Andreas Riedmiller Kochen mit glühenden Steinen
Archäopark Vogelherd im Lonetal. Ein Steinzeitmal wird mit glühenden Steinen zubereitet. ein Rentiergeweih dient als Werkzeug um die glühenden steine aus dem Feuer zu holen.
Foto © Andreas Riedmiller  Glühende Steine mit Rentiergeweih aus dem Feuer holen.
Feuerschale
Foto © Andreas Riedmiller Feuerschale im Atrium

Das könnte Sie auch interessieren:

> Der Löwenmensch

> Die Venus

> Figurine der Vogelherdhöhle


Steinzeit-archaeopark_01 5

Herzlichen Dank für die Einladung und die gute Organisation von Baden-Württembergtourismus und allen Mitwirkenden. Ebenso mein Dank für die Fotoerlaubnis im Archäopark.


  1. Das ist ja ein interessanter Ort, Andreas. Uns faszinieren solche prähistorischen Orte auch sehr. Von der Vogelherdhöhle hatten wir bisher noch nicht gehört, aber die ist offensichtlich nicht nur wegen ihrer prähistorischen Fundstellen, sondern auch wegen ihrer modernen Architektur interessant. Danke für den Tipp.

  2. Ich finde es klasse, wenn solche Themen spannend umgesetzt werden, so dass man auch als Nicht-unbedingt-Museums-Fan Lust auf einen Besuch hat. Vor allem gefällt mir die Architektur und wie diese sich in die Natur integriert.

    • Danke für Deinen Kommentar. Alleine tue ich mir manchmal schwer, das Besondere in Museen zu entdecken, deshalb mache ich gerne eine Führung mit. Manche Museumsführer sind mit voller Begeisterung dabei und lassen die Vergangenheit mit Gesten und Erklärungen aufleben. Die kurzweilige Führung mit Eva Ewa Dutkiewicz M.A. durch die vergangene Eiszeit und durch den Archäopark hat mir richtig Spaß gemacht. Dieses Museum ist besonders für Kinder zu empfehlen. Viele Stationen zum Mitmachen vermitteln auf unterhaltsame Art Wissen über das vergangene Leben der Eiszeitjäger.

  3. Klasse! Der Ewa sieht man richtig an, dass sie Spass am Erklären hat. So strahlend zwischen den Totenschädeln. ?

    • hallo Thomas,

      Gottseidank waren dies keine echte Schädel, sondern Nachbildungen. Aber du hast recht, die Erklärungen und die Führung durch den Archäopark hat uns allen Spaß gemacht.

  4. Eine Reise in die Vergangenheit ist immer interessant, vor allem wenn die Zusammenhänge lebendig dargestellt werden.

    • Hallo Sabine,

      Danke für Deinen Kommentar. Ich habe den Eindruck, wenn man die Vergangenheit kennenlernt, versteht man die Gegenwart viel besser. Museumsbesuche interessieren mich, besonders wenn ein Guide es versteht die Zusammenhänge spannend zu erklären.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.